Orientreise der besonderen Art

  • Spendenaktion - 12.10.2015

Fast 7.000 Kilometer hat Andreas Blum in den vergangenen Monaten zurückgelegt. Mit dem Rad ging es von Freiburg im Breisgau über die Türkei nach Isfahan im Iran. Dabei sammelte er Spenden für ein Schulprojekt der Jesuiten für syrische Flüchtlingskinder. Was der 35-jährige Sozialpädagoge auf seiner Reise erlebt hat, berichtet er in einem Gastbeitrag:

Von meiner bisher längsten und weitesten Radreise von Freiburg im Breisgau nach Isfahan im Iran bin ich gesund und um viele Erfahrungen reicher wieder zurückgekehrt. Dass diese Tour über weite Strecken eher einer Tortur gleich kam, lag zum einen am kalten und nassen Wetter auf den ersten 3.500 Kilometern, zum anderen am nahezu täglichen Gegenwind, der meinen Spaß am Radfahren über Wochen hinweg ordentlich reduzierte. Häufige Defekte an meinem Stahlross, das mich in früheren Jahren sicher nach Barcelona, Jerusalem, St. Petersburg und den gesamten Rhein entlang bis an die Nordsee getragen hat, zwangen mich zu ungeplanten mehrtägigen Pausen wegen fehlender Ersatzteile. Erst ab Erreichen der iranischen Grenze ging es relativ problemlos voran – abgesehen von den 35 bis 40 Grad Hitze im Schatten.

Schon in den ersten Tagen machte das Sturmtief Niklas einen Strich durch die Tourenplanung – so musste ich in Österreich wegen des Wintereinbruchs auf drei Teilstrecken auch den Zug und Bus nehmen, da ich im Schnee kaum vorankam. Die Widrigkeiten hatten aber auch eine gute Seite: so traf ich immer wieder Menschen, die mir weiterhalfen, mich zu sich nach Hause einluden oder Kontakte herstellten, wo ich übernachten konnte. Insbesondere in Österreich, Rumänien, der Ukraine und im Iran erfuhr ich großzügige Gastfreundschaft. Mein Zelt habe ich nie gebraucht – ich schenkte es deshalb in der Osttürkei Kindern.

Höhen und Tiefen

Istanbul habe ich in guter und schlechter Erinnerung: So lud mich bei meiner Ankunft spätabends auf der Autobahn am Stadtrand ein junges Paar samt Rad in ihr Auto und brachte mich sicher zu meiner Unterkunft. Zwei Tage später allerdings wurde ich an einem Geldautomaten von Trickdieben bestohlen.

Meine Reise hatte ich mit einem Spendenaufruf für eine Schule für syrische Flüchtlingskinder in Ankara verbunden, die der Jesuiten-Flüchtlingsdienst (JRS) eingerichtet hat. Einen Tag bevor ich dort ankam, wurde diese vorübergehend geschlossen, weil es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Einheimischen und Flüchtlingen gekommen war. Nach den Sommerferien sollte es mit einem modifizierten Konzept weitergehen.  Dazu kam es nicht – obwohl die Schule erfolgreich gearbeitet hatte und von Eltern und Kindern gut angenommen wurde. Einflussreiche türkische Kreise verhinderten die Weiterarbeit und verdrängten den JRS. Die syrischen Kinder sind nun wieder ohne Schule – das trifft auf 68 Prozent der Flüchtlingskinder zu.

Erfreulicherweise wurden bis Mitte September 2015 über meinen Spendenaufruf 5.475 Euro gespendet. Da das Ankara-Projekt momentan nicht weitergeführt werden kann, der JRS aber seit Jahren im Libanon erfolgreich Bildungsarbeit mit syrischen Kindern leistet, sollen die Spenden dem Schulprojekt in Kfar Zabad in der Bekaa-Ebene zugutekommen, wo seit 2013 220 Kinder unterrichtet und mit dem Nötigsten versorgt werden.  Es kann und soll also gerne weiter gespendet werden.

Hürden der Bürokratie

Zuweilen hinderte mich auch die Bürokratie am Weiterkommen: das Visum für Aserbaidschan sollte ich in Graz abholen, doch musste ich fünf Tage warten, bis es kam. Und als ich dort an der  Grenze ankam, wurde mir die Einreise verweigert, weil es nur noch sechs Stunden gültig war. An der iranischen Grenze bekam ich – entgegen meinen Informationen – kein Visum, so dass ich mit dem Bus hunderte Kilometer zurück nach Erzurum fahren musste, wo ich dann nach zwei Wochen das ersehnte Papier bekam.

Mehr als entschädigt für den Frust wurde ich durch eine Ballonfahrt bei Sonnenaufgang in Kappadokien, die wunderschönen Landschaften Anatoliens, die antiken Stätten auf dem Berg Nemrut in 2.150 Meter Höhe, die Fahrt um den Ararat und die vielen Begegnungen im Iran, in dem ich dann auch vier Wochen blieb. In Isfahan, Freiburgs Partnerstadt, habe ich Touren durch das armenische und das jüdische Viertel gemacht, welche mir die Vielfalt des Landes deutlich gemacht haben. Dazu kam ein kurzer Beitrag über meine Reise in den Abendnachrichten des Lokalfernsehens. Und da das Land reich ist an Sehenswürdigkeiten, ließ ich mir Zeit, diese zu erkunden. Die Verständigung war nun auch wieder leichter als in der Türkei, weil viele Iraner gut Englisch können.

Das Interesse an einem Radreisenden ist dort so groß wie die Hilfsbereitschaft, die ich durch zahlreiche spontane Geschenke an Wasser bei der großen Hitze sowie Einladungen zu Übernachtungen erlebt habe. Wenn man so viel Entgegenkommen, Offenheit, Liebenswürdigkeit und Gastfreundschaft genießen durfte, bleibt als Fazit dieser Reise nur große Dankbarkeit.

Von Andreas Blum

© weltkirche.katholisch.de

Spenden

Spenden für das Schulprojekt für syrische Flüchtlingskinder (können von der Steuer abgesetzt werden):

Für Deutschland: Jesuitenmission Liga Bank  IBAN: DE61 7509 0300 0005 1155
SWIFT-BIC: GENODEF1M05    Stichwort "Andreas Blum"

Für die Schweiz: Missionsprokur der Schweizer Jesuiten (Franz Xaver Stiftung) PostFinance 80-22076-4  IBAN CH48 0900 0000 8002 2076 4    Stichwort "Andreas Blum"

Für Österreich: Menschen für andere, Erste Bank, IBAN AT 94 20111 82253440000, BIC GIBAATWWXXX, Stichwort "Andreas Blum"

 

Statistisches

  • Reisezeit: 28. März bis 07. August 2015
  • Radkilometer 6.698 km in 348:18 Stunden an 65 Reisetagen  (= durchschnittlich 103 km pro Tag)
  • Längste Teilstrecke/Tag: 203 km in 10 Std
  • Durchschnittsgeschwindigkeit insgesamt 19,23 km/h
  • Dazu kamen an „radfreien“ Tagen 1550 km in der Türkei und 800 km im Iran mit dem Bus.
  • Platter Reifen: 2x (Kappadokien und kurz vor Isfahan)

Link-Tipp

 

Andreas Blum hat ein ausführliches Tagebuch über seine Reise im Internet geführt, das Sie unter dem Menüpunkt „Reise nach Isfahan 2015“ lesen können.

 

Zur Website