Die Tagesordnung durcheinander gewürfelt

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  • Flüchtlinge - 17.09.2015

Der kirchliche Terminkalender ist derzeit so dicht wie lange nicht mehr: Wenige Tage vor der mit Spannung erwarteten Weltbischofssynode zum Thema Ehe und Familie im Vatikan, eine Woche nach dem Abschlusstreffen des Dialogprozesses der katholischen Kirche Deutschlands in Würzburg und wenige Wochen vor dem verpflichtenden „Ad-limina-Besuch“ aller deutschen Bischöfe im Vatikan, treffen sich die Vertreter der 27 Diözesen von Montag bis Donnerstag zu ihrer Herbstvollversammlung in Fulda.

In den Mittelpunkt haben die 65 Bischöfe und Kardinäle die Flüchtlingsproblematik gestellt – und mit Blick auf die Bedeutung des Themas den sonst üblichen Ablauf der Herbstvollversammlung durcheinander gewürfelt. Unter anderem wollen sie sich von Experten aus der Flüchtlingsarbeit, ehrenamtlichen Helfern und den Oberbürgermeistern von Darmstadt und Brandenburg/Havel, Jochen Partsch (Grüne) und Dietlind Tiemann (CDU), informieren lassen und über eine Stärkung der langfristigen Arbeit für Flüchtlinge beraten.

Einzelne Medien und Politiker hatten der Kirche in den vergangenen Monaten eine zu zögerliche Hilfsbereitschaft vorgeworfen – was man bei der Bischofskonferenz deutlich zurückweist. Kirchenvertreter räumen allerdings ein, dass die dezentrale Struktur es schwer macht, sich einen Überblick zu verschaffen.

Online-Dossier zur Flüchtlingshilfe der Kirche

Im August hatte das Sekretariat der Bischofskonferenz in Bonn ein Dossier veröffentlicht, in dem aufgelistet wird, was die 27 Diözesen, die Caritas, Gemeinden, Verbände und Orden für Flüchtlinge tun. Danach wurden 2014 mehr als 73 Millionen Euro für Flüchtlinge bereitgestellt. Aktuellere Zahlen für 2015 sollen in Fulda präsentiert werden.

Ein  neues Online-Dossier der deutschen Bischöfe gibt eine umfangreiche Übersicht über kirchliche Aktivitäten zur Flüchtlingshilfe.

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„Neben materieller wird auch seelsorgliche Unterstützung geleistet; neben Rechts- und Verfahrensberatung werden auch Maßnahmen zur Sprach- und Integrationsförderung angeboten; neben Berufsberatungs- und Bildungsangeboten gibt es auch besondere Hilfeleistungen für minderjährige Flüchtlinge; und neben der Bereitstellung von Unterkünften wird auch für psychologische und ärztliche Betreuung gesorgt“, heißt es in dem Dossier. Auch die internationale Hilfe zählt dazu: Hilfswerke wie Misereor, Adveniat, Renovabis, Missio oder Caritas international engagieren sich für bessere Lebensmöglichkeiten in den Herkunftsländern, um Fluchtursachen zu beseitigen.

Dialogprozess und Heiliges Jahr

Weitere Schwerpunkte der Vollversammlung sind der nach fünf Jahren beendete innerkirchliche Dialogprozess sowie die Planungen zum vom Papst ausgerufenen „Heiligen Jahr der Barmherzigkeit“. Den Dialogprozess hatte der damalige Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, vor genau fünf Jahren in Fulda angestoßen, um Vertrauen zurückzugewinnen, das im Zuge des Missbrauchsskandals 2010 bei den Gläubigen und in der Öffentlichkeit verloren gegangen war.

Fünf Jahre später spricht der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, von einem Erfolg des Gesprächsprozesses. Durch die Zusammenkünfte von Bischöfen, Priestern und Laienkatholiken „sind wir wieder in den Tritt gekommen“, zog er vergangene Woche Bilanz. In einer Umbruchsituation habe die Kirche „einen neuen Schritt in eine offene Gesellschaft hinein“ getan und neue Formen des vertrauensvollen Miteinanders erprobt. Die Gespräche hätten die Reform des kirchlichen Arbeitsrechts, eine stärkere Beteiligung von Frauen an kirchlichen Führungspositionen und eine neue Debatte über Ehe, Familie und Sexualität positiv beeinflusst.

Zum Abschluss der Vollversammlung lädt die Bischofskonferenz zu einer Festakademie „50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil“ ein, die am Donnerstag (24. September) im Maritim-Hotel Fulda stattfindet. Das Konzil (1962–1965) endete am 8. Dezember vor 50 Jahren. Ziel der von Papst Johannes XXIII. einberufenen Kirchenversammlung war die Erneuerung (Aggiornamento) der Glaubensverkündigung. Die Bischofskonferenz erklärte dazu, sie sehe dieses „Ins-Heute-Bringen des Glaubens“ mehr denn je als die zentrale Mission der Kirche an. Dazu wird es einen Vortrag des Mainzer Kardinals Karl Lehmann und eine Podiumsdiskussion geben.

Von Christoph Arens (KNA)

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