Frische Farbe und hohe Erwartungen

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  • Papstreise nach Kuba - 09.09.2015

Aufgerissene Straßen, eingerüstete Häuserfassaden, Malerarbeiten an Kirchen und frisch gepflasterte Plätze: Kuba gönnt sich vor dem Besuch von Papst Franziskus eine optische Verjüngungskur. Vielerorts zeugen Bau- und Restaurierungsarbeiten davon, dass sich der kommunistisch regierte Karibikstaat beim Besuch des Papstes in einem positiven Licht präsentieren will.

In Havanna steht besonders der Platz der Revolution im Fokus. Hier wird das Kirchenoberhaupt eine große Messe feiern. Mit dabei sein wird auch ein berühmter Landsmann: Das riesige Konterfei des argentinischen Revolutionärs Che Guevara (1928–1967) ist auf eine Häuserfront im Hintergrund des Altars aufgebracht. Auch in der Stadt Holguin, im nationalen Wallfahrtsort La Virgen del la Caridad del Cobre und in Santiago de Cuba, der zweitwichtigsten Stadt im Osten der Insel, wird renoviert. Die historische Kathedrale in Santiago erstrahlt bereits seit einiger Zeit in einem undefinierbaren, aber frischen Grauton.

Viele Kubaner sind stolz auf den dritten Besuch eines Papstes in ihrem Land – unabhängig davon, ob sie religiös sind oder nicht. „Wir wissen, dass der Papst sich sehr für Kuba einsetzt“, sagt Laurencio. Der 53-Jährige arbeitet in einer Zigarrenfabrik in Havanna. „Ein langweiliger Job“, sagt er. Nebenbei führt er Touristen durch die Hauptstadt, erzählt Geschichten, berichtet von seinem Leben und verdient sich so einige Pesos dazu. Touristen, von denen in den vergangenen Monaten immer mehr auf die Karibikinsel strömen. „Auch das haben wir dem Papst zu verdanken“, sagt Laurencio und spielt damit auf die Vermittlerrolle von Franziskus im Dauerkonflikt mit den USA an.

Viele Kubaner sind religiös

Nicht nur um die vorsichtige Öffnung des Landes geht es den Menschen. Trotz Revolution und Kommunismus sind viele Kubaner religiös. „Aber wir sprechen nicht gerne darüber“, sagt Leo. Der 42-Jährige lebt mit seiner Familie in Santiago de Cuba und arbeitet hier als Mechaniker. „Damit muss man auf der Straße vorsichtig sein.“ Trotzdem ist Religion präsent, gehört auf unaufgeregte Art zum Alltag: Kreuze an Halsketten, Marienfiguren an den Rückspiegeln der Oldtimer.

Dabei gestalteten sich die Beziehungen zwischen Kirche und Staat nach der Revolution 1959 äußerst schwierig. Zahlreiche Maßnahmen reduzierten den gesellschaftlichen Einfluss der Kirche. Viele Geistliche verließen Kuba, und bis 1979 ging die Zahl der Katholiken etwa um die Hälfte zurück. Erst mit dem Besuch von Johannes Paul II. 1998 wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen. 2012 kam auch Benedikt XVI. auf die Karibikinsel und mahnte deutlich Religionsfreiheit an.

Erwartungen an den Papst gespalten

Auf klare Worte hoffen viele Kubaner auch bei Franziskus. Botschaften wie jene, die zuletzt seine Südamerika-Reise prägten, wären auch hier willkommen. In einer Rede vor der Nationalversammlung in Havanna würdigte selbst Staatspräsident Raul Castro die Südamerika-Reise des Papstes jüngst als geschichtsträchtig. Mit seiner Botschaft für Frieden, Gleichheit und Umweltschutz sowie zum Kampf gegen Hunger habe das Kirchenoberhaupt weltweit Bewunderung erregt, so Castro. Kuba werde Franziskus mit „Zuneigung, Respekt und Gastfreundschaft empfangen, wie er es verdient“.

Und bei seinem Besuch im Vatikan lehnte sich Castro gar noch weiter aus dem Fenster: „Wenn der Papst so weitermacht, dann kehre ich zur katholischen Kirche zurück“. Das ist nicht ohne Selbstironie: Kubas Kommunistische Partei hat niemals bekennende Christen aufgenommen.

Dissidenten und Regierungskritiker hingegen setzen auf andere Themenschwerpunkte. Meinungs- und Religionsfreiheit und Menschenrechte stehen hier hoch im Kurs. Es sind diese sehr unterschiedlichen Erwartungen, die die Reise für Franziskus zu einer Gratwanderung werden lassen könnten. Fabrikarbeiter Laurencio freilich sieht die Sache mit kubanischer Gelassenheit. „Ich möchte nicht zu viele Erwartungen an den Papst richten“, sagt er und zieht an seiner Zigarre. „Ich freue mich einfach, dass er kommt. Und ich bin gespannt darauf, was er uns sagen wird. Eins ist sicher: Das wird eine große Party.“

Von Inga Kilian (KNA)

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