Deutscher Naturschutzring ruft zum Klimapilgern auf

  • Klimaschutz - 09.09.2015

Geht doch!“ – Das ist das Motto des ökumenischen Klimapilgerwegs, der vom 13. September bis zum 27. Oktober von Flensburg durch das Münsterland nach Paris führen wird. Diese besondere Aktion sorgt für breite Bündnisse: Gemeinsam haben am 9. September in Münster der Deutsche Naturschutzring sowie die evangelische und die katholische Kirche zum Mitpilgern und zum Engagement für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit aufgerufen.

„Eine grandiose Idee: spirituelles Wandern für eine bessere Welt, in Gemeinschaft mit Gleichgesinnten, denen das Überleben unseres einzigartigen Planeten besonders am Herzen liegt“, lobte Gerlinde Hoffmann vom Präsidium des Deutschen Naturschutzrings, der für fast fünf Millionen Mitglieder in knapp 100 Natur-, Tier- und Umweltschutzverbänden steht. „Der Deutsche Naturschutzring ist dankbar, dass die Kirchen mit der super Initiative des ökumenischen Pilgerwegs für Klimagerechtigkeit tatsächlich nach Paris pilgern!“ Dies unterstütze der Naturschutzring „gerne und von ganzem Herzen“.

Spiritualität und politisches Engagement verbinden

„Beim Klimapilgern verbinden sich zwei essentielle Dinge: unsere spirituellen, geistlichen Wurzeln, die uns tragen, und das politische Engagement, das in unserem Glauben begründet ist“, erklärte Klaus Breyer vom Institut für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen. Gottes Weisungen an die Menschen, die Erde zu bebauen und bewahren und Anwälte der Schwachen zu sein, seien „angesichts des katastrophalen Klimawandels und des jahrzehntelangen Versagens der Weltklimapolitik höchst politisch“. Klimaschutz verschaffe mehr Gerechtigkeit, helfe, Armut zu bekämpfen, trage dazu bei, Lebensgrundlagen künftiger Generationen zu sichern, und sei zudem „eine wichtige Säule der Bekämpfung von Fluchtursachen“, sagte Breyer.

Geht doch!

Anlässlich der UN-Klimakonferenz im Dezember 2015 in Paris riefen die Kirchen zu einem ökumenischen Pilgerweg für Klimagerechtigkeit auf.

weltkirche.katholisch.de

„Wir wollen durch den Klimapilgerweg die Vorbereitung der sehr entscheidenden Weltklimakonferenz in Paris unterstützen, indem wir auf die Notwendigkeit eines entschiedenen Handelns der Staaten hinweisen“, erläuterte Weihbischof Dr. Stefan Zekorn. „Gleichzeitig möchten wir möglichst viele Menschen auf dem Weg mitnehmen und ansprechen, um sie für ein Handeln aus ökologischer Verantwortung zu stärken“. Mit dem Klimapilgerweg griffen die Organisatoren das alte christliche Motiv des Weges auf, schilderte Zekorn, der auch eine Etappe ab Münster mitpilgern wird: „Das Unterwegssein macht deutlich, dass das Leben des Einzelnen und der Staaten ein Prozess ist, der verantwortet gestaltet werden muss. Zu dieser aktiven und verantworteten Gestaltung der Welt rufen wir auf“.

Schmerzpunkte und Kraftorte

Von Osnabrück kommend erreichen die Klimapilger am 13. Oktober das Münsterland. „Zahlreiche Engagierte aus Gemeinden und Gruppen entlang der Wegstrecke gestalten inhaltliche und geistliche Impulse und erweisen den Pilgern Gastfreundschaft, indem sie ihnen Quartiere und Verpflegung anbieten“, beschrieb Eva-Maria Reinwald vom evangelischen Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung. Unterwegs suchten die Pilger sogenannte ‚Schmerzpunkte‘ auf, die wie ein Steinkohlekraftwerk für die energieintensive Wirtschafts- und Lebensweise stünden, aber auch ‚Kraftorte‘ wie die Klimakommune Saerbeck, die zeigten, wie Klimaschutz gelinge.

 „Auf der circa 300 Kilometer langen Etappe von Osnabrück nach Wuppertal rechnen wir pro Tag mit bis zu 300 pilgernden Menschen“, kalkulierte Breyer. Besonders viele Teilnehmer würden wohl vom Flughafen Greven bis Münster und dann weiter bis Rinkerode mitpilgern, erwartete Thomas Kamp-Deister vom Bereich Schöpfungsbewahrung in der Fachstelle Weltkirche im Bistum Münster. Damit drücke sich auch ein Interesse an einer emissionsfreien Flugmobilität und eine Sorge um die Gefahren des Fracking aus, die auf diesen Etappen Thema seien, interpretierte Kamp-Deister.

Längst zum Mitpilgern angemeldet hat sich Anne Halbuer, eine langjährig Engagierte im Bereich Schöpfungsverantwortung. „Ich möchte durch mein Engagement auf dem Pilgerweg darauf aufmerksam machen, dass eine ressourcenschonende Landwirtschaft einen erheblichen Teil zur Lösung des Problems beitragen kann“, erklärte die Sprecherin der Katholischen Landfrauenbewegung, die mit einer Gruppe Frauen dabei sein wird. Dies könne beispielsweise durch dezentrale Energieversorgung aus regenerativen Quellen geschehen. Weitere Themen, die Halbuer unterwegs ansprechen möchte, sind ein „verantwortlicher Fleischkonsum“ und die Lebensmittelverschwendung.

© Pressestelle Bistum Münster