Migrations-Bischof Geerlings fordert Einwanderungsministerium

  • Flüchtlinge - 09.09.2015

Der katholische Weihbischof und Migrationsexperte Dieter Geerlings fordert die Einrichtung eines Einwanderungsministeriums auf Bundesebene. Dieses solle die Flüchtlingspolitik gestalten und Aspekte der Außen-, Innen-, Bildungs- und Sozialpolitik verbinden, sagte der Vizevorsitzende der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz im Interview der Münsteraner Bistumszeitung „Kirche + Leben“ (Freitag). Die Zuwanderungspolitik müsse zu einem Gestaltungsschwerpunkt werden.

Geerlings plädierte dafür, mehr Kraft und Geld für die Flüchtlings- und Zuwanderungspolitik einzusetzen. Die Einigung der Bundesregierung, für Bund, Länder und Gemeinden 2016 sechs Milliarden Euro zusätzlich bereitzustellen, sei ein guter Anfang. „Darauf müssen wir aufbauen“, sagte der Münsteraner Weihbischof. Überdies solle Deutschland ein Einwanderungsgesetz prüfen.

Der Geistliche räumte ein, dass es bei einigen Menschen Ängste gebe, wenn so viele Flüchtlinge kommen. „Aber sie werden nun einmal kommen – also müssen wir die Situation gestalten“, sagte er. „Die Zeit des Abschottens ist vorbei.“ Selbst wenn 800.000 Asylsuchende kämen, machten diese nicht einmal ein Prozent der Bevölkerung aus.

Geerlings kritisiert mangelnde Zusammenarbeit in Europa

Flüchtlinge bieten laut Geerlings die Chance, andere Kulturen kennenzulernen. Die Hälfte sei jünger als 25 Jahre. Wenn sie in den Arbeitsmarkt integriert würden, stütze dies das Sozial- und Rentensystem. Das Wichtigste zur Integration sei der Erwerb der deutschen Sprache. Zudem brauche es Nachbarschaften und Integrationslotsen. Eine große Rolle spielten Kindergärten, Schulen und Bildung.

Geerlings kritisierte eine mangelnde Zusammenarbeit in Europa: „Wir haben einen grenzfreien Raum, aber keine gemeinsame Flüchtlings- und Zuwanderungspolitik. Das geht nicht.“ Gemeinsam geklärt werden müsse auch, wer nicht kommen soll. Vielleicht sei ein europäisches Info-Büro notwendig, damit die Menschen in den Balkanstaaten erfahren können, wer Chance auf ein Leben in Deutschland habe und wer nicht. „Wir werden nicht alle aufnehmen können, die kommen wollen.“

© KNA

Es wurde noch kein Inhalt hinterlegt.
Es wurde noch kein Inhalt hinterlegt.
Es wurde noch kein Inhalt hinterlegt.