Hoffen auf einen Durchbruch

  • Klimagipfel - 03.09.2015

Das Climate Action Network International (CAN) ist ein Zusammenschluss von rund 950 Nichtregierungsorganisationen aus über hundert Ländern, die sich im Kampf gegen den Klimawandel einsetzen. Geleitet wird die Organisation von dem libanesischen Sozialaktivisten Wael Hmaidan, der in den letzten vier Jahren alle internationalen Klimawandel-Verhandlungen begleitet hat. Mit Radio Vatikan sprach Hmaidan über die Herausforderungen vor dem nächsten Weltklimagipfel in Paris.

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Beim Weltklimagipfel in Paris verhandeln Staats- und Regierungschefs über ein neues Klimaabkommen, welches das auslaufende Kyoto-Protokoll zu Treibhausemissionen ablösen soll. Im Februar gab es bereits ein Vorbereitungstreffen, das auf dem „Lima Call for Action“ der letzten Klimakonferenz in Peru aufbaute. Darin werden die Länder unter anderem aufgefordert, die Umsetzung ihrer Klimaschutz-Ziele voranzubringen. Gerade bei der Nutzung fossiler Energiequellen – also Erdöl, Erdgas und Kohle – bleibt da noch viel zu tun, erinnert Climate Action Network International-Chef Wael Hmaidan.

„Obwohl es große Bemühungen gibt, von fossiler Energie auf erneuerbare Energien umzusteigen – schließlich sind fossile Energien Hauptursache des Treibhauseffekts – sind fossile Energien nach wie vor das tägliche Brot der internationalen Wirtschaft. Die Lösung ist ein Umstieg von diesen Energien auf erneuerbare Energien. Für den Weltklimagipfel hoffen wir, dass eine verbindliche Frist vereinbart wird, wann dieser Umstieg gemacht werden soll.“

Prävention statt Schadensbegrenzung

Die Auswirkungen des Klimawandels sind jetzt schon spürbar, sagt der Aktivist. Man könne aber zumindest versuchen zu vermeiden, dass der Klimawandel die Weltwirtschaft gefährde. Es sei definitiv billiger, sich gegen den Klimawandel einzusetzen, als die Folgen zu beheben, die die Temperaturerhöhungen mit sich bringen. Da seien alle Länder gefragt:

„Bei den Verhandlungen spielt jedes Land eine wichtige Rolle. Natürlich haben die großen Industrieländer ein starkes Gewicht im Vergleich zu kleinen Inseln, die vom Klimawandel besonders stark getroffen sind. Die lateinamerikanischen Staaten sind sehr progressiv und ambitioniert, die Emissionen zu reduzieren. Andere Länder wie die EU oder die afrikanische Gruppe arbeiten ebenfalls gut und nehmen eine stimmige Position ein. Die politische Dynamik variiert da sehr stark. Die Meinung von ökonomisch und militärisch starken Ländern wie den USA und China ist zwar wichtig. Ihre Position ist aber noch nicht zufriedenstellend.”

Geht doch!

Anlässlich der UN-Klimakonferenz im Dezember 2015 in Paris riefen die Kirchen zu einem ökumenischen Pilgerweg für Klimagerechtigkeit auf.

weltkirche.katholisch.de

Zwei-Grad-Ziel einhalten

Die zivilgesellschaftlichen Organisationen, die im CAN vertreten sind, fordern, dass beim Klimagipfel in Paris verbindlich vereinbart wird, dass der Temperaturanstieg nicht über zwei Grad hinausgehen darf. Hier müssen alle Länder verbindliche Vereinbarungen treffen, findet der Aktivist Hmaidan. Der schwächste Moment in den Klimaverhandlungen der letzten zwei Jahre war seiner Ansicht nach der Klimagipfel in Peru. Auch Papst Franziskus sagte dazu: „Das Treffen in Peru war nichts Besonderes. Mich hat der Mangel an Mut enttäuscht: An einem gewissen Punkt haben sie aufgehört. Hoffen wir, dass in Paris die Vertreter mutiger sein werden, um in dieser Sache voranzukommen.“ Guten Willen haben die Verhandlungspartner nach Ansicht von Hmaidan beim Entwurf für die Gespräche in Paris gezeigt. Es sehe aus, als sei man für Paris auf dem richtigen Weg.

„Wir beobachten aber positive Signale aus allen Richtungen. Etwa im vergangenen Jahr, als eine halbe Million Menschen in New York vor dem UN-Klimagipfel demonstrierten. China und die USA haben zudem an Engagement zugelegt vor dem Paris-Gipfel. Sie planen, ihre Emissionen zwischen jetzt und 2030 zu reduzieren. Auch die EU, verschiedene Entwicklungsländer und kleinere Inselstaaten folgen diesem Beispiel. Hinzu kommt der Vatikan mit Papst Franziskus’ bahnbrechenden Schreiben „Laudato si“. Das ist eines der aussagekräftigsten Dokumente, das wir seit Jahren gesehen haben. Es gibt also viel Hoffnung, auch letzte Woche haben die Vereinten Nationen in New York eine neue Entwicklungsagenda für die nächsten 15 Jahre festgesetzt. Das Thema Klimaschutz ist dort also sehr präsent.“

© Radio Vatikan