Deutsche wollen mehr Engagement in der Entwicklungshilfe

  • Umfrage - 03.09.2015

Die Mehrheit der Deutschen fordert laut Umfrage ein stärkeres entwicklungspolitisches Engagement der Bundesregierung. 81 Prozent von ihnen sprechen sich dafür aus, dass Deutschland seine Zusage einhält, 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens in Entwicklungszusammenarbeit zu investieren, wie die Stiftung Weltbevölkerung am Donnerstag in Göttingen mitteilte.

Von diesem Wert war Deutschland mit zuletzt 0,4 Prozent weit entfernt. 47 Prozent der Befragten zufolge sollte der Anteil Deutschlands sogar höher als 0,7 Prozent sein. Die Stiftung bezieht sich auf eine repräsentative Umfrage von TNS-Emnid, bei der im August deutschlandweit 1.004 Bundesbürger im Alter ab 18 Jahren befragt wurden.

„Es muss endlich deutlich mehr in die Entwicklung armer Länder, insbesondere in Gesundheitssysteme, investiert werden“, forderte die Geschäftsführerin der Stiftung Weltbevölkerung, Renate Bähr. „Wenn die Bundesregierung dieses klare Meinungsbild der Deutschen ignoriert, wäre das ein Schlag ins Gesicht der Bundesbürger und der Menschen in Entwicklungsländern.“

Laut Umfrage finden es 89 Prozent der Bundesbürger wichtig, dass sich Deutschland für die Bekämpfung von Armut in Entwicklungsländern einsetzt. 95 Prozent fordern ein verstärktes Engagement der Bundesregierung für Forschung und Entwicklung in Sachen Armutskrankheiten. 89 Prozent erwarten, dass sich Deutschland für die Erreichung der neuen nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen einsetzt.

Außerdem sind die Deutschen der Studie zufolge grundsätzlich bereit, selbst etwas zur Armutsbekämpfung beizutragen: Rund jeder Zweite würde eine Unterschriftenaktion unterstützen oder fair gehandelte Produkte wie Kaffee oder Schokolade kaufen.

Fair-Trade-Produkte werden immer beliebter.

Fischer/GEPA - The Fair Trade Company

Forum Fairer Handel fordert mehr Transparenz in Lieferketten

Wie aus dem am Donnerstag in Bonn vorgestellten Jahresbericht der Organisation Fairtrade International hervorgeht, gaben Verbraucher im vergangenen Jahr weltweit 5,9 Milliarden Euro für Produkte mit dem Fairtrade-Siegel aus. Davon entfielen 827 Millionen Euro auf den deutschen Markt, was einer Steigerung von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Mit Blick auf die am 11. September beginnende Faire Woche forderte das Forum Fairer Handel am Donnerstag in Berlin mehr Transparenz in den internationalen Lieferketten. „Verantwortungslosigkeit führt in vielen Sektoren immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen“, kritisierte der Leiter der Organisation, Manuel Blendin. Er forderte auch im konventionellen Handel einen leichteren Zugang zu Informationen über die gesamte Lieferkette eines Produkts.

Die Sprecherin der Fairtrade-Organisation Gepa, Barbara Schimmelpfennig, rief zu einer guten Behandlung aller Mitglieder einer Lieferkette auf. Das werde auch den Kunden immer wichtiger. „Heute muss sich fast jedes Unternehmen der kritischen Verbraucherdebatte stellen, wie es mit seinen Produzenten im globalen Süden umgeht“, sagte Schimmelpfennig. Die Sprecherin warb zudem um mehr Akzeptanz von fair gehandelten Lebensmitteln in Supermärkten.  (lek/KNA)

Umfrage

Bei der repräsentativen Umfrage von TNS-Emnid wurden deutschlandweit 1.004 Bundesbürger im Alter ab 18 Jahren befragt. Ein Schaubild zur Umfrage können Sie hier herunterladen: