Die Jugend im Blick

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  • Renovabis-Kongress - 02.09.2015

Der designierte Berliner Erzbischof Heiner Koch will sich mit dem katholischen Osteuropahilfswerk Renovabis und den osteuropäischen Ortskirchen „aktiver und auch fordernder“ in die nationale Politik dieser Länder und der Europäischen Union einbringen. Mit einbezogen werden sollen auch die Partner der Solidaritätsaktion und die mit den Kirchen in diesen Ländern kooperierenden Akteure, kündigte Koch am Mittwoch in Freising an. Die Jugend in diesen Staaten brauche wieder eine Perspektive. Dafür müsse die Bildung und die Chancengerechtigkeit verbessert sowie die Korruption bekämpft werden.

„Wir wissen nicht alles besser“, betonte Koch, der auch Vorsitzender des Renovabis-Trägerkreises ist. Es gehe darum, voneinander zu lernen und die kirchliche Sichtweise einzubringen. Angesichts der Unterteilung in politische und wirtschaftliche Flüchtlinge, die in Deutschland keine Chance auf Asyl haben, sagte der Erzbischof, es falle ihm schwer dies nachzuvollziehen. Bei seinen Besuchen in Flüchtlingsunterkünften habe er stets nur Menschen in Not gesehen. Er verstehe auch nicht, warum sich Europa so schwer damit tue, eine gemeinsame Lösung in der Flüchtlingsfrage zu finden. Als es Probleme mit den Finanzen gegeben habe, sei es dagegen sehr schnell gegangen.

Renovabis-Kongress nimmt Jugend in Osteuropa in den Blick

In Freising findet vom Mittwoch bis Freitag der 19. Internationale Kongress Renovabis statt. Thema sind die Jugendlichen im Osten Europas sowie ihre Lebens- und Glaubensperspektiven.

Koch verwies auf eine Jugendstudie der Friedrich-Ebert-Stiftung, die zwischen 2011 und 2014 in acht osteuropäischen Ländern durchgeführt wurde. Diese habe die „beunruhigende Aussage“ erbracht, dass ein großer Teil der Heranwachsenden unzufrieden sei mit dem Zustand der Demokratie. Sie seien immer weniger bereit, dies zu tolerieren, aber zeigten auch nur geringe Bereitschaft, sich in Gesellschaft und Politik zu engagieren. Wegen der hohen Arbeitslosigkeit wollten viele emigrieren.

Für alle, die sich in Erziehung, freier Jugend- und Erwachsenenbildung engagierten, seien solche Befunde eine Herausforderung, sagte der Erzbischof. Doch dürften die zuständigen Regierungen und Politiker nicht aus ihrer Verantwortung entlassen werden. Entscheidungen für die Jugend und mit der Jugend müssten in der nationalen wie europäischen Prioritätensetzung der Politik wieder nach vorne rücken, forderte der Erzbischof.

Der Geschäftsführer von Renovabis, Gerhard Albert, erinnerte daran, dass die Politiker stets forderten, die Fluchtursachen in den jeweiligen Ländern zu bekämpfen. In diesem Fall habe das Hilfswerk in den vergangenen Jahren mit seinen Partnern einiges geleistet. Dazu zählten etwa Jugendprojekte in Bosnien-Herzegowina wie die „Schulen für Europa“, in denen Angehörige verschiedener Ethnien und Religionen von Kindesbeinen an einen normalen Umgang erlernten. Auch in Litauen gebe es viele kirchliche Aus- und Weiterbildungsprojekte. In Ungarn wiederum leiste ein diözesanes Jugendbüro in Monor im Bistum Vac einen wichtigen Beitrag für die Zivilgesellschaft. Dort würden die Jugendlichen zur Übernahme von Verantwortung ermutigt.

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Viele Jugendliche aus mittel-, südost- und osteuropäischen Ländern sehen mit wenig Optimismus in die Zukunft: die Finanz- und Wirtschaftskrise der letzten Jahre hat ihre Ausbildungs- und Berufschancen weiter verschlechtert. Darum nimmt der internationale Kongress Renovabis vom 2. bis 4. September 2015 die Zukunft von Jugendlichen im Osten Europas in den Blick.

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