„Der Kölner Weltjugendtag wirkt nach“

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  • Weltjugendtag - 21.08.2015

2005 war er als Generalsekretär „Mister Weltjugendtag“, inzwischen ist er zum Erzbischof von Berlin ernannt: Heiner Koch blickt nach zehn Jahren auf das christliche Großereignis in Köln zurück, das am 21. August 2005 zu Ende ging. Im Interview spricht er über die Nachwirkungen des bislang einzigen Weltjugendtags in Deutschland.

Frage: Herr Erzbischof Koch, was war Ihr persönliches Weltjugendtags-Highlight?

Koch: Die enge und auch geistliche Gemeinschaft mit den rund 200 Jugendlichen aus aller Welt, mit denen wir das Ereignis zwei Jahre lang vorbereitet haben. Mit vielen stehe ich bis heute in gutem und engem Kontakt, ebenso mit jungen Priestern, die in Köln ihre Berufung gefunden haben und dann später in ihrer Heimat geweiht wurden.

Frage: Wie sieht Ihre Bilanz nach zehn Jahren aus?

Koch: Der Kölner Weltjugendtag wirkt nach. Bei jeder meiner Reisen als Bischof für die deutsche Auslandsseelsorge spricht mich jemand an, der 2005 dabei war und mir sagt, wie toll er dieses Ereignis fand. Oder die dort entstandene Gebetsbewegung Nightfever – sie ist zu einem weiten Erfolgsmodell geworden, das regelmäßig viele junge Gläubige anzieht.

Frage: Gibt es auch etwas, das hätte besser laufen können?

Erzbischof Heiner Koch war vor zehn Jahren Prälat im Erzbistum Köln und Mitorganisator des Weltjugendtags.

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Koch: Es war eine spannende, aber organisatorisch irrsinnig anstrengende Aufgabe. Die ganze Logistik für am Ende eine Million Jugendliche. Wir wussten lange nicht, wie viele es de facto sein werden. In manchen Punkten hätten wir sicher noch einiges besser, professioneller machen können.

Frage: Ein Ziel des Kölner Weltjugendtags war es, der Säkularisierung auch im katholischen Milieu entgegenzuwirken. Ist das gelungen?

Koch: Das Treffen war ja im Grunde wie eine große Wallfahrt angelegt. Wir sind als große Gemeinschaft auf dem Weg und auf der Suche. Ich glaube, damit haben wir den Nerv der jungen Menschen getroffen. Bei einer Wallfahrt macht man sich auf den Weg, läuft einfach zusammen los und weiß nicht genau, wie es sich entwickeln wird. Ich glaube, das ist eine Mentalität, die junge Menschen heute einfach anspricht. An ihr müssen wir auch in der Glaubensverkündigung immer wieder anknüpfen.

Frage: Eine Million kamen damals nach Köln. Beim Thema Katholikentag hingegen ist der Zuspruch eher rückläufig. Macht der Papst den Hype?

Koch: Natürlich ist der Papst ein Magnet. Aber der Reiz der Weltjugendtreffen ist auch die ungeheuer bereichernde Internationalität. Im Nachgang haben Untersuchungen gezeigt, dass im Verlauf des Kölner Events von Tag zu Tag auch immer mehr Kirchenferne und Ungetaufte dazu kamen. Kirchlich engagierte Jugendliche haben die anderen einfach mitgezogen. Das ist bei solch einer Großveranstaltung natürlich leichter, da es unverbindlicher bleibt und man erst mal anonym in der Masse mitschwimmen kann.

Frage: Helfen Ihnen Ihre Weltjugendtags-Erfahrungen auch bei der Planung des 100. Katholikentags 2016 in Leipzig?

Koch: Bei aller Unterschiedlichkeit in gewisser Weise ja. Ich bin in vielen Dingen gelassener. Aber das sind natürlich zwei ganz unterschiedliche Kategorien: Den Weltjugendtag plant man nur ein Mal. Beim Katholikentag wirkt ein Team mit, das alle zwei Jahre dieses Ereignis organisiert. Aus meiner Kölner Erfahrung heraus lege ich bei den Planungen besonders viel Wert auf das geistliche Programm und die Wirkung von Zeichen und Symbolen. Sie haben beim Weltjugendtag manche Herzen mehr bewegt als alle Reden.

Von Karin Wollschläger (KNA)

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