Finanzielle Hilfen und Willkommenskultur

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  • Flüchtlinge - 06.08.2015

Notleidenden helfen, Verfolgten Schutz anbieten – für die christlichen Kirchen gehört das zu den zentralen Aufgaben. Umso mehr muss sie der Vorwurf schmerzen, sie kümmerten sich nicht ausreichend um Flüchtlinge. Nach Medienberichten soll etwa Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) im Kabinett gesagt haben, dass in kirchlichen Einrichtungen mehr Flüchtlinge untergebracht werden müssten. Kein offener Angriff, doch zwischen den Zeilen steht der Vorwurf, die Christen täten zu wenig.

Dem ist die katholische Deutsche Bischofskonferenz am Donnerstag mit einem im Internet veröffentlichten Dossier entgegengetreten. Bistum für Bistum wird aufgelistet, was die 27 Diözesen, die Caritas, Gemeinden, Verbände und Orden für Flüchtlinge tun.

„Neben materieller wird auch seelsorgliche Unterstützung geleistet; neben Rechts- und Verfahrensberatung werden auch Maßnahmen zur Sprach- und Integrationsförderung angeboten; neben Berufsberatungs- und Bildungsangeboten gibt es auch besondere Hilfeleistungen für minderjährige Flüchtlinge; und neben der Bereitstellung von Unterkünften wird auch für psychologische und ärztliche Betreuung gesorgt“, heißt es in dem Dossier. Auch die internationale Hilfe zählt dazu: Hilfswerke wie Misereor, Adveniat, Missio oder Caritas international engagieren sich für bessere Lebensmöglichkeiten in den Herkunftsländern, um Fluchtursachen zu beseitigen.

Gelebte Willkommenskultur: Pater Tobias (vorne) nimmt in Duisburg-Neumühl Asybewerber mit zum Training.

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Mehr als 73 Millionen Euro für Flüchtlinge

Die katholischen Bistümer und Hilfswerke haben laut Bischofskonferenz 2014 mehr als 73 Millionen Euro für Flüchtlinge bereitgestellt. „Im laufenden Jahr dürfte diese Summe noch einmal deutlich übertroffen werden“, heißt es weiter. Die Liste ließe sich verlängern: München gibt fünf Millionen Euro extra für Flüchtlingsprojekte. Augsburg investiert drei Millionen in Unterkünfte. Regensburg stellt eine Million bereit, in Bamberg sind 750.000 Euro extra für Asylberatung veranschlagt.

Bistümer wie Osnabrück, Dresden, Speyer haben zudem Fonds für unbürokratische Hilfen eingerichtet: Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode stellte 250.000 Euro bereit, um Gemeinden und ehrenamtliche Gruppen zu unterstützen, die sich für Flüchtlinge einsetzen. Im Bistum Speyer wurden aus einem Fonds Sprachkurse für rund 500 Asylbewerber finanziert und elf Flüchtlingsfamilien bei der Familienzusammenführung unterstützt, berichtete Bischof Karl-Heinz Wiesemann. Spender hatten mehr als 143.000 Euro gegeben.

Immer wieder mischen sich symbolische und finanzielle Hilfen. Die Kölner Solidaritätsaktion „23.000 Glockenschläge für Flüchtlinge“ im Juni stieß auf bundesweite Resonanz. Der Spendenaufruf von Kardinal Rainer Maria Woelki erbrachte über 250.000 Euro für das Seenotrettungsprojekt Migrant Offshore Aid Station (MOAS). Bei dem Solidaritätsabend erinnerten mehr als 230 Kirchen im Erzbistum Köln sowie in den Bistümern Münster und Osnabrück mit Glockenläuten an die rund 23.000 Bootsflüchtlinge, die seit dem Jahr 2000 im Mittelmeer ertrunken sind.

"Flüchtlinge suchen eine Perspektive"

Der Bonner Caritasdirektor Jean-Pierre Schneider über die aktuelle europäische Flüchtlingspolitik.

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Klöster öffnen ihre Pforten

Auch Klöster öffnen sich für Flüchtlinge: Im ehemaligen Klarissenkloster in Köln-Kalk sollen rund 100 Kölner mit Flüchtlingen zusammenleben. Auch die traditionsreiche ehemalige Benediktinerabtei Weingarten ist ab sofort Erstaufnahmestelle für bis zu 140 Flüchtlinge, wie das Bistum Rottenburg-Stuttgart mitteilte. Die Benediktiner im unterfränkischen Münsterschwarzach beherbergen 22 Flüchtlinge, bei den Erlöserschwestern in Würzburg sind es etwa 100.

In vielen Gemeinden engagieren sich Ehrenamtliche für Flüchtlinge und schaffen eine Willkommenskultur. Sie streichen Wohnungen, organisieren Deutschkurse und helfen bei Einkäufen und Behördengängen. Seit Monaten unterstützt ein Netzwerk aus Freiwilligen der Kirchengemeinde Sankt Rochus und Augustinus in Bonn die sechsköpfige Familie Alrebdawi aus Syrien. „Ich habe vom Westen immer gedacht, jeder lebt für sich, keiner schert sich um den anderen“, erzählt Familienvater Mohammad Alrebdawi. Genau das Gegenteil sei aber der Fall. In Haste nahe Osnabrück leben seit einigen Monaten zwei Flüchtlingsfamilien auf einem Bauernhof – und hauchen dem alten Haus neues Leben ein.

Von Christoph Arens (KNA)

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