Ecuador, Bolivien, Paraguay

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  • Bonn - 29.06.2015

Ähnlich wie bei der Wahl seiner Reiseziele in Europa, wo der Papst bislang bewusst „an die Ränder“ ging, ist auch diesmal die Zusammenstellung keineswegs zufällig. In den drei Ländern Ecuador, Bolivien und Paraguay verdichten sich symbolträchtig die bis heute ungelösten ethnischen, wirtschaftlichen und politischen Probleme Südamerikas. Alle drei haben Erfahrungen mit Kriegen, Putschen und Diktaturen. Verschlossene Eliten, politische Instabilität, Streiks sowie ethnische und geografische Zerrissenheit zwischen den Landesteilen haben mit dazu beigetragen, dass diese Länder arm geblieben sind.

Mit einem jährlichen Brutto-Inlandsprodukt, das in Bolivien unter 2.500 Euro pro Kopf liegt und auch in Ecuador und Paraguay trotz verbesserter Rohstoffexporte noch nicht 5.000 Euro erreicht hat, liegen sie weit abgeschlagen hinter den vergleichsweise „reichen Vettern“ in Argentinien, Brasilien und Chile. Dort ist das Pro-Kopf-Einkommen mehr als dreimal so hoch.

Für den Argentinier Franziskus ist insbesondere der Besuch in Bolivien und Paraguay daher nicht einfach ein Heimspiel: Zehntausende Armutsmigranten aus beiden Ländern suchen bei den reicheren Nachbarn Arbeit und Brot – und sie werden oft nicht gut behandelt. Auch der innerlateinamerikanische Rassismus spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle: In Argentinien und Chile dominieren die weißen Nachfahren der Europäer auch zahlenmäßig. In Bolivien und Paraguay sind es die kleineren und dunkelhäutigeren Nachfahren der Ureinwohner, die Guarani oder Ketschua sprechen; viele von ihnen können weder lesen noch schreiben. Auch in Ecuador ist der Anteil der Indigenen besonders hoch. Hinzu kommt noch eine beträchtliche afroamerikanische Minderheit.

Papst Franziskus tauscht Geschenke mit dem bolivianischen Präsidenten Evo Morales während einer Privataudienz. KNA

Präsidenten von Ecuador und Bolivien rufen zu nationaler Versöhnung auf

Doch der weiße, italienischstämmige Besucher aus Argentinien wird für die mehrheitlich katholischen Ecuadorianer, Bolivianer und Paraguayer über alle Rassengrenzen hinweg vor allem der Papst sein. Sein charismatisches Auftreten und seine den Armen zugewandte Botschaft verfehlten ihre Wirkung nicht. Die linken, indigenen Präsidenten von Ecuador und Bolivien, Rafael Correa und Evo Morales, haben zum Papstbesuch zu nationaler Versöhnung aufgerufen. Sie setzen einige Hoffnung darauf, dass angesichts des Besuchs aus Rom die notorische Neigung der politischen und gewerkschaftlichen Akteure zu Streiks, Besetzungen und Blockaden wenigstens für ein paar Tage oder Wochen zur Ruhe kommt.

Ein ganz anderes Interesse hat Horacio Cartes, der 2013 gewählte konservative Staatspräsident Paraguays. Zwar ist er durch demokratische Wahlen an die Macht gekommen; doch haftet ihm noch immer der Makel an, dass sein Vorgänger, der einst populäre linke Armenbischof Fernando Lugo, 2012 vom Parlament in einem Hauruck-Verfahren entmachtet wurde. Ein Händedruck oder gar eine Umarmung vom „Papst der Armen“ könnte Cartes‘ nationales und internationales Ansehen festigen.

Papst Franziskus trifft sich am 28. Oktober 2014 mit Teilnehmern des "Internationalen Treffens von Volksbewegungen" im Vatikan. Das Treffen wurde vom Päpstlichen Friedensrat organisiert. KNA

Papst trifft sich mit Volksbewegungen

Der wohl ungewöhnlichste Programmpunkt der Reise ist ein Gastauftritt des Papstes beim „Zweiten Welttreffen der Volksbewegungen“ im bolivianischen Santa Cruz. Das erste Treffen dieser Art, bei dem unter anderen Landlosen-Vereinigungen, Bürgerinitiativen, Bauerngewerkschaften und Umweltgruppen mitmachten, hatte 2014 in Rom stattgefunden – auf Einladung des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden. Prominentester Gastredner war damals Boliviens Präsident Morales – mit einer Ansprache zum Thema „Wie können wir den Kapitalismus beenden?“

Das Reiseprogramm des Papstes zeigt, dass es ihm bei seiner ersten größeren Lateinamerika-Reise nicht nur um die politische Dimension geht, also um Frieden und soziale Gerechtigkeit. Indem er eine Kinderklinik, ein Altenheim und einen Brennpunkt wie das berüchtigte bolivianische Riesengefängnis Palmasola besucht, zeigt er, wo er die sozialen und humanen Aufgaben der Kirche sieht. Doch auch die Frömmigkeit ist ihm wichtig: Die erste Messe der Reise wird er im modernen, erst 2009 erbauten Heiligtum der göttlichen Barmherzigkeit in Guayaquil feiern: einem Ort, der bestens passt zu seinem „Evangelium der Barmherzigkeit“.

Von Ludwig Ring-Eifel (KNA)

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Programm der Südamerika-Reise von Papst Franziskus

Papst Franziskus besucht vom 5. bis 12. Juli die südamerikanischen Länder Ecuador, Bolivien und Paraguay. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) dokumentiert das vom Vatikan veröffentlichte Reiseprogramm in einer eigenen Übersetzung. Alle Angaben sind in Ortszeit sowie (in Klammern) in Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ) angegeben.

Sonntag, 5. Juli 2015

09.00 Uhr: Abflug vom Flughafen Rom-Fiumicino nach Quito, Ecuador

15.00 (22.00) Uhr: Ankunft auf dem Internationalen Flughafen „Mariscal Sucre“ in Quito; Begrüßungszeremonie mit Rede des Papstes

Montag, 6. Juli

09.00 (16.00) Uhr: Abflug von Quito nach Guayaquil

09.50 (16.50) Uhr: Landung auf dem Internationalen Flughafen „Jose J. de Olmedo“ in Guayaquil

11.15 (18.15) Uhr: Messe vor dem Heiligtum der Göttlichen Barmherzigkeit, Predigt des Papstes

14.00 (21.00) Uhr: Mittagessen des Papstes mit Jesuiten des Kollegs Javier

17.10 (00.10) Uhr: Rückflug nach Quito

18.00 (01.00) Uhr: Landung auf dem Internationalen Flughafen „Mariscal Sucre“ in Quito

19.00 (02.00) Uhr: Höflichkeitsbesuch beim Präsidenten der Republik im Präsidentenpalast „Carondelet“

20.10 (03.10) Uhr: Besuch der Kathedrale von Quito; Grußwort des Papstes

Dienstag, 7. Juli

09.00 (16.00) Uhr: Treffen mit den Bischöfen Ecuadors im Kongresszentrum im Bicentenario-Park

10.30 (17.30) Uhr: Messfeier im Bicentenario-Park; Papstpredigt

16.30 (23.30) Uhr: Treffen mit Vertretern aus dem Schul- und Bildungsbereich in der Katholischen Universität von Ecuador; Papstrede

18.00 (01.00) Uhr: Treffen mit Vertretern der Zivilgesellschaft in der St. Franziskus-Kirche; Papstrede

19.15 (02.15) Uhr: Privatbesuch des Papstes in der Kirche „Iglesia de la Compania“

Mittwoch, 8. Juli

09.30 (16.30) Uhr: Treffen mit betagten „Missionarinnen der Nächstenliebe“

10.30 (17.30) Uhr: Treffen mit Klerikern un Ordensleuten im Nationalen Marienheiligtum „El Quinche“; Rede des Papstes

12.00 (19.00) Uhr: Abflug von Quito nach La Paz, Bolivien

16.15 (22.15) Uhr: Ankunft auf dem Internationalen Flughafen „El Alto“ in La Paz; Begrüßungszeremonie mit Ansprache des Papstes

18.00 (24.00) Uhr: Höflichkeitsbesuch beim Staatspräsidenten im Regierungspalast

19.00 (01.00) Uhr: Begegnung mit Vertretern der Zivilbehörden in der Kathedrale von La Paz; Rede des Papstes

20.00 (02.00) Uhr: Weiterflug nach Santa Cruz de la Sierra

21.15 (03.15) Uhr: Landung auf dem Internationalen Flughafen „Viru Viru“ in Santa Cruz de la Sierra

Donnerstag, 9. Juli

10.00 (16.00) Uhr: Messe auf dem „Christus Erlöser“-Platz; Papstpredigt

16.00 (22.00) Uhr: Treffen mit Priestern, Seminaristen und Ordensleuten in der „Don Bosco“-Schule; Ansprache des Papstes

17.30 (23.30) Uhr: Auftritt und Rede von Franziskus beim Zweiten Welttreffen der Volksbewegungen im Zentrum Expo Feria

Freitag, 10. Juli

09.30 (15.30) Uhr: Besuch der Gefangenensiedlung „Palmasola“ in Santa Cruz; Rede des Papstes

11.00 (17.00) Uhr: Begegnung mit den Bischöfen Boliviens in der Kirche „La Santa Cruz“

12.45 (18.45) Uhr: Abschiedszeremonie auf dem Flughafen von Santa Cruz

13.00 (19.00) Uhr Abflug nach Asuncion, Paraguay

15.00 (21.00) Uhr: Landung auf dem Internationalen Flughafen von Asuncion „Silvio Pettirossi“; Begrüßungszeremonie

18.00 (24.00) Uhr: Höflichkeitsbesuch beim Präsidenten der Republik im Lopez-Palast

18.45 (00.45) Uhr: Rede vor dem Diplomatischen Corps im Garten des Präsidentenpalastes

Samstag, 11. Juli

08.30 (14.30) Uhr: Besuch im Kinderkrankenhaus „Ninos de Acosta Nu“; Grußansprache des Papstes

10.30 (16.30) Uhr: Messfeier und Papstpredigt vor dem Marienheiligtum von Caacupe

16.30 (22.30) Uhr: Treffen mit Repräsentanten der Zivilgesellschaft im Stadion Leon Condou; Rede des Papstes

18.15 (00.15) Uhr: Vesper mit Bischöfen, Priestern, Diakonen, Ordensleuten, Seminaristen und Angehörigen katholischer Bewegungen in der Kathedrale; Papstpredigt

Sonntag, 12. Juli

08.15 (14.15) Uhr: Begegnung mit den Bewohnern des Armenviertels Banado Norte; Rede des Papstes

10.00 (16.00) Uhr: Messfeier und Predigt auf dem Gelände Nu Guazu; Angelus-Gebet

13.00 (19.00) Uhr: Treffen mit den Bischöfen Paraguays in der Apostolischen Nuntiatur

13.30 (19.30) Uhr: Gemeinsames Mittagessen

17.00 (23.00) Uhr: Ansprache an Jugendliche auf der Flusspromenade „Costanera“

19.00 (01.00) Uhr: Abflug nach Rom

Montag, 13. Juli

13.45 Uhr: Ankunft auf dem Flughafen Rom-Ciampino

Ortszeit Quito: MESZ -7; Ortszeit La Paz und Asuncion: MESZ -6

Quelle: KNA

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Kirche Lateinamerikas in Zahlen

Lateinamerika heißt auch der „katholische Kontinent“. Mehr als 520 Millionen und damit über 40 Prozent aller getauften Katholiken leben in dieser Weltregion, die maßgeblich durch vier Jahrhunderte spanischer und portugiesischer Kolonialgeschichte geprägt ist. Rund 80 Prozent der Menschen in Lateinamerika sind katholisch.

Exakte Zahlen sind problematisch. Der Vatikan verzeichnet die Zahl der katholischen Taufen; eine mögliche Abwanderung zu evangelikalen Pfingstkirchen ist damit nicht erfasst. Für internationale Vergleichszahlen fehlen oft vergleichbare Zensusdaten.

Das Annuarium Statisticum Ecclesiae (kirchliches Jahrbuch) verzeichnet für Brasilien 163 der rund 195 Millionen Einwohner als katholisch. Damit ist Brasilien das größte katholisch geprägte Land der Welt, gefolgt von Mexiko mit offiziell 99,6 Millionen. Die nächstgrößeren Länder Lateinamerikas sind Kolumbien mit 43 Millionen, Argentinien mit 37,7 Millionen und Peru mit 26,1 Millionen.

Insgesamt gibt es in Lateinamerika 815 Bistümer bzw. verwandte „Jurisdiktionen“ mit 575 Diözesanbischöfen. Allein in Brasilien gibt es 274 Diözesen; die Bischofskonferenz zählt 453 Mitglieder. Auch von den rund 35.800 Pfarreien Lateinamerikas befindet sich knapp ein Drittel in Brasilien.

Quelle: KNA

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