Pilger des Friedens

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  • Sarajevo - 10.06.2015

Papst Franziskus besuchte am Wochenende Sarajevo. Mit dabei war auch eine Delegation aus dem Bistum Limburg, das seit vielen Jahren eine intensive Partnerschaft zu Sarajevo pflegt. Die Weltkirche-Referentin Vanessa Treike berichtet von einem bewegenden Besuch in Bosnien und Herzegowina:

Papst Franziskus besucht Bosnien und Herzegowina. Das wurde am 1. Februar 2015 nach dem Angelusgebet im Vatikan verkündet. Am 6. Juni reiste das Oberhaupt der Katholischen Kirche in die Hauptstadt Bosnien und Herzegowinas, um dort den Menschen zu begegnen.

Vinko Kardinal Puljic hatte aus diesem Anlass auch die Partner aus dem Bistum Limburg eingeladen. Und so machten sich am Freitag, den 5. Juni, Vertreter unserer Diözese auf den Weg ins Partnerbistum Sarajevo. „Kommt und teilt unsere Freude darüber, dass Papst Franziskus den Menschen in unserer Stadt und in unserem Land begegnen möchte“, schrieb der Partnerschaftskoordinator und Jugendpfarrer Simo Marsic im Vorfeld der Reise. An der Delegation nahmen neben Weihbischof Dr. Thomas Löhr auch Katharina Kintz von der Katholischen Fachstelle für Jugendarbeit Westerwald/Rhein-Lahn, Anna-Lena Steines, Hedda Brokering und Vanessa Assmann (alle drei Teamerinnen bei der KFJ in Montabaur) sowie Vanessa Treike von der Abteilung Weltkirche teil.

Papst Franziskus besucht für einen Tag Bosnien und Herzegowina

Für Papst Franziskus begann der Besuch am Samstagmorgen mit dem Empfang am Flughafen und dem anschließendem Besuch im Präsidentenpalast in Sarajevo. Um 11 Uhr begann die Heilige Messe mit etwa 70.000 Teilnehmern im Kosevo-Stadion. Die Jugend der Erzdiözese und des Landes waren als freiwillige Helfer unermüdlich im Einsatz, um bei brütender Hitze Wasser an die Menschen zu verteilen und für Ordnung zu sorgen. Ein Chor aus 1.500 Sängerinnen und Sängern begleitete die Messe.

Limburger Delegation beim Papstbesuch in Sarajevo. In der Mitte: Vanessa Treike und Weihbischof Thomas Löhr. Bistum Limburg

Auf Leinwänden konnten die Menschen verfolgen, wie Papst Franziskus im Papamobil vom Präsidentenpalast ins Stadion gefahren kam. Applaus und Jubel tönte auf, als er ins Stadion einfuhr. Immer wieder während der Messe schallte es aus verschiedenen Ecken: „Papa Franjo, Papa Franjo!“ In seiner Predigt rief Papst Franziskus die Menschen dazu auf „Handwerker des Friedens zu werden“. In einem vergessenen und immer noch stark vom Krieg gebeutelten Land erklingt im Kosevo-Stadion immer wieder das Wort „Pace“ (Frieden). Es ist die Kernbotschaft von Papst Franziskus: Beteiligt Euch nicht an diesem Dritten Weltkrieg, der an vielen Orten im Gange ist. „Selig sind die, die Frieden säen mit ihren alltäglichen Taten, mit dienstbereitem Auftreten und Handeln und mit Gesten der Brüderlichkeit, des Dialogs und der Barmherzigkeit.“

Nach dem Gottesdienst im Stadion traf sich der Papst in der Nuntiatur mit den Bischöfen des Landes zum Mittagessen und zum Austausch. Am Nachmittag stand ein Treffen mit dem Klerus und den Ordensleuten im Herz-Jesu Dom auf dem Programm. Im Anschluss traf sich der Heilige Vater zum Gespräch mit dem Interreligiösen Rat und den in der Ökumene Engagierten im theologischen Zentrum der Franziskaner.

Begegnung mit den Jugendlichen im Jugendzentrum

Um 18.30 Uhr wurde Papst Franziskus schließlich bei den Jugendlichen im Jugendzentrum Johannes Paul II. erwartet. Bereits seit 17 Uhr war dort ein Vorprogramm im Gange und die Stimmung war auf dem Höhepunkt als der Papst schließlich die Halle betrat. „Papa, mi te volimo!“ (Wir lieben den Papst!) tönte die Menge. Etwa 800 Jugendliche waren in der Sporthalle des Jugendzentrums versammelt um den Papst dort zu treffen. Das Programm war vielseitig und intensiv. So sang beispielsweise ein Kinderchor aus Srebrenica „love people“ (Liebt, ihr Menschen) und zwei junge Erwachsene aus dem Team des Jugendzentrums gaben ein ergreifendes Zeugnis über ihre persönliche Geschichte und ihr Aufwachsen in Zeiten des Krieges, der Vorurteile und des Kampfes um Frieden und Versöhnung. Seine vorbereitete Rede legte der Papst bei Seite und nahm stattdessen Fragen von Jugendlichen entgegen. Auf die Frage nach dem richtigen Umgang mit den Medien sagte er, dass es wichtig sei auf die guten Inhalte zurückzugreifen. Schlechte Programme und Inhalte führten dazu, dass man seine Würde verliere. Und auf die Frage, wie denn die Friedensbotschaft im Alltag von den Jugendlichen umgesetzt werden solle antwortete er: „Jeder redet über Frieden. Die Mächtigen tun es. Doch dann verkaufen sie Waffen und ihre Handlungen widersprechen ihren Worten. Ich rufe euch auf: Seid aufrichtig! Aufrichtig und ehrlich zu euch selbst. Diese Ehrlichkeit führt dann zur Konsequenz zwischen eurem Denken, eurem Fühlen und eurem Handeln. Macht Frieden. Betet für den Frieden. Baut Brücken und niemals Mauern zwischen den Menschen.“

Papst Franziskus ging nicht, ohne die Jugendlichen zu grüßen, die sich vor dem Jugendzentrum versammelt hatten. Auch Ihnen rief er seine Friedensbotschaft noch einmal zu. Er verabschiedete sich bei den jungen Menschen und gab ihnen die Hausaufgabe, sich ganzheitlich für den Frieden, die Verständigung und die Brüderlichkeit einzusetzen. „Und bitte“, fügte er hinzu bevor er das Jugendzentrum verließ: „betet für mich.“

Von Vanessa Treike, Abteilung Weltkirche im Bistum Limburg

Weitere Informationen zur Bistumspartnerschaft zwischen Limburg und Sarajevo finden Sie hier .

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