Kirche fordert Verbesserungen im internationalen Arbeitsrecht

  • Bonn/Genf - 08.06.2015

Die katholische Kirche wünscht mehr Rechte für Arbeitsmigranten. „Es ist die vorrangige Aufgabe von Regierungen, hier die Weichen umzustellen“, sagte die Referentin für Entwicklungspolitik bei der Deutschen Kommission Justitia et Pax , Hildegard Hagemann , am Freitag in Bonn. Die Rechte von Wanderarbeitern würden weitgehend missachtet; für sie gebe es nur selten gerechte Entlohnung oder soziale Sicherheit.

Hagemann äußerte sich anlässlich der Jahreskonferenz der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), die derzeit in Genf stattfindet. Arbeitnehmer- und Arbeitgeberorganisationen und Regierungen aus 185 ILO-Mitgliedstaaten verhandeln hier über Themen des internationalen Arbeitsrechts.

Besonderes Augenmerk müsse auf den Schutz der Rechte von Wanderarbeitern gelegt werden, forderte die Deutsche Kommission Justitia et Pax. Ein wichtiges Instrument, das die ILO in den nächsten Jahren besonders berücksichtigen müsse, sei die Arbeitsinspektion, die in vielen Ländern personell und finanziell unzureichend ausgestattet sei.

Hagemann betonte, dass Armut nur überwunden werden könne, wenn die Menschen mit ihrer täglichen Arbeit genug Einkommen für einen menschenwürdiges Leben erwirtschafteten. Die Kommission empfehle etwa Allianzen zwischen Entwicklungsorganisationen und Akteuren aus der sogenannten informellen Wirtschaft. In ihr arbeiten Menschen ohne Arbeitsvertrag; laut Schätzungen ist das rund die Hälfte aller Arbeiter weltweit. Wichtig, so Hagemann, sei zudem die Förderung der Gleichberechtigung von Frauen.

„Justitia et Pax“ ist der Name eines päpstlichen Rates, der sich mit internationalen Fragen sowie Entwicklung und Frieden befasst. Die Deutsche Kommission wurde 1967 als Einrichtung der Bischofskonferenz sowie des Zentralkomitees der deutschen Katholiken gegründet. (lek mit KNA)

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Internationale Arbeitsorganisation (ILO)

Menschenwürdige Arbeitsbedingungen weltweit ist ein Kernziel der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Ihre Aufgabe ist es, internationale Arbeits- und Sozialstandards zu formulieren und durchzusetzen. Letztere sollen etwa sicherstellen, dass einzelne Akteure sich nicht Vorteile auf den internationalen Märkten verschaffen, indem sie Arbeitnehmer entrechten und Arbeitsbedingungen verschlechtern.

Die Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit Sitz in Genf wurde 1919 nach dem Ersten Weltkrieg gegründet. Die 185 Mitgliedstaaten sind durch Vertreter von Regierungen, Arbeitnehmern und Arbeitgebern repräsentiert.

Im Zentrum der Arbeit der ILO stehen vier Grundprinzipien: die Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Kollektivverhandlungen; die Beseitigung von Zwangsarbeit; die Abschaffung der Kinderarbeit sowie das Verbot von Diskriminierung am Arbeitsplatz. Diese vier Grundprinzipien werden wiederum in acht sogenannten Kernarbeitsnormen ausformuliert. (KNA)

www.ilo.org