Eine durchwachsene Bilanz

  • Bonn - 03.06.2015

Dieses Jahr wird Bilanz gezogen: Acht ehrgeizige Millenniumsziele (MDG) setzten sich die damals 189 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen (UN) im Jahr 2000. Bis 2015 sollte unter anderem der Anteil der extrem Armen an der Bevölkerung der Entwicklungsländer um die Hälfte reduziert werden; die Zahl der Kinder, die vor dem fünften Lebensjahr sterben, sollte um zwei Drittel sinken. Die Ergebnisse können nur teilweise zufrieden stellen.

Im September will die UN-Vollversammlung neue Ziele zur nachhaltigen Entwicklung bis 2030 (SDG) beschließen. Deutschland kommt dabei eine Schlüsselrolle zu: Die Bundesrepublik hat derzeit die Präsidentschaft beim Treffen der sieben wichtigsten Industrienationen. Beim G7-Gipfel am Sonntag und Montag im oberbayerischen Schloss Elmau steht auch die sogenannte Post-2015-Entwicklungsagenda auf der Tagesordnung.

‚We cannot be satisfied‘

Kardinal Rodriguez Maradiaga zieht eine Bilanz der Millenniumsentwicklungsziele

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Nach dem im vergangenen Sommer veröffentlichten Zwischenbericht der UN konnte die Weltgemeinschaft mehrere der vereinbarten Vorhaben bereits verwirklichen – etwa bei der Halbierung der extremen Armut: Der Anteil der Menschen in den Entwicklungsländern, die mit weniger als 1,25 Dollar pro Tag auskommen müssen, sank von 47 Prozent 1990 auf 22 Prozent 2010. Gleichzeitig sank die absolute Zahl der in extremer Armut lebenden Menschen von 1,9 Milliarden im Jahr 1990 auf 1,2 Milliarden im Jahr 2010.

Allerdings sind die Fortschritte bei der Armutsminderung ungleich verteilt. Ostasien und Südostasien haben die Zielvorgabe geschafft. Prognosen der Weltbank zufolge wird Subsahara-Afrika das Ziel wohl nicht erreichen.

Erfolge bei Malaria- und Tuberkulosebekämpfung

Auch im Kampf gegen Malaria und Tuberkulose zeigen sich Erfolge: So konnten laut UN zwischen 2000 und 2012 schätzungsweise 3,3 Millionen Malaria-Todesfälle abgewendet werden. „Setzt sich diese Entwicklung fort, wird die Welt dieses Millenniums-Entwicklungsziel erreichen“, hieß es in dem Bericht.

Das Ziel, den Anteil der Menschen ohne Zugang zu verbesserter Trinkwasserversorgung zu halbieren, wurde bereits 2010 verwirklicht. 2012 verfügten 89 Prozent der Weltbevölkerung über Zugang, während es 1990 nur 76 Prozent waren.

Kampf gegen den Hunger geht weiter

Offen ist, ob die Erfolge im Kampf gegen den Hunger ausreichen, um das Millenniumsziel zu erreichen. Der Anteil der Unterernährten in den Entwicklungsregionen ist von 24 Prozent zu Beginn der 90er auf 14 Prozent in den Jahren 2011 bis 2013 gefallen. Das Fortschrittstempo sank jedoch zuletzt. Immer noch haben etwa 795 Millionen Menschen – ungefähr jeder neunte Erdenbewohner – nicht genug zu essen, wie aus dem Welthungerbericht 2015 hervorgeht. Die Zielvorgabe, bis 2015 die

Gesunde Ernährung für Kinder auf den Philippinen Flitner/Kindermissionswerk

Zahl der Menschen, die Hunger leiden, zu halbieren, würde Mehranstrengungen erfordern. Zu Beginn der 1990er Jahre hatte die Zahl der Hungernden bei mehr als einer Milliarde gelegen.

Auch beim Ziel der Grundschulbildung für alle ist der Erfolg gefährdet: Im Jahr 2000 besuchten 102 Millionen Kinder keine Grundschule. 2011 sank diese Zahl auf 57 Millionen. Trotzdem befürchten die Vereinten Nationen, ihr Ziel hier nicht zu erreichen. Der Grund dafür ist, dass das Tempo der Alphabetisierung erheblich abgenommen hat.

Ziele zu Kinder- und Müttersterblichkeit verfehlt

Deutlich unter den Zielvorgaben lagen etwa der Kampf gegen Kinder- und Müttersterblichkeit. Alle fünf Sekunden stirbt irgendwo auf der Welt ein Kind – das sind 6,6 Millionen Kinder jedes Jahr. Damit wurde das Millenniumsziel, die Kindersterblichkeit von 12 Millionen im Jahr 1990 um zwei Drittel zu senken, klar verfehlt.

Auch die Zielvorgabe, die Müttersterblichkeit bis 2015 um drei Viertel zu senken, wird aller Voraussicht nach nicht erreicht. Sie hat sich zwar seit 1990 weltweit fast halbiert, doch noch immer sterben jedes Jahr über 500.000 Mädchen und Frauen aufgrund von Komplikationen während der Schwangerschaft oder der Geburt.

Offen sind Ziele wie der Schuldenerlass oder die Gleichberechtigung von Frauen. Lobend hebt der Bericht auch das Allzeithoch bei den Geldern für öffentliche Entwicklungszusammenarbeit hervor. Dennoch bleiben die meisten Industrieländer weit hinter der Vorgabe zurück, 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens in die Entwicklungshilfe zu geben.

Von Christoph Arens (KNA)

© KNA

Link-Tipp

Auf der Webseite von Misereor finden Sie ein umfangreiches Dossier zum G7-Gipfel in Deutschland:

www.misereor.de