Franziskus und der Wandel auf Kuba

  • Havanna - 20.05.2015

Es ist eine spannende Zeit für die katholische Kirche in Kuba. Wenige Wochen vor dem Besuch von Papst Franziskus auf der kommunistisch regierten Karibikinsel und inmitten des Prozesses der Öffnung sprach die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) in Havanna mit dem Vize-Generalsekretär der Kubanischen Bischofskonferenz, Jose Felix Perez, über Franziskus'' Vermittlungsmission, den Wandel auf Kuba und die Rolle der Kirche in diesem Prozess.

Frage: Seit Dezember scheint das Eis zwischen den USA und Kuba gebrochen. Welche Rollte hat Papst Franziskus im Annäherungsprozess zwischen Kuba und den USA gespielt?

Perez: Die Details dieser Annäherung und der Rolle des Papstes sind bislang nicht publiziert worden. Aber beide Staatspräsidenten, Barack Obama für die USA und Raul Castro für Kuba, haben die Rolle des Papstes explizit hervorgehoben – was darauf hindeutet, dass er ein wichtiger Vermittler in diesem Prozess war. Es entspricht auch dem Stil dieses Papstes, dass er es für ein wichtiges Mittel hält, Verständnis in Konfliktsituationen zu zeigen, damit Schwierigkeiten überwunden werden können.

Frage: Es gibt derzeit auch eine Annäherung zwischen der EU und Kuba, auch wenn dieser Prozess nicht so im Zentrum des Interesses steht. Haben Sie einen Rat an die Europäer, damit er erfolgreich sein kann?

Perez: Es ist wichtig, Verständnis für die Position des jeweils anderen aufzubringen. Verständnis und gegenseitiger Respekt sind der Schlüssel für erfolgreiche Gespräche. Ich erinnere an den Ausspruch von Papst Johannes Paul II., der damals wünschte, „dass sich die Welt für Kuba öffnet und sich Kuba der Welt öffnet“. Alles, was sich in diese Richtung bewegt, ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Jose Felix Perez Riera ist stellvertretender Generalsekretär der kubanischen Bischofskonferenz. KNA

Frage: Welche Erwartungen knüpfen Sie an den Besuch von Franziskus?

Perez: Dieser Besuch wird vor allem pastoralen Charakter haben. Der Papst wird als Hirte der universalen Kirche nach Kuba kommen, um die Frohe Botschaft von Jesus mitzubringen und zu verkünden. In der Seele der Kubaner ist das Evangelium bereits verwurzelt, das die Kraft der Versöhnung, des Verständnisses und der Hoffnung in sich trägt.

Frage: Welche Rolle wird die Kirche im Prozess der Öffnung und des Wandels in Kuba in den nächsten Jahren spielen können?

Perez: Die Botschaft der Kirche jetzt und in Zukunft wird sein, sich stets der Versöhnung zu widmen und die geistliche und menschliche Ausbildung unseres Volkes zu unterstützen.

Frage: Papst Franziskus gibt seinen politischen Gesprächspartnern meist den gleichen Rat: Redet miteinander. Ist das auch der Rat für Kuba?

Perez: Genau das ist der Stil der Kirche seit Papst Paul VI. in einer seiner Enzykliken den Dialog als wichtigstes Mittel der Kirche hervorgehoben hat. Es gibt keine andere Methode, keine andere Möglichkeit als Dialog und Gespräch, um Probleme zu lösen.

Frage: In welcher Situation befindet sich die kubanische Kirche augenblicklich?

Perez: Die Kirche erlebt derzeit Vitalität in ihren Pfarreien, in Gemeinden und Missionshäusern, in denen sich Familien aus abgelegenen Dörfern treffen können, um gemeinsam zu beten. Wir schenken besonders den jungen Kubanern viel Aufmerksamkeit; das sorgt für Vitalität und motiviert dazu, das Evangelium zu leben und es all jenen zugänglich zu machen, die es noch nicht kennen.

Frage: Wo sehen Sie die kubanische Kirche in zehn Jahren? Und: Hat sich das Bild der Kubaner von der Kirche in den vergangenen Jahren bereits gewandelt?

Perez: Die Rolle der Kirche war stets, sich für Versöhnung und Brüderlichkeit einzusetzen. Daran wird sich nichts ändern. Die jungen Kubaner schätzen die Arbeit der Kirche, die sich für die Kranken und Schwachen einsetzt. Diese Generation wird auch prägend für das Bild der Kirche der Zukunft sein.

Das Interview führte Tobias Käufer (KNA).

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