„Großer Einsatz mit kleinen Mitteln“

  • Essen - 18.05.2015

Seit über 50 Jahren unterstützt das katholische Hilfswerk Adveniat Menschen in Lateinamerika, die an der Seite der Armen stehen: Priester, Ordensfrauen, Menschenrechtsaktivisten. Die Adveniat-Länderreferenten in Deutschland besuchen die Projektpartner in Lateinamerika regelmäßig – so auch Margit Wichelmann. Die Adveniat-Referentin ist vor kurzem aus Uruguay zurückgekommen – beeindruckt vom Schwung einer sehr armen katholischen Kirche.

Frage: Frau Wichelmann, was waren die Stationen Ihrer Dienstreise?

Wichelmann: Ich habe in den gut drei Wochen alle zehn Diözesen des Landes besucht. Das war mir für diese Reise – meine erste nach Uruguay – wichtig, um wirklich einen Gesamteindruck vom Land zu bekommen. Die Situation im Süden, wo es zum Beispiel viele touristische Orte gibt und wo ein Großteil der Bevölkerung lebt, ist ja völlig anders als der dünn besiedelte, von Viehzucht und Landwirtschaft geprägte Norden des Landes. Ich glaube, dass das sehr gut war, um das Land das erste Mal persönlich zu „erspüren“. Die nächsten Reisen werden dann mehr in die Tiefe gehen und sich auf einzelne Regionen oder Themen stärker konzentrieren.

Frage: Was hat Sie bei Ihrer Dienstreise besonders beeindruckt?

Wichelmann: Uruguay ist – anders als die anderen Länder Lateinamerikas – ein Land, in dem die Kirche ein Nischen-Dasein führt und nur über sehr geringe Einnahmequellen verfügt. Auch der Staat leistet sehr wenig Hilfe an die Kirche. Daher ist die Kirche in diesem Land, welches ja insgesamt wirtschaftlich besser dasteht als andere Länder der Region, eine der ärmsten, die ich in Lateinamerika bisher erlebt habe.

Eine Ordensschwester zeigt Margit Wichelmann die gesammelte Korrespondenz mit Adveniat. Die ältesten Briefe stammen aus den 1970er Jahren. Pohl/Adveniat

Bemerkenswert fand ich die einfachen Lebensbedingungen, unter denen die Priester und einige der Bischöfe in Uruguay leben. Und noch mehr hat mich beeindruckt, wie selbstverständlich und klaglos sie diese Mission annehmen und sich mit allen Kräften und viel Kreativität für die benachteiligten Bevölkerungsschichten einsetzen. Mich haben die Selbstverständlichkeit beeindruckt, mit der sich Menschen für die Dinge einsetzen, von denen sie überzeugt sind – und das gute und gleichberechtigte Miteinander von Laien und Priestern, die sich Seite an Seite engagieren.

Ich habe den Kardinal von Montevideo, Daniel Sturla, bei einigen Besuchen begleitet. Sein ungezwungener und herzlicher Umgang mit den Menschen, denen er begegnet ist, war ebenfalls beeindruckend. Alle kannten und schätzten ihn und er hatte überall ein offenes Ohr und ermutigende Worte. Dass er nun Kardinal ist, wird von den Menschen als Geschenk an das Land angesehen. Auf die persönliche Beziehung zu ihm hat seine neue Funktion keinen Einfluss – sie ist freundschaftlich und voller menschlicher Wärme. Besonders bewegt haben mich zwei Besuche mit ihm bei sehr armen Familien in Stadtrandvierteln von Montevideo.

Frage: Welche Themen sind von den Projektpartnern an Sie herangetragen worden? In welchen Bereichen ist Hilfe nötig?

Wichelmann: Ein großes Problem ist die finanzielle Situation der Kirche. Es fehlt Geld für die Ausbildung der Priester, Ordensleute und Laien, für die Instandhaltung der Gebäude, für den Unterhalt der Institutionen, vor allem der Schulen. Daher sind auch Projekte zur Selbstfinanzierung immer wieder Thema auf der Reise gewesen. Thema ist natürlich auch immer wieder die Stellung der Kirche in diesem laizistischen Land und der dadurch meist fehlende Zugang zu staatlichen Mitteln. Gleichzeitig wird die Trennung zwischen Kirche und Staat durchaus auch als etwas Positives gesehen, da die Kirche somit unabhängig bleibt und ganz frei agieren und sich äußern kann.

Frage: Sie haben auch Hilfsprojekte besucht, die Adveniat schon länger unterstützt. Was hat die Hilfe von Adveniat dort bisher bewegt?

Wichelmann: Es wurde mir immer wieder bestätigt, wie wichtig die verlässliche und kontinuierliche Hilfe Adveniats für Uruguay ist. Es gibt nicht viele Institutionen, die die genuine Arbeit der Kirche unterstützen und die Einnahmen aus Kollekten und Spenden sind in Uruguay zu gering, um alle Kosten alleine zu schultern. Dies betrifft natürlich vor allem die teureren Projekte wie Baumaßnahmen und Reparaturen. Aber auch die schon über viele Jahre andauernden Hilfen, zum Beispiel für die Ausbildung von Laien, die wir in vielen Diözesen unterstützen, haben dazu geführt, dass fortlaufend die Personen, die sich in der Kirche engagieren, für ihren Dienst weiter qualifiziert werden.

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