Von Klimawandel bis Personalkarussell

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  • Vatikanstadt - 11.05.2015

Die 20. Generalversammlung von Caritas Internationalis , die am Dienstag in Rom beginnt, verfolgen Beobachter mit besonderem Interesse – aus mehreren Gründen. Zum einen ist es die erste Versammlung nach den Missstimmungen, die der Erlass neuer Statuten für den Dachverband von rund 160 nationalen Caritasverbänden und katholischen Wohlfahrtorganisationen durch den Vatikan hervorgerufen hatte. Zum anderen ist das Thema Klimawandel , das in den Beratungen eine zentrale Rolle spielen soll, kurz vor Veröffentlichung der Umweltenzyklika von Papst Franziskus aktueller denn je.

Außerdem steht auch noch ein Führungswechsel bevor: Kardinal Oscar Rodriguez (72), Erzbischof von Tegucigalpa in Honduras, gibt nach acht Jahren sein Amt als Präsident von Caritas Internationalis auf. Neu ist auch, dass Papst Franziskus zur Eröffnung der Versammlung mit den Teilnehmern einen Gottesdienst im Petersdom feiert. Sein Vorgänger Benedikt XVI. hatte sie 2011 lediglich zu einer Audienz empfangen.

Wirbel um neue Statuten

Der Vatikan hatte 2012 neue Statuten für Caritas Internationalis erlassen. Erklärtes Ziel war die Schärfung des katholischen Profils. Das Verhältnis zwischen dem Vatikan und dem Dachverband war zuvor schon seit längerem angespannt gewesen. Höhepunkt war im Mai 2011 die Ablehnung der Wiederwahl der Britin Lesley-Anne Knight als Generalsekretärin von Caritas Internationalis.

Eine offizielle Begründung gab der Vatikan nicht. Medien berichteten jedoch, dass Knight aus römischer Sicht zu wenig für das katholische Profil getan habe. Die neuen Statuten, die dem Vatikan weiterreichende Befugnisse gaben, riefen teils heftige Kritik unter den Mitgliedsverbänden hervor. Der damalige Präsident des französischen Caritas-Verbandes etwa kritisierte sie als „Form der Übernahme“. Inzwischen scheinen sich die Wogen etwas geglättet zu haben.

Kardinal Òscar Rodríguez Maradiaga, Erzbischof von Tegucigalpa (Honduras), hielt einen Vortrag zum Thema „Christliche Basisgemeinden und ihr Engagement für das Reich Gottes: Caritas – Gerechtigkeit – Frieden“ Oppitz,KNA/Adveniat/Missio

Wahl eines neuen Präsidenten

Keine Schwierigkeiten mit dem Vatikan dürfte es dagegen bei der Wahl des neuen Präsidenten von Caritas Internationalis am Donnerstag geben. Kandidaten für die Nachfolge des Honduraners Rodriguez sind der Erzbischof von Manila (57), Luis Antonio Tagle, und der maronitische Erzbischof von Zypern Youssef Soueif (52).

Gründe für den Verzicht auf eine Wiederwahl nannte Rodriguez nicht. Eine Rolle dürften aber wohl die zusätzlichen Verpflichtungen spielen, die er 2013 als Koordinator des Kardinalsrates zur Kurienreform übernommen hat. Favorit für die Nachfrage ist eindeutig Tagle, der international weitaus bekannter ist und zuletzt Gastgeber von Papst Franziskus auf den Philippinen war. 2013 brachten ihn manche Beobachter gar bereits als jungen Kandidaten für die Nachfolge von Benedikt XVI. ins Spiel.

Der Präsident von Caritas Internationalis hat eine wichtige repräsentative Funktion. Er kann weltweit als Sprachrohr für die Anliegen der Mitgliedsverbände auftreten. Konkreter Gestaltungsspielraum ist mit der Leitung der 30 Mitarbeiter umfassenden Organisation mit Sitz im römischen Stadtteil Trastevere allerdings kaum verbunden. Gemessen am Gesamtbudget seiner Mitgliedsverbände von rund 5,5 Milliarden Dollar ist die Organisation zwar ein Gigant – doch ihr eigener Haushalt beläuft sich auf lediglich 4 Millionen Euro.

Strategie zum Thema Klimawandel

„Eine menschliche Familie. Die Schöpfung beachten“ lautet der Titel der Generalversammlung. Damit greift Caritas Internationalis nicht nur ein Anliegen der in Kürze erwarteten Öko-Enzyklika des Papstes auf, sondern will sich nach Aussage von Generalsekretär Michel Roy auch bewusst vor dem Paris Klimagipfel Ende des Jahres positionieren. Es solle eine umfassende Strategie erarbeitet werden, hatte eine Sprecherin des Dachverbandes mitgeteilt.

Mit Spannung erwartet wird nicht zuletzt auch der Auftritt von zwei Gastrednern der Generalversammlung: Gustavo Gutierrez (86), einer der Gründerväter der Befreiungstheologie , und Jeffrey Sachs (60), US-Wirtschaftswissenschaftler und Berater von UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon für Fragen der nachhaltigen Entwicklung. Sachs wurde von einigen US-Medien zudem als ein Ideengeber für die Umweltenzyklika des Papstes genannt.

Von Thomas Jansen (KNA)

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