Erzbischof und Imam aus Zentralafrika erhalten Friedenspreis

  • © Bild: KNA
  • Aachen - 08.05.2015

Dieudonne Nzapalainga (48), katholischer Erzbischof in der Zentralafrikanischen Hauptstadt Bangui, und der örtliche Imam Kobine Layama erhalten den diesjährigen Aachener Friedenspreis . Die Geistlichen setzten sich gemeinsam für ein friedliches Miteinander der Religionen in dem afrikanischen Land ein, teilte die Bürgerinitiative Aachener Friedenspreis am Freitag zur Begründung mit.

Nzapalainga und Layama wirkten im Konflikt zwischen der islamischen Rebellengruppe Seleka und den christlich geprägten Gegen-Rebellen der Anti-Balaka auf eine gewaltfreie zivile Konfliktlösung hin, hieß es. Dazu besuchten sie einzelne Stadtviertel und reisten in entlegene Dörfer. Auch hätten sie ein Jugend-Fußball-Turnier mit Teams beider Religionen organisiert. Beide Geistliche riefen ihre eigenen Gläubigen zu einem friedvollen Miteinander auf und träten offensiv für eine Entwaffnung aller Konfliktparteien ein.

Aachener Hilfswerke gratulieren den Religionsvertretern

Die kirchlichen Hilfswerke Misereor und Missio in Aachen begrüßten die Entscheidung der Bürgerinitiative. Die beiden Religionsvertreter aus der Zentralafrikanischen Republik stünden für eine Botschaft des Friedens und betonten, dass es sich bei den Auseinandersetzungen in ihrem Land um einen militärisch-politischen und nicht um einen religiösen Konflikt handele, teilte Misereor am Freitag in Aachen mit.

‚Der Staat existiert nicht mehr‘

Im Interview mit dem Internetportal Weltkirche Anfang 2014 forderte Erzbischof Nzapalainga ein stärkeres Engagement der Vereinten Nationen in der Zentralafrikanischen Republik.

weltkirche.katholisch.de

Dieudonne Nzapalainga sei ein junger Erzbischof, der nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten hervorsteche, erklärte der Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel. „In einem zerfallenden Staat wie der Zentralafrikanischen Republik erfordert das Mut. Er hat die Religionsführer des Landes zu einer Plattform zusammengebracht. Sie vermitteln zwischen den Konfliktparteien und treten für Frieden, Dialog und Versöhnung ein. Der Aachener Friedenspreis für Dieudonne Nzapalainga ist ein wichtiges Signal für eine Krisenregion, die in der Weltöffentlichkeit in Vergessenheit geraten ist“, sagte Spiegel.

„Großartiges Zeichen“

Auch der Präsident des Internationalen Katholischen Missionswerks Missio in Aachen würdigte die Wahl des Aachener Friedenspreises. „Das ist ein großartiges Zeichen der Ermutigung für alle, die sich weltweit für Frieden, Gerechtigkeit und den interreligiösen Dialog einsetzen“, so Krämer am Freitag in Aachen.

Gegenwärtig würden die Ursachen gewalttätiger Krisen im Nahen Osten und Afrika zu schnell und zu einfach allein auf einen religiösen Konflikt nach dem Muster „Muslime gegen Christen“ zurückgeführt, beklagte der Missio-Präsident. „Imam Omar Kobine Layama und Erzbischof Dieudonne Nzapalainga haben ein imponierendes Zeichen gesetzt, dass das nicht stimmt“.

Der Aachener Friedenspreis wird seit 1988 an Personen und Initiativen verliehen, die sich „von unten“ für Frieden einsetzen. Die mit je 1.000 Euro dotierte Ehrung wird traditionell am Antikriegstag am 1. September überreicht. (lek mit KNA/Misereor/Missio)

Hintergrund

Ein Hintergrundpapier des Netzwerks Afrika Deutschland (NAD) zur Machtübernahme in der Zentralafrikanischen Republik können Sie hier als PDF herunterladen:

© weltkirche.katholisch.de