Vatikan veranstaltet Konferenz gegen Menschenhandel

  • Vatikanstadt - 28.04.2015

Der Heilige Stuhl will dem internationalen Kampf gegen Kinderhandel und -ausbeutung neuen Schwung geben. Kardinal Peter Turkson vom Päpstlichen Friedensrat zählte am Montag die Herausforderungen in diesem Bereich auf: Organ- und Drogenhandel, Kinderprostitution, erzwungenes Betteln, Zwangsheirat, Kindersoldaten, Zwangsarbeit, Versklavung von Kindern durch Terrorgruppen.

Der Kurienkardinal aus Ghana sprach in den Vatikanischen Gärten auf einer Konferenz gegen Menschenhandel , die von der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften und der schwedischen Botschaft beim Heiligen Stuhl ausgerichtet wird.

25 Jahre nach dem Inkrafttreten der UNO-Kinderrechte-Konvention diagnostiziert Kardinal Turkson, dass „alle internationalen Vereinbarungen und Aktionspläne, so notwendig sie auch sind, doch dem Kinderhandel noch kein Ende bereiten konnten“. Man müsse stärker an den Wurzeln des Problems ansetzen: Das seien erstens Armut und Unterentwicklung, zweitens bewaffnete Konflikte und Terrorismus, sowie drittens Korruption und „Wegwerfkultur“.

Königin Silvia bei Vatikan-Konferenz

Auch Schwedens Königin Silvia nahm an der Konferenz gegen Menschenhandel im Vatikan teil. Als erste Rednerin sprach sie am Montag über den besseren Schutz von Kindern vor moderner Sklaverei. Bereits am Vortag hatte sie bei einem Empfang in Rom laut Radio Vatikan (Montag) beklagt, die Kinderrechte seien zu wenig im allgemeinen Bewusstsein verankert. „Wir alle müssen die Kinderrechte in unserem Herzen tragen“, sagte sie. Kindern sei meist nicht bewusst, dass sie den verbrieften Anspruch auf gute Behandlung hätten. „Dafür ist jetzt höchste Zeit.“

Allgemein festgeschrieben sind diese Rechte etwa in der UN-Kinderrechtskonvention von 1990. Ihr sind 195 Staaten und somit fast alle Mitglieder der Vereinten Nationen beigetreten.

Die von Königin Silvia 1999 gegründete „World Childhood Foundation“ engagiert sich in 16 Ländern gegen den Handel mit Kindern. Am Sonntag erhielt sie dafür in der deutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl den Preis „Pro Humanitate“ der Europäischen Kulturstiftung.

Während Silvias Audienz am Morgen dankte Franziskus den Schweden für die großzügige Aufnahme von Flüchtlingen. Kein anderes Land in Europa nimmt im Verhältnis zur eigenen Bevölkerung mehr Menschen auf. 2014 kamen rund 80.000 Menschen nach Schweden; 2015 sollen dort mehr als 100.000 Flüchtlinge Aufnahme finden. Die Hilfe ihrer Landsleute bezeichnete Königin Silvia als bewundernswertes Merkmal der schwedischen Mentalität. „Aber die Zahlen werden zu groß. Es werden so viele jetzt“, sagte sie Radio Vatikan. (Radio Vatikan/KNA)

Hintergrund

Schätzungen der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zufolge sind weltweit gegenwärtig etwa 21 Millionen Menschen Opfer des internationalen Menschenhandels. Zwangsprostitution und erzwungene Arbeitsverhältnisse betreffen auch Europa. Die Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz hat 2014 eine Arbeitsgruppe eingerichtet, in der die in Deutschland im Kampf gegen Menschenhandel engagierten katholischen Institutionen und Organisationen ihre Aktivitäten bündeln und koordinieren. Dazu gehören neben der Deutschen Bischofskonferenz die Deutsche Kommission Justitia et Pax, der Deutsche Caritasverband, das Osteuropa-Hilfswerk Renovabis und die Frauenrechtsorganisation Solwodi. Die ökumenische Perspektive wird durch das Fraueninformationszentrum Stuttgart eingebracht.

Hintergrundinformationen, Gebete und weitere Materialien zum Thema Menschenhandel finden Sie in der Arbeitshilfe der DBK zum Welttag des Friedens 2015 „Nicht länger Sklaven, sondern Brüder und Schwestern“:

zur Arbeitshilfe

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