Von Kuba in die USA: Brückenbauer Franziskus

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  • Vatikanstadt - 24.04.2015

Papst Franziskus wird im September Kuba besuchen, so bestätigte es am Mittwoch Vatikansprecher Federico Lombardi. Der Besuch schließt sich an die Initiative des Papstes vom vergangenen Herbst an. Er hatte den Präsidenten Obama und Castro jeweils einen Brief geschrieben, der – wie es Obama ausdrückte – zum Auslöser für eine Annäherung zwischen den beiden Ländern nach fünfzig Jahren Blockade wurde.

Mit dieser Reise setzt der Papst ein Zeichen: So bewertet Bernd Klaschka, Hauptgeschäftsführer des Lateinamerikahilfswerks Adveniat , den Reiseabstecher. Diese Zeichen, die Briefe und der Besuch würden auf politischer wie diplomatischer Ebene verstanden. „Ich glaube, dass diese Briefe ausschlaggebend waren“, so Klaschka, „und zwar ausschlaggebend für die Annäherung zwischen Castro und Obama, noch nicht zwischen den Staaten USA und Kuba, weil die Systeme sehr unterschiedlich sind. Die Briefe von Franziskus waren auch wichtig beim Treffen zwischen dem Papst und Obama, weil der US-Präsident die Aussage gemacht hat, dass die Blockadepolitik zu nichts geführt hat. Sie habe nur getrennt und man muss jetzt versuchen, aufeinander zuzugehen. Damit schlägt er auch den Weg des Papstes ein, auf die Menschen zuzugehen, die Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und nicht systemimmanent zu denken.“

Jaime Lucas Ortega y Alamino, Vorsitzender der Kubanischen Bischofskonferenz, hat am 12. November 2011 an einer Prozession zu Ehren der Nationalpatronin Mutter der Nächstenliebe in Havanna teilgenommen. KNA

Kirche auf Kuba setzt sich seit Jahren für Annäherung ein

Die Ortskirche, speziell Kardinal Jaime Ortega von Havanna, arbeitet seit Jahren an einer Annäherung und einer Öffnung Kubas. Seit einiger Zeit wird ihre Rolle vom Staat auch akzeptiert und sogar gefördert. Das liege daran, dass die Kirche eine hohe moralische Autorität habe und glaubwürdig sei, so Klaschka. „Auf Kuba herrscht Korruption, auf Kuba – so ist mein Eindruck – spürt man, dass das System innerlich an ein Ende gekommen ist und keine Zukunft hat. Bei meinem letzten Kubabesuch habe ich den Eindruck gehabt, dass das System erkannt hat, dass es innerlich marode ist und neue Initiativen braucht, um den Menschen zu helfen.“ Genau hieran arbeite auch die Kirche mit.

Allerdings gebe es auch viele Ängste, so Klaschka, vor allem vor einem Druck von Exil-Kubanern, die aus Miami oder anderen Orten zurückkehren. Es bestehe die Gefahr, dass das Ganze zusammenbreche. Deswegen setze sich die kubanische Kirche für einen langsamen Prozess ein. Präsident Raúl Castro sei jemand, der diesen langsamen Prozess fördere. Die Kirche bilde ethisch und administrativ Kleinunternehmer aus und sei auch von der Regierung angefragt, ethisch bei der Lehrerausbildung tätig zu werden. Das seien Zeichen gegenseitigen Ernstnehmens, so Klaschka.

Kardinal Ortega sei ein guter Brückenbauer, aber auch die letzten Päpste haben sich – nicht zuletzt durch Besuche – in Kuba engagiert. „Ich denke, dass das Wort Johannes Paul II. bei seiner Kubareise, die Welt – und auch die USA – solle sich für Kuba öffnen und Kuba für die Welt, langsam Früchte trägt. Es gibt einen Öffnungsprozess. Benedikt XVI. hat 2012 den Versöhnungsprozess angesprochen. Auch das wirkt sich langsam aus. Der Besuch im September von Papst Franziskus setzt noch einmal ein neues Zeichen.“ Er selber sei fest davon überzeugt, dass dieser Prozess der Öffnung erfolgreich sein werde und dass am Ende der gegenseitige Respekt zwischen Kuba und den USA stehen werde. „Ich glaube, dieser Prozess ist irreversibel!“

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Adveniat: Not in Lateinamerika nicht vergessen

Auf „vergessene Katastrophen“ will Adveniat in diesem Jahr aufmerksam machen. Trotz der Entwicklung im Nahen Osten und in der Ukraine dürften die Not der Menschen etwa in Haiti oder der Konflikt in Kolumbien nicht vergessen werden, sagte Adveniat-Hauptgeschäftsführer Bernd Klaschka am Freitag in Essen.

Fünf Jahre nach dem verheerenden Beben in Haiti seien die ersten Wiederaufbau-Projekte abgeschlossen und die Zahl der Massenzeltlager sei zurückgegangen. „Doch noch immer leben Hunderttausende ohne Zugang zu Kanalisation, fließendem Wasser und medizinischer Versorgung – und so ist nachhaltige Hilfe weiterhin dringend notwendig“, betonte Klaschka. Ziel und Auftrag von Adveniat sei es, die Menschen in Deutschland auf die Not in Lateinamerika und der Karibik aufmerksam zu machen und zur Nächstenliebe und Solidarität aufzurufen.

Mit 31 Millionen Euro hat das Hilfswerk nach eigenen Angaben im Geschäftsjahr 2013/2014 rund 1.900 Projekte in Lateinamerika und der Karibik unterstützt. Die Einnahmen aus Kollekten und Spenden beliefen sich auf 46,8 Millionen Euro, im Jahr zuvor waren es 47,1 Millionen Euro. (KNA)

Den Adveniat-Jahresbericht 2013/2014 können Sie hier als PDF herunterladen:

www.adveniat.de