Misereor mahnt zu kritischem Blick auf Wirtschaftswachstum

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  • Bonn - 17.04.2015

Der Hauptgeschäftsführer des katholischen Entwicklungshilfswerks Misereor, Pirmin Spiegel, hat vor einer einseitigen Konzentration auf wirtschaftliches Wachstum gewarnt. Zwar erzeuge Wachstum positive Effekte etwa indem es neue Arbeitsplätze schaffe, sagte Spiegel am Freitag in Bonn. Aber es könne auch dazu beitragen, Ressourcen zu zerstören und soziale Ungleichheiten zu vertiefen. Derzeit besäßen die reichsten 80 Menschen der Welt so viel wie die 3,5 Milliarden ärmsten Bewohner der Erde, erinnerte Spiegel.

Der Misereor-Chef äußerte sich zum Auftakt eines von dem Hilfswerk bereits zum dritten Mal ausgerichteten Unternehmerforums. Das Treffen von Wirtschaftsvertretern, Wissenschaftlern und Entwicklungsexperten in der Bonner Telekom-Zentrale setzte sich diesmal mit dem Thema „Nachhaltiges Wachstum“ auseinander. Für die Gastgeber würdigte Gabriele Kotulla, stellvertretende Leiterin des Bereichs Corporate Responsibility bei der Telekom, das Forum als Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und zu vertiefen.

Breiter gesellschaftlicher Dialog gefordert

Um Möglichkeiten und Grenzen wirtschaftlichen Handelns auszuloten, bedürfe es eines breiten gesellschaftlichen Dialogs, betonte Spiegel. Misereor wolle dabei die Perspektiven der Armen einbringen und auf deren Nöte, aber auch auf deren Potenziale aufmerksam machen.

Der Kaiserslauterer Volkswirtschaftler Michael von Hauff sprach sich dafür aus, die Formel vom „nachhaltigen Wachstum“ wissenschaftlich zu fundieren. So seien Fragen der sozialen Nachhaltigkeit beispielsweise in den Bereichen Bildung, Pflege und Gesundheit bislang kaum in den Blick genommen worden.

Volkswirtschaftler: Wandel dringend nötig

Zugleich warnte er vor Verallgemeinerungen. Ein völliger Abschied von einem positiven Wachstum könne sich nachteilig auswirken. Ein Wandel sei jedoch dringend nötig. Das sei für ihn, so von Hauff, keine moralische oder ethische Frage, sondern eine Folge der rationalen Analyse der vorhandenen Daten. „Wenn wir so weitermachen wie bisher, werden wir massive Umweltprobleme haben.“

Darüber hinaus ging der Volkswirtschaftler auf der Veranstaltung in der Telekom-Zentrale auch auf den Konsum von Mobiltelefonen ein. Er hält den Handy-Verbrauch in westlichen Gesellschaften für völlig verantwortungslos. Allein mangels geeigneter Recycling-Verfahren gingen wertvolle Rohstoffe wie Gold tonnenweise verloren, sagte von Hauff.

Die Telekom ist einer der größten Mobilfunkanbieter in Deutschland. In jedem Handy werden rund 60 Materialien verbaut, darunter erhebliche Mengen der Metalle Gold, Silber, Kupfer, Kobalt und Palladium. (lek mit KNA)

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