Papst ruft Heiliges Jahr aus

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  • Vatikanstadt - 13.04.2015

Papst Franziskus hat offiziell ein Heiliges Jahr der katholischen Kirche ausgerufen. Es solle „helfen, das Zeugnis der Gläubigen stärker und wirkungsvoller zu machen“, heißt es in der Verkündigungsbulle , einer besonders feierlichen Urkunde, von der Auszüge am Samstagabend im Eingang des Petersdoms verlesen wurden.

Bei einem Gottesdienst im Anschluss forderte Franziskus die katholische Kirche auf, sich stärker mit den neuen Herausforderungen der Gegenwart auseinandersetzen. Es gelte, „in dieser Zeit großer epochaler Veränderungen die Zeichen der Gegenwart und Nähe Gottes vermehrt anzubieten“. Die Kirche müsse wieder lernen, auf das Wesentliche zu schauen und dürfe sich nicht ablenken lassen. Sie müsse Zeichen und Werkzeug von Gottes Barmherzigkeit sein.

Das „außerordentliche Jubiläum der Barmherzigkeit“ beginnt am 8. Dezember und endet am 20. November 2016. Angekündigt hatte Franziskus die Initiative überraschend Mitte März.

Barmherzigkeit statt Strenge

Barmherzigkeit steht im Mittelpunkt der Verkündigungsbulle mit dem Titel „Antlitz der Barmherzigkeit“. Die Gläubigen sollten in dieser Zeit verstärkt darüber nachdenken, wie sie diese konkret leben könnten. Sie müssten ihr Gewissen wachrütteln, das gegenüber dem „Drama der Armut“ oft eingeschlafen sei, fordert der Papst.

Ein Heiliges Jahr soll die Erneuerung des Glaubens fördern und ist mit einem besonderen Ablass verbunden. Traditionell findet es alle 25 Jahre statt. Zuletzt hatte Johannes Paul II. im Jahr 2000 ein ordentliches Heiliges Jahr ausgerufen. Das bevorstehende Heilige Jahr ist das dritte außerordentliche Heilige Jahr seit der Einführung dieses Brauchs durch Bonifaz VIII. im Jahr 1300.

Franziskus ruft zu Pilgerfahrten nach Rom und zu anderen Wallfahrtsorten auf. Er betonte, er habe den 8. Dezember als Eröffnungstermin gewählt, weil genau 50 Jahre zuvor das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) zu Ende gegangen sei. Damals seien Mauern eingerissen worden, „die die Kirche allzu lange in einer privilegierten Festung eingeschlossen hatten“.

Dialog der Religionen vertiefen

In dem Schreiben äußert der Papst zudem die Hoffnung auf einen vertieften Dialog der Religionen . Auch für Judentum und Islam stelle die Barmherzigkeit eine der wichtigsten Eigenschaften Gottes dar.

Die Bischöfe der Weltkirche fordert der Papst auf, für die Dauer des Heiligen Jahres in ihrer Bischofskirche oder einer anderen Kirche eine „Pforte der Barmherzigkeit“ zu öffnen, nach dem Vorbild des Petersdoms und der drei weiteren päpstlichen Basiliken Roms. Zu Beginn eines Heiligen Jahres werden traditionell die Heiligen Pforten in den vier Papstbasiliken Roms geöffnet.

Franziskus kündigte die Aussendung sogenannter Missionare der Barmherzigkeit in die Ortskirchen an. Es handele sich um Priester, denen er die Vollmacht gegeben habe, auch von solchen Sünden loszusprechen, die normalerweise dem vatikanischen Gerichtshof vorbehalten sind.

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Heiliges Jahr

Das Heilige Jahr ist ein Jubiläumsjahr in der katholischen Kirche. Es wird regulär alle 25 Jahre begangen. Biblisches Vorbild ist das Jubeljahr (Levitikus 25), ein alle 50 Jahre begangenes Erlassjahr. Das erste Heilige Jahr wurde 1300 von Papst Bonifatius VIII. (1294-1303) ausgerufen. Ursprünglich als Jahrhundertereignis gedacht, wurde es zunächst im Abstand von 50 und dann 33 Jahren wiederholt. Der Rhythmus von 25 Jahren besteht seit 1470.

Zentrale Elemente der Heiligen Jahre wurden die Romwallfahrt, die Heilige Pforte und der Ablass. Zum Ritual gehörte der Besuch bestimmter Kirchen in Rom. Heute gehören acht Pilgerorte dazu, darunter der Petersdom, die Lateranbasilika, die Basilika Santa Maria Maggiore und die Katakomben.

Neben den „ordentlichen“ Heiligen Jahren gab es wiederholt außerordentliche Jubiläen, etwa 1566 angesichts der Bedrohung durch die Türken, 1605 zum Amtstritt von Papst Paul V., 1983 als besonderes Gedenkjahr der Erlösung, 1987 mit dem Themenschwerpunkt Maria und 2008 anlässlich der Geburt des Apostels Paulus vor 2.000 Jahren. Im Jubeljahr 2000 kamen rund 25 Millionen Pilger und Besucher nach Rom. (KNA)

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