Ein Fahrplan – viele Fragen

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  • Bonn - 20.03.2015

Einen Fahrplan gibt es immerhin: Ende Februar unterzeichneten hochrangige Politiker aus der Zentralafrikanischen Republik in Rom ein Abkommen für einen friedlichen Übergang in dem seit zwei Jahren von bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen zerrissenen Land. Darin vorgesehen sind die Verabschiedung einer neuen Verfassung, Präsidentschafts- und Parlamentswahlen sowie die Bildung einer demokratischen Regierung bis August.

Als Vermittler fungierte die christliche Gemeinschaft Sant''Egidio. Deren Engagement trug 1992 maßgeblich zum Friedensvertrag für das südostafrikanische Mosambik bei. Doch dass die Entwicklung in der Zentralafrikanischen Republik einen ähnlich günstigen Ausgang nimmt, bleibt einstweilen wohl nicht viel mehr als ein frommer Wunsch. Das Land bleibe „unregierbar“, titelte unlängst die Deutsche Welle auf ihrer Internetseite.

Der deutsche Auslandssender verfügt über ein gutes Netzwerk in der Region und hatte auch Interimspräsidentin Catherine Samba-Panza vor dem Mikrofon. Mit viel Elan trat die Geschäftsfrau und zeitweilige Bürgermeisterin der Hauptstadt Bangui ihr Amt im Januar 2014 an. Aber sie tut sich offenkundig schwer damit, die Ordnung in einem Land wiederherzustellen, das seit dem Sturz ihres Amtsvorgängers Francois Bozize durch die Rebellenbewegung Seleka im Chaos zu versinken droht.

Ende der Kämpfe ist nicht in Sicht

Immer wieder flackern Kämpfe auf. Daran konnten weder die über 8.500 im Land stationierten UN-Blauhelme etwas ändern, noch die Soldaten der europäischen Eingreiftruppe EUFOR, deren Mission am Sonntag offiziell endete. Mehrere hunderttausend Menschen mussten seit Ausbruch des Konflikts ihre Städte und Dörfer verlassen; Hunderte Familien sind auf der Suche nach ihren Angehörigen, wie das Internationale Rote Kreuz (IKRK) mitteilte.

‚Der Staat existiert nicht mehr‘

Im Interview mit dem Internetportal Weltkirche Anfang 2014 forderte Erzbischof Nzapalainga ein stärkeres Engagement der Vereinten Nationen in der Zentralafrikanischen Republik.

weltkirche.katholisch.de

Helfer, auch aus Deutschland, versuchen, die Zivilbevölkerung bei so etwas wie einem Wiederaufbau zu unterstützen. Seit April vergangenen Jahres ist die Welthungerhilfe vor Ort aktiv und kümmert sich in drei Projekten mit einem Gesamtvolumen von rund 7,6 Millionen Euro unter anderem um die Versorgung der Flüchtlinge und eine Verbesserung der desolaten Ernährungslage. Der Vorstandsvorsitzende der Welthungerhilfe für Projekte und Programme, Mathias Mogge, beschreibt die Atmosphäre in dem Krisenstaat als extrem aufgeladen – auch wenn sich die Sicherheitslage leicht gebessert habe.

Seine Organisation konzentriert sich vorerst auf das Umfeld der Hauptstadt. Ein Problem in Bangui sind etwa die rund 20.000 Binnenflüchtlinge, die auf dem Gelände des Flughafens Zuflucht gesucht haben. Schon allein aus Sicherheitsgründen ein eigentlich unhaltbarer Zustand. Wer solche und andere Herausforderungen lösen will, muss darauf achten, alle Konfliktparteien mit einzubeziehen. Und das auf jeder Ebene. „Wenn wir Gummistiefel verteilen, dann sehen wir zu, dass wir niemanden bevorzugen, sonst gibt es direkt Streit“, sagt der Vertreter der Welthungerhilfe.

Kein religiöser Konflikt

Dabei haben auch Experten mitunter Mühe, die Übersicht zu behalten. Zwar sind die muslimischen Seleka-Milizen eher im Nordosten aktiv, ihre meist christlichen Gegner von der Anti-Balaka im Südwesten. „Aber es entstehen ständig neue Gruppierungen“, so Mogge, der zugleich betont, dass die Religion bei alledem nur vorgeschoben ist. Der gesellschaftliche Wandel und ein zunehmender Strom an Waffen aus den Nachbarstaaten wie dem Kongo oder dem Sudan heizen die Stimmung seit Jahren an.

Anlass für die meisten Streitigkeiten sei der Zugang zu Ressourcen und ein Gegensatz zwischen Bangui und den übrigen Landesteilen. „Wenn in den vergangenen Jahren investiert wurde, dann in der Hauptstadt.“ Das habe neben der seit Jahrzehnten grassierenden Korruption und den Menschenrechtsverletzungen vorangegangener Regime bei vielen Menschen das Vertrauen in die Politik komplett erschüttert.

Einer der wichtigsten Kontakte für die Welthungerhilfe in der Zentralafrikanischen Republik ist Anatole Koue, der seit kurzem in seiner Heimat politisch aktiv ist. Bei seinen Landsleute steht er aus anderen Gründen hoch im Kurs: Der Mann war als Fußballprofi beim französischen Club Paris Saint-Germain aktiv.

Von Joachim Heinz (KNA)

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Interview mit dem Erzbischof von Bangui

Im Interview mit dem katholischen Hilfswerk Missio in Aachen setzt sich der Erzbischof der Hauptstadt-Diözese Bangui, Msgr. Dieudonné Nzapalainga, in einer beispiellosen Initiative für den Frieden ein und erklärt, warum der blutige Konflikt kein Religionskrieg ist. Das Interview können Sie lesen unter

www.missio-hilft.de

Hintergrund

Ein Hintergrundpapier des Netzwerks Afrika Deutschland (NAD) zur Machtübernahme in der Zentralafrikanischen Republik können Sie hier als PDF herunterladen: