Die Marke „Peru“

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  • Lima - 18.03.2015

Stolz trägt die 15-jährige Maria Gonzales ihr Land vor sich her: Der Anfangsbuchstabe P des Schriftzugs Peru auf ihrem T-Shirt mündet in eine weiße Spirale, die entfernt an die Touristenattraktion der „Nazca-Linien“ in der peruanischen Wüste erinnert. Vor vier Jahren hat das peruanische Außenhandelsministerium das Spirallogo für eine weltweite Werbekampagne kreiert - und damit gepunktet, nicht zuletzt bei den eigenen Landsleuten.

In den vergangenen zehn Jahren befand sich das Land im Aufwind: jahrelanges Wirtschaftswachstum über fünf Prozent; demokratische Präsidenten, die die Finger von Militärputschen ließen und auch nicht von Volksaufständen aus dem Amt gejagt wurden. Die Armutszahlen haben sich laut Statistikamt in den vergangenen acht Jahren mehr als halbiert. Nicht abreißende Touristenströme, die die Schönheiten der Anden besuchen, etwa die alte Inka-Zitadelle Macchu Picchu. Und sogar die Migrantenströme haben sich umgekehrt: War Peru Anfang der 2000er Jahre noch Netto-Auswanderungsland, so strömen heute zunehmend junge Spanier, Argentinier oder Kolumbianer ins Land, auf der Suche nach Arbeit.

Goldene Zeiten neigen sich dem Ende

Wenn am Donnerstag der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck nach Peru kommt, neigen sich diese fast Goldenen Zeiten jedoch bereits dem Ende zu. Gerade 1,67 Prozent ist die nationale Wirtschaft im Januar noch gewachsen, wie das peruanische Statistikamt am Montag (Ortszeit) bekanntgab. Damit steht das Land zwar im Lateinamerika-Vergleich noch gut da – für Präsident Ollanta Humala werden die Kassen aber knapp, wenn er seine Sozialprogramme in Bildung und Gesundheit weiter durchführen will. Der zuletzt überhitzte Rohstoffboom gerät wieder auf Normalniveau. Das mag schlecht für die Wirtschaft und für einige Sozialprogramme sein; für die Umwelt ist es ein Segen.

Das Andenland Peru mit seinen 6.000 Meter hohen Gipfeln, mit der fischreichen, aber an Land staubtrockenen Pazifikküste und dem Amazonas-Regenwald gehört zu den Ländern mit der größten Biodiversität Lateinamerikas. Zugleich ist es stark vom Klimawandel betroffen, beschleunigt noch durch die Abholzung des Regenwaldes. In ihrer Abhängigkeit von Rohstoffexporten – Kupfer, Gold, Molybdän, Zink und Blei, Gas und Erdöl – sind die peruanischen Regierungen bis heute auf dem Umwelt-Auge weitgehend blind. Das führt vermehrt zu Protesten der zum großen Teil indigenen Landbevölkerung, die vom Rohstoffreichtum wenig Gewinn, aber umso mehr Schaden hat.

Werbelogo von Peru KNA

Der Opfer des Bürgerkriegs gedenken

Das wirtschaftlich erstarkte Peru ist ein für Deutschland zunehmend interessanter Handelspartner und seit Jahrzehnten ein Schwerpunktland in der Entwicklungszusammenarbeit. Vor allem um letzteres geht es Bundespräsident Joachim Gauck bei seinem anstehenden Peru-Besuch. Sein Blick richtet sich allerdings nicht nur in die Zukunft, sondern auch in die jüngste Vergangenheit.

Zwischen 1980 und 2000 fand in den peruanischen Anden ein brutaler Bürgerkrieg statt. An die 70.000 Menschen meist indigener Herkunft wurden zwischen der maoistischen Terrorgruppe „Leuchtender Pfad“ und der Armee aufgerieben und getötet – eine Geschichte, vor der die Peruaner in ihrem Wirtschaftswundertaumel gern die Augen verschließen.

Die Deutschen kennen die Versuchung der historischen Verdrängung aus eigener Erfahrung, und sie gehörten auch deshalb zu den ersten, die Peru den Bau einer nationalen Gedenkstätte für die Bürgerkriegsopfer empfahlen. Gauck wird während seines Besuchs außer klassischen Entwicklungsprojekten auch Gedenkprojekte zur Erinnerung an die Opfer besuchen.

Noch ist es zu früh für eine Prognose, was vom derzeit lahmenden Rohstoffboom in Peru bleiben wird – und ob neben neuen protzigen Einkaufszentren in der Hauptstadt Lima und einer neuen Clique von Superreichen auch tragfähige Strukturen für eine rohstoffunabhängige Entwicklung gelegt wurden. Der Künstler Markus Ronjam hat das Werbelogo Perus umgedeutet und zeigt seinen Landsleuten, was sie nicht gern sehen: Aus der Spirale, die sich um den ersten Buchstaben des Landes ringelt, wird bei ihm eine spiralförmige Bodengrube – eine der vielen Tagebauminen, die heute schon die Anden verschandeln.

Von Hildegard Willer (KNA)

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Erzbischof Burger in Peru

Auf seiner Peru-Reise wird Bundespräsident Gauck u. a. begleitet vom Freiburger Erzbischof Stephan Burger. Seit fast 30 Jahren pflegt sein Erzbistum eine intensive Partnerschaft zur katholischen Kirche in Peru. Mehr Informationen zur Partnerschaft erhalten Sie unter

www.partnerschaft-freiburg-peru.de