Weihbischof kritisiert Zustände in Saudi-Arabien aufs Schärfste

  • Münster - 09.03.2015

Scharfe Kritik an Saudi-Arabien äußert der Münsteraner katholische Weihbischof Stefan Zekorn. In dem Land herrschten „Zustände, die man im Hinblick auf Totalitarismus nur mit Nordkorea vergleichen kann“, schrieb Zekorn am Sonntag auf seiner Facebook-Seite. Auf keinen Fall dürfe man das Land als Stabilitätsanker im Nahen und Mittleren Osten ansehen, wie es so oft von Politikern zu hören sei, warnte der Bischof: „Stabilitätsanker? Ich glaube, ich höre nicht richtig. Saudi-Arabien ist ein Hauptverursacher der Instabilität in der Region und auch in weiten Teilen Afrikas!“

Unter anderem werde aus Saudi-Arabien die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) zu großen Teilen finanziert. Zudem, so Zekorn, hätten ihm Bischöfe aus afrikanischen Ländern berichtet, Riad nutze seinen immensen Reichtum, um in Ländern Afrikas einen radikalen Islam zu stärken.

Darüber hinaus kritisierte Zekorn, dass Saudi-Arabien das Islamrecht, die Scharia, „aufs Schärfste“ anwende „mit beinahe alltäglichen öffentlichen Hinrichtungen und Auspeitschungen“. Frauen seien „unglaublichen Restriktionen“ unterworfen. So sei ihnen etwa das Autofahren komplett verboten, und sie dürften in der Öffentlichkeit nicht den geringsten Kontakt mit Männern haben, die nicht zu ihrer Familie gehören.

Zekorn beklagt religiöse Intoleranz

Es herrsche „eine religiöse Intoleranz, wie es sie in der Geschichte so gut wie nie in irgendeinem Land gegeben hat“, so der Bischof weiter. Für die mehr als eine Million Christen im Land sei es gefährlich, sich in einer Privatwohnung auch nur zum Bibelteilen zu treffen, und unmöglich, einen Gottesdienst im kleinsten Kreis zu feiern. Jede Form öffentlicher Religionsausübung außerhalb des wahabitischen Islam sei streng verboten.

Zekorn nannte es „gefährlich, ein solches Land für einen Stabilitätsanker zu halten und sich wirtschaftlich daran zu binden“. Der Weihbischof ist Weltkirche-Beauftragter im Bistum Münster und gehört auch der Weltkirche-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz an. Anlass für seine Äußerungen war die aktuelle Reise von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) mit einer großen Wirtschaftsdelegation nach Saudi-Arabien.

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