Ausbeutung der Schöpfung

  • Osnabrück - 23.02.2015

Mit einem festlichen Gottesdienst ist am Sonntag im Osnabrücker Dom die 57. Fastenaktion von Misereor eröffnet worden. Sie steht in diesem Jahr unter dem Leitwort „Neu denken! Veränderung wagen“ und widmet sich thematisch den weltweiten Folgen des Klimawandels. Bei zahlreichen Veranstaltungen in ganz Deutschland will das Werk für Entwicklungszusammenarbeit am Beispiel von Fischerfamilien auf den Philippinen verdeutlichen, welche Auswirkungen die globale Erwärmung für Menschen in Ländern mit großer Armut hat.

Bis zum Ostersonntag sammelt Misereor in den bundesweit mehr als 10.000 katholischen Pfarrgemeinden Spenden für seine Projektarbeit auf den Philippinen, in Afrika, Asien und Lateinamerika. Am 5. Sonntag der Fastenzeit, dem 22. März 2015, werden die Gläubigen in allen katholischen Gottesdiensten über die Arbeit von Misereor informiert und um Unterstützung gebeten.

Staatssekretär Friedrich Kitschelt (l.) bekommt symbolisch ein Ruder übergeben, das die Notwendigkeit des Umsteuerns unterstreichen soll. Misereor

In seiner Predigt mahnte der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode mit Blick auf die weltweiten Klimaveränderungen zum Umdenken: „Für viele Bewohner dieser Erde ist keine Zukunft und Perspektive in Sicht, wenn wir nicht schnellstens weltweit verantwortlicher handeln.“ Die Fastenaktion von Misereor richte den Blick auf die Nöte und Perspektivlosigkeiten von Millionen Menschen, die der Hilfe bedürfen. Angesichts dessen sei es an der Zeit, „ganz neu zu denken und Veränderungen zu wagen im Umgang mit der Schöpfung und der Lebenswelt für alle Menschen“. Im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels und die „himmelschreiende Ausbeutung der Schöpfung und des Menschen“ sei es notwendig, mit den Armen zu teilen. „Mehr aber noch benötigen wir ein globales Neudenken unseres Lebensstils, den wir uns auf Kosten unzähliger anderer leisten.“

Spiegel: „Gottes Schöpfung beschenkt uns täglich neu.“

Der Hauptgeschäftsführer von Misereor, Pirmin Spiegel, eröffnete im Gottesdienst die Fastenaktion 2015. Er betonte: „Gottes Schöpfung beschenkt uns täglich neu. Ihre reichen Gaben sind uns anvertraut. Jedoch sind unser Konsum und unsere Lebensweise nicht globalisierbar, ja sie gefährden das Leben auf unserer Erde.“

Bei einem Empfang anlässlich der Eröffnung der Fastenaktion sagte der Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Friedrich Kitschelt, das Misereor-Motto „Neu denken! Veränderung wagen“ sei auch für die Bundesregierung „Ansporn und Auftrag“. Der Großen Koalition sei klar, dass 2015 mit seinen großen Welt-Konferenzen wie dem Klimagipfel in Paris für das Überleben der Menschheit von hoher Bedeutung sei. Deshalb setze sich die Bundesregierung auch entschieden für die Bewahrung der Schöpfung ein und wolle die Politik „enkeltauglich“ machen.

Anschließend wurde Kitschelt von einem Vertreter des Bistums Osnabrück, einer Schülerin der Osnabrücker Ursulaschule und einer Vertreterin des Misereor-Partnernetzwerks auf den Philippinen symbolisch ein Ruder übergeben, das die Notwendigkeit des Umsteuerns unterstreichen soll. Auf dem Ruder wurden die politischen Forderungen von Misereor im Rahmen der Fastenaktion formuliert: Verlangt wird darin unter anderem ein schnellstmöglicher Ausstieg aus der Kohleverstromung, umfangreiche Maßnahmen zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes und die Finanzierung von Klimaschutz im Ausland in einer Weise, dass diese gezielt armen Menschen zugutekommen soll.

„Denken Sie bei Ihrer Politik auch an die Menschen auf den Philippinen und nicht nur an die Menschen in Ihrem Wahlkreis!“, gab Yolanda Esguerra, Nationale Koordinatorin des philippinischen Netzwerks von Misereor-Partnerorganisationen, dem Staatssekretär mit auf den Weg. Die Fastenaktion von Misereor erbrachte im vergangenen Jahr etwa 14,5 Millionen Euro, die für die Arbeit des Hilfswerks in mehr als 90 Ländern dringend benötigt werden.

© Misereor