Gegen den Strom

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  • Nürnberg - 13.02.2015

Sie war braun, kratzte ein wenig und war für etwa 2,50 D-Mark (1,25 Euro) zu haben: Die „Jute-statt-Plastik“-Tasche, die in den 1970er und 80er Jahren zum Symbol gegen die Wegwerf-Mentalität wurde. Während sie in Deutschland den ökologischen Wandel begleitete, konnten ihre Näherinnen in Bangladesch fortan ihre Familien ernähren und in eigene Unternehmungen wie Hühner- oder Fischzuchten investieren. Wer die Idee dazu hatte? Die GEPA, die nun ihren 40. Geburtstag feiert.

Die vier Buchstaben stehen für „Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt“. Im Auftrag ihrer kirchlichen Eigentümer, darunter die Entwicklungshilfswerke Misereor und Brot für die Welt, handelt die Organisation mit Genossenschaften und sozial engagierten Privatbetrieben in Lateinamerika, Afrika, Asien und Europa - unter dem Motto „fair und nachhaltig“.

Zu den Meilensteinen der GEPA-Geschichte zählen der erste fair gehandelte Bio-Kaffee (1985) und zwei Jahre später der erste Bio-Tee aus Sri Lanka (1987). Auch vor politisch schwierigen Bedingungen schreckte die GEPA nicht zurück. So begann die Initiative Anfang der 1980er Jahre mit dem Import von fair gehandeltem Kaffee aus Nicaragua, obwohl in dem mittelamerikanischen Land auch nach der Revolution weiter heftige Kämpfe zwischen linken und rechten Gruppen stattfanden.

Sechs Euro verdienen die Arbeiter normalerweise am Tag – bei zwölf Stunden Arbeit ein Stundenlohn von 50 Cent. A. Welsing/GEPA

Das Sortiment wird immer größer

Das Sortiment ist längst über Heißgetränke hinausgewachsen: Es gibt Honig, Zucker, Reiswaffeln, Erdnusscreme und Weißwein. In den rund 800 ehrenamtlich geführten Weltläden finden sich auch Haushaltswaren wie Waschnüsse oder Klanghölzer. Von jeher hat sich die Organisation auf die Fahnen geschrieben, die Produzenten nachhaltig zu unterstützen, Verbraucher aufzuklären und zur Veränderung ungerechter Welthandelsstrukturen beizutragen. Man diskutiert mit Politikern über den Abbau von EU-Subventionen und Importzöllen, die vor allem Hersteller im Süden benachteiligen. Dieses Engagement brachte der GEPA 2014 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis ein.

Sind die vier Buchstaben heute fast jedem ein Begriff, hat doch alles recht klein angefangen: In zwei Wohnungen mit je 100 Quadratmetern in Wuppertal-Barmen. Im ersten Jahr machte die Organisation mit 40 Weltläden einen Umsatz von 1,33 Millionen Euro. Heute stapeln sich die Produkte in einem 8.500 Quadratmeter großen Hochregal-Lager. Das Verwaltungspersonal benötigt inzwischen 2.500 Quadratmeter. Im Geschäftsjahr 2013/14 wurden 63 Millionen Euro umgesetzt - das 47-fache der ersten Jahresbilanz.

Als Pionier in Sachen „Fair trade“ kann sich die Organisation auch nach 40 Jahren noch behaupten. „Wir sind die Eisbrecher. Auch durch uns konnten die Tanker in die richtige Richtung fahren. Wir sind gegen den Strom geschwommen, auch wenn es mühsam und unbequem war“, bilanziert der scheidende Geschäftsführer Thomas Speck. Doch die GEPA musste sich auch Kritik aussetzen, insbesondere als sie den Schritt über ihre Weltläden hinaus in die großen Lebensmittelketten wagte.

Von dem höheren Preis von Fairtrade-Artikeln, der eigentlich den bedürftigen Kleinbauern zugutekommen solle, kassierten die Handelsriesen den Großteil selbst, lautete ein Vorwurf des französischen Filmemachers Donatien Lemaitre in einer 2014 bei ARTE ausgestrahlten Dokumentation.

GEPA kann auf Endverbraucherpreise keinen Einfluss nehmen

Von der GEPA hieß es damals, dass Supermärkte als zusätzlicher Absatzkanal für die Handelspartner „unverzichtbar“ geworden seien, gerade in Zeiten niedriger Weltmarktpreise. Je mehr profitorientierte Großkonzerne in den fairen Handel einstiegen, desto genauer müsse das Geschäftsgebaren der Einkäufer kontrolliert werden. Auf die Endverbraucherpreise und damit auf die Margen könne die GEPA jedoch aus kartellrechtlichen Gründen keinen Einfluss nehmen.

Wer in diesen Tagen auf der BioFach in Nürnberg unterwegs ist, der Weltleitmesse für Bio-Produkte, kann am GEPA-Stand neben vielerlei anderen Produkten auch Jute-Beutel erwerben - mittlerweile allerdings werden für die „Special Edition“ des 40 mal 40 Zentimeter großen Klassikers 4,95 Euro fällig.

Von Julia Grimminger (KNA)

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