Martyrium von Oscar Romero anerkannt

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  • Rom - 09.01.2015

Das Seligsprechungsverfahren für den ermordeten salvadorianischen Erzbischof Oscar Romero (1917–1980) hat eine entscheidende Hürde genommen. Wie die italienische Tageszeitung „Avvenire“ (Freitag) berichtet, erkannte der Theologenrat der vatikanischen Heiligsprechungskongregation am Donnerstag einstimmig das Martyrium Romeros an. Der Erzbischof sei aus „Hass auf den Glauben“ getötet worden.

Mit diesem Schritt fehle für eine Seligsprechung nur noch die offizielle Anerkennung durch die Kongregation und die Zustimmung von Papst Franziskus, so die Zeitung der Italienischen Bischofskonferenz.

Romero war am 24. März 1980 während eines Gottesdienstes in San Salvador von Unbekannten erschossen worden. Die Hintergründe sind bis heute nicht vollständig geklärt. Die Drahtzieher des Attentats werden jedoch in der Armee vermutet. Romero hatte durch seinen unermüdlichen Einsatz für die Rechte der Armen und Unterdrückten den Hass reaktionärer Kreise auf sich gezogen.

Neuer Anschub durch Papst Franziskus

Auf Diözesanebene wurde 1990 ein Seligsprechungsverfahren für Romero eröffnet; nach dessen Abschluss wurde es zunächst im Vatikan weitergeführt, geriet dann aber ins Hintertreffen. Kritiker vermuteten dahinter vatikanische Vorbehalte gegen die in Lateinamerika beheimatete sogenannte Theologie der Befreiung . Papst Franziskus gab dem Prozess kurz nach seiner Wahl im März 2013 einen neuen Anschub.

Seit August 2014 wird im Rahmen eines dreijährigen Gedenkens mit Blick auf den bevorstehenden 100. Geburtstag Romeros im August 2017 an sein Wirken als Erzbischof von San Salvador für die Benachteiligten erinnert.

Keine Hindernisse

Franziskus hatte zuletzt erklärt, der Seligsprechungsprozess Romeros sei jetzt auf einem „normalen Weg“. Einige Jahre sei das Verfahren von der Glaubenskongregation „aus Vorsicht blockiert“ gewesen. Inzwischen liege es wieder bei der Heiligsprechungskongregation und den Postulatoren. Es gebe keine Sperre oder Hindernisse. Er selbst wünsche sich aus diesem Prozess eine theologische Klärung, ob ein Martyrium jeweils sowohl aus dem Glaubensbekenntnis heraus als auch aus dem Auftrag Jesu zur Nächstenliebe begründet war, so der Papst. Denn außer Romero gebe es auf anderer Ebene noch viele andere Christen, die ihr Leben gelassen hätten.

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Seligsprechung

Bei einer Seligsprechung stellt die katholische Kirche durch Urteil des Papstes fest, dass eine verstorbene Person vorbildlich aus dem Glauben gelebt hat und Christus in besonderer Weise nachgefolgt ist. Daraus ergibt sich die offizielle Empfehlung, diese Person als Vorbild und Fürsprecher bei Gott anzunehmen. Der Seligsprechung kann eine Heiligsprechung folgen. Erst dann darf die betreffende Person offiziell weltweit verehrt werden.

Der Seligsprechung geht ein kirchliches Untersuchungsverfahren voraus. Dazu muss das jeweilige Heimatbistum Informationen über Leben und Sterben der Person sammeln und ein Wunder oder den Märtyrertod sowie Tugendhaftigkeit und den „Ruf der Heiligkeit“ nachweisen. Nach Abschluss des Verfahrens werden die Akten der vatikanischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse zugeleitet. Sie prüft die Echtheit der Dokumente und Zeugenaussagen und holt gegebenenfalls Gutachten über Wunder ein.

Quelle: KNA

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Theologie der Befreiung

Befreiungstheologie heißt eine Denkströmung aus Lateinamerika. Im Mittelpunkt steht die sogenannte Option für die Armen. Zu den bekanntesten Vertretern zählen die Brüder Leonardo und Clodovis Boff aus Brasilien, der nicaraguanische Ex-Kulturminister Ernesto Cardenal, der 1980 ermordete salvadorianische Erzbischof Oscar Romero, der verstorbene brasilianische Bischof Dom Helder Camara und der Peruaner Gustavo Gutierrez (86). Dessen Buch „Teologia de la liberacion“ (1972) gab der Bewegung ihren Namen.

Die Befreiungstheologie reagierte auf die politische und soziale Situation Lateinamerikas in den 1960er und 70er Jahren. Angesichts der Massenarmut hatte 1968 der Lateinamerikanische Bischofsrat CELAM die „Option für die Armen“ zum Handlungsmaßstab erklärt. Es entstanden Tausende sozialpolitisch engagierte „Basisgemeinden“.

Der Vatikan ging hart gegen jene Anhänger der Befreiungstheologie vor, die von der kirchlichen Lehre abwichen. Er kritisierte vor allem, dass diese in ihrer Gesellschaftsanalyse auch marxistische Deutungsmuster gebrauchten. Zahlreiche Theologen und Priester wurden mit Lehr- und Schreibverboten belegt oder suspendiert.

Quelle: KNA

Dossier: Befreiungstheologie