Hass mit Liebe und Toleranz begegnen

  • Bonn - 07.01.2015

Mehr als 140 Menschen fielen Mitte Dezember einem Anschlag der radikalislamistischen Taliban auf eine Schule in Pakistan zum Opfer. Das Massaker löste international Erschütterung und Trauer aus. In einem Gastbeitrag verurteilt der Geschäftsführer der Don Bosco Mission in Bonn, Nelson Penedo, religiösen Hass und zeigt, dass Liebe und Toleranz die besseren Alternativen sind:

Der brutale Anschlag der pakistanischen Taliban auf eine Schule in Peschawar hat schockiert, empört und traurig gemacht. Keine Weltanschauung oder Überzeugung rechtfertigt das Töten von wehrlosen und unschuldigen Kindern. Der Schmerz und die Trauer um die Opfer und ihre Angehörigen sind groß. Forderungen nach konsequentem Handeln werden laut. Die Politik soll kurzen Prozess mit Tätern und Anhängern machen. Doch ist das der richtige Weg, Hass zu begegnen? Und wie können wir jungen Menschen andere Wege aufzeigen? Wege, die von Liebe und Toleranz geprägt sind.

Pakistan ist ein politisch, religiös und sozial gespaltenes Land. Gewalt gehört zum Alltag. Ein Großteil der Bevölkerung lebt in Armut. 70 Prozent der Bevölkerung sind Analphabeten. Viele Kinder müssen mitarbeiten, um die Familie zu unterstützen. Sie haben keine Chance, eine Schule zu besuchen und sich eine sichere Zukunft aufzubauen. Religiöse Konflikte und Gewaltübergriffe sind alltäglich. Das Zusammenleben ist von Misstrauen und Angst geprägt. Schlechteste Voraussetzungen für ein friedliches und tolerantes Miteinander.

Schüler der Don Bosco Einrichtung in Quetta Don Bosco Mission

Gemeinsames Lernen

In der Provinzhauptstadt Quetta in Nordpakistan ist ein erster Anfang getan worden. In einer Don Bosco Einrichtung lernen rund 900 Schülerinnen und Schüler zusammen. Christen, Hindus und Muslime besuchen die Don Bosco Schulen gemeinsam. Die Schulen sind offen für jeden – egal welche Hautfarbe oder Religion. Fast alle Kinder und Jugendliche kommen aus armen Familien. Auch viele Flüchtlingskinder aus Afghanistan sind dabei. Ihre Familien haben auf der Flucht vor den Taliban alles verloren. Die Jungen und Mädchen haben kaum Selbstbewusstsein, sie fühlen sich minderwertig. In der Schule erfahren sie erstmals Wertschätzung und Anerkennung – ungeachtet ihres sozialen und religiösen Status.

Die Schule verschafft den Kindern nicht nur Zugang zu Bildung. Sie zeigt Ihnen, dass man sehr wohl mit Menschen anderen Glaubens zusammenleben kann. Dass die Kulturen und Religionen eine Bereicherung sind. Dass es darum geht, gemeinsam etwas aufzubauen – trotz aller Widrigkeiten.

Schwere Anfänge

Die Anfangszeit war von Misstrauen und Anfeindungen gekennzeichnet. Don Bosco Mitarbeiter und Kinder wurden bedroht. Taliban griffen die lokalen Salesianerpater an. Es sollte Angst und Schrecken verbreitet werden und Hass geschürt werden, um das Miteinander zu zerstören.

Die Familien der Kinder waren besorgt und verunsichert. Doch mit der Zeit haben sie auch Vertrauen in die Einrichtung gewonnen. Sie haben verstanden, dass Bildung ein hohes Gut ist – für alle Kinder. Und sie haben verstanden, dass Hass ihre Kinder nicht weiter bringt, sondern Liebe, Toleranz und Vertrauen.

Eine Zukunft, die von Hass geprägt, ist keine Zukunft. Denn hassen ist wie ein bösartiges Geschwür und macht krank. Zeigen wir den jungen Menschen, dass Liebe und Toleranz die bessere Alternativen sind und glücklich machen. Junge Menschen sind die Hoffnung von morgen. Wir haben Verantwortung für sie. Und deshalb sollten wir zeigen, wie es funktioniert, Hass mit Liebe und Toleranz zu begegnen.

Von Nelson Penedo

© weltkirche.katholisch.de

Projekte der Salesianer in Pakistan

Im Jahr 1999 haben die Salesianer Don Boscos ihre Tätigkeit in Pakistan begonnen. In Lahore konnten sie ein Berufsbildungszentrum aufbauen, in dem Christen und Muslime zusammen unterrichtet werden. In Quetta gehen Hunderte von Flüchtlingskindern ins Don Bosco Learning Center.

Mehr über die Projekte der Salesianer Don Boscos erfahren Sie unter

www.donboscomission.de