Kirchenträume auf Kuba

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  • Bogota/Havanna - 05.01.2015

Papst Franziskus macht es möglich: Nach der vom argentinischen Kirchenoberhaupt vermittelten diplomatischen Annäherung zwischen den USA und Kuba erlebt nun auch die katholische Kirche auf der kommunistisch regierten Karibikinsel eine Art politischen Frühling. Langsam und diskret, so berichten lateinamerikanische Medien, erhalte die kubanische Kirche Besitztümer zurück, die in den Nachwehen der kubanischen Revolution von den Mitstreitern Fidel Castros konfisziert wurden.

Es waren brutale Zeiten für Katholiken: Verfolgung, Enteignung und Ausgrenzung im Namen der kubanischen Revolution ließen die Kirche lange in eine Art verbotenes Paralleluniversum abgleiten. Bis heute sind diese Menschenrechtsverletzungen nicht historisch aufgearbeitet.

Revolutionsführer Castro, im Gegensatz zu seinem Nachfolger und Bruder Raul ein Atheist, sah in der kubanischen Kirche lange Jahre einen politischen Feind. Viele Mitglieder der katholischen Kirche mussten in den ersten Jahren des damals noch „neuen Kubas“ das Land verlassen. Sie waren nicht mehr willkommen.

Der heutige Papst Franziskus schrieb vor über 16 Jahren ein Buch mit dem Titel „Dialog zwischen Papst Johannes Paul II. und Fidel Castro“. Darin äußerte sich Bergoglio kritisch über den Sozialismus, aber auch über das US-Embargo gegen die Castro-Diktatur. Auch die Verfolgung der katholischen Kirche durch die neuen Machthaber in Havanna in der ersten Etappe der kubanischen Revolution ließ der damalige Erzbischof von Buenos Aires nicht unerwähnt.

Rückgabe von 20 Gotteshäusern

Mittlerweile soll die kubanische Regierung rund 20 Gotteshäuser der katholischen Kirche zurückgegeben haben. Die Restituierung erfolgt meist geräuschlos und umfasst nicht nur die Kirchen, sondern auch die dazugehörigen Pfarrhäuser und Grundstücke. Der stellvertretende Generalsekretär der Kubanischen Bischofskonferenz, Jose Felix Perez, sagte der südamerikanischen Tageszeitung „El Mercurio“, dies sei „eine sehr positive Geste der Autoritäten“.

Neues Miteinander: Benedikt XVI. führte im März 2012 vertrauliche Gespräche mit den Castro-Brüdern. KNA

Die Rückgabe des Kircheneigentums schaffe ein Klima des Vertrauens, so Perez weiter. Und dieser Schritt hilft offenbar dabei, verloren gegangenes Terrain zurückzugewinnen. Dass trotz der atheistischen Schulerziehung, die Revolutionsführer Castro geradezu als einen Ersatzgott anpries, der katholische Glauben auf Kuba weit verbreitet ist, zeigte sich beim Besuch Benedikts XVI. im März 2012: Mehr als 200.000 Menschen pilgerten damals zum öffentlichen Gottesdienst.

Vermittlung durch Benedikt XVI.

Den Grundstein für das neue Miteinander zwischen Staat und Kirche in Kuba legte der deutsche Papst bei eben diesem Kuba-Besuch. Die vertraulichen Gespräche mit den beiden Castro-Brüdern zeigten Wirkung: Wenig später wurde der Karfreitag offizieller Feiertag. Mittlerweile gibt es wieder öffentliche Prozessionen, Ostergottesdienste schaffen es sogar ins linientreue Fernsehen.

Von alledem profitiert nun die Ortskirche, die bereits seit einigen Jahren erfolgreich mit der illegalen Opposition und den regierenden Kommunisten vermittelt. Auf diese Weise konnte sie auch die Freilassung der politischen Gefangenen des „schwarzen Frühlings“ von 2003 erreichen.

Hoffnung auf Besuch von Papst Franziskus

Zu Weihnachten ließ der Sprecher der Erzdiözese von Havanna, Orlando Marquez, mit einer Bemerkung aufhorchen. „Man weiß, dass Papst Franziskus nicht viel reist, aber ich schließe die Möglichkeit eines kurzen Aufenthaltes von ein paar Stunden während seiner Reise nach Lateinamerika nicht aus“, zitierte das Portal „Dario de Cuba“ die rechte Hand von Kardinal Jaime Ortega unter Berufung auf italienische Quellen.

Wenn sich der Prozess der Beziehungen zwischen Kuba und den USA weiter positiv entwickelte, sei es nicht außergewöhnlich, wenn der Papst diesen Prozess, den er in Gang gesetzt habe, mit seiner Präsenz bekräftigen wolle, so Marquez weiter. Ein gemeinsamer Auftritt von US-Präsident Barack Obama, Raul Castro und Papst Franziskus würde tatsächlich in die Geschichte eingehen. Träumen ist in der kubanischen Kirche wieder erlaubt.

Von Tobias Käufer (KNA)

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