„Durch Versöhnung heilen“

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  • Bamberg - 23.12.2014

Verfolgung und Bedrängnis von Christen gehen von Verantwortlichen und Angehörigen anderer Religionen, von politischen Führern, die sich von Christen in ihrer Politik beeinträchtigt fühlen, und von Kulturen und Gesellschaften, die das Christentum bei sich als Fremdkörper betrachten, aus. Diese Akteure haben und brauchen für ihre Taten Motivation und Impulse, deren Vermeidung ein wichtiger Beitrag gegen Verfolgung und Bedrängnis darstellt.

Solche Motivation und Impulse entstehen aus Halbwahrheiten, Falschmeldungen, Vorurteilen, negativen Beeinflussungen und Gruppenzwängen. Umfassende und objektive Kenntnis über die Christen, die Kirche und ihre Geschichte können sie verhindern. Dabei dürfen die negativen Seiten, z. B. Aufrufe zu Gewalt in der Bibel und Zwangsbekehrungen, die Kreuzzüge und Hexenverbrennungen in der Geschichte, Heucheleien von Christen und Amtsmissbrauch von Leitungspersönlichkeiten bis heute nicht ausgeschlossen werden. „Die Wahrheit befreit“ (vgl. Joh 8,32) gilt auch hier.

Ebenso sind tatsächliche oder vermeintlich schlechte Erfahrungen mit Christen Ursache für Verfolgung und Unterdrückung. Es können persönliche, aber auch kollektive Erfahrungen sein. Sie werden durch Versöhnung geheilt, die Reue und Wiedergutmachung voraussetzt; in jeder Gesellschaft muss eine Kultur der Versöhnung aufgebaut und gepflegt werden.

Erzbischof Ludwig Schick KNA

Jesus hat großen Wert auf die Wahrheit über alles und jedes gelegt; er hat die Verantwortung jedes Individuums eingefordert und die Gewissen geschärft; er hat die Menschen von Gruppenzwängen der eigenen Nation und Ethnie, von Ideologien und auch Religionen durch seine Botschaft vom einen und einzigen Gott, durch den alle Menschen Brüder und Schwestern sind, befreit; er hat gefordert, auf das Herz zu achten, aus dem böse Gedanken, Mord etc. kommen (vgl. Mt 15,19), die Zunge zu hüten, die Unheil anrichten kann (vgl. Mt 12,33–37), und das Gewissen zu prüfen, damit nicht das Unrecht Macht über uns gewinnt.

Bildung und Gewissensbildung, Befähigung zur Selbstkontrolle im Denken, Reden und Handeln, Erziehung zu Respekt, Toleranz und Dialogfähigkeit verhindern Motivation und Impulse für Verfolgung und Bedrängnis. Notabene: Das Gesagte gilt für alle Menschen und Gruppen, auch für die Christen und die Kirche, die immer auch mögliche Akteure von Verfolgung und Diskriminierung anderer sind. Evangelisation ist das beste Mittel gegen jede Verfolgung und Bedrängnis.

Von Dr. Ludwig Schick, Erzbischof von Bamberg und Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz

Quelle: DBK-Arbeitshilfe „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen – Irak“

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Arbeitshilfe

Dieser Beitrag ist in der Arbeitshilfe „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen – Irak“ erschienen. Auf der Webseite der DBK können Sie die Broschüre als PDF herunterladen oder bestellen.

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Gebetstag für verfolgte Christen am 26. Dezember

Die katholischen Bischöfe in Deutschland haben für den 26. Dezember zum Gebet mit verfolgten Christen in aller Welt aufgerufen. Die katholische Kirche begeht den 26. Dezember als Fest des heiligen Stephanus, der als erster christlicher Märtyrer gilt. Ein Plakat zum Gebetstag, Fürbitten und ein Gebetszettel können auf der DBK-Webseite heruntergeladen oder bestellt werden:

www.dbk-shop.de

Initiative „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit“

Der Gebetstag am 26. Dezember ist Teil der 2003 gegründeten Initiative „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit“. Diese wurde von der Deutschen Bischofskonferenz ins Leben gerufen, um auf die Notsituationen von Christen in unterschiedlichen Teilen der Welt aufmerksam zu machen. Die Initiative veröffentlicht jährlich eine Informationsbroschüre mit wechselnden Themen- oder Länderschwerpunkten zur Lage verfolgter oder diskriminierter Christen. In diesem Jahr im Fokus: Die Situation der Christen im Irak.

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