Über sieben Millionen Brasilianer hungern

  • Brasilia - 19.12.2014

7,2 Millionen Brasilianer leiden täglich Hunger. Das nationale Statistikamt IBGE zählte laut einer am Donnerstag veröffentlichten Studie 2,1 Millionen Haushalte, in denen die tägliche Versorgung mit Lebensmitteln nicht gewährleistet sei. Die Versorgungslage sei damit in 3,2 Prozent aller Haushalte kritisch; dies entspreche eine Halbierung gegenüber 2004. In den vergangenen zehn Jahren haben die Regierungen Brasiliens massiv in Sozialprogramme gegen Armut und Hunger investiert.

So sank die Zahl der hungernden Haushalte von damals 6,9 Prozent zunächst auf 5 Prozent im Jahr 2009 und seitdem auf 3,2 Prozent. In den ländlichen Regionen leiden laut den Angaben mit 5,5 Millionen Menschen doppelt so viele unter Hunger wie in den Städten (2,8 Millionen). Weitere 2,9 Millionen Familien sind laut dem Statistikamt von Hunger bedroht. In weiteren 14,8 Prozent aller Haushalte komme es vereinzelt zu einem Mangel an Lebensmitteln.

77,4 Prozent aller Familien gaben an, regelmäßig über eine ausreichende und gesicherte Versorgung zu verfügen. Dies bedeutet einen deutlichen Anstieg gegenüber 2009 (69,8 Prozent). Allerdings erfasst die Studie nicht alle Haushalte Brasiliens; 50 Millionen der 200 Millionen Brasilianer tauchen in der Statistik nicht auf. Dabei dürfte es sich etwa um in abgelegenen Regionen lebende Menschen handeln. Unter ihnen ist den Angaben zufolge eine erhöhte Armut zu vermuten.

Zunahme von Konsumgütern

Zugleich ergab die 2013 durchgeführte, aber erst jetzt veröffentlichte Erhebung, dass der Zugang der ärmsten Familien zu staatlichen Dienstleistungen wie Wasserversorgung, Anschluss an die Kanalisation sowie Müllabfuhr gegenüber 2009 zurückging. Trotzdem beobachtete das Statistikamt in solchen Haushalten eine Zunahme an Konsumgütern wie Computern und Fernsehgeräten. Das Statistikamt führt dieses Phänomen auf einen erleichterten Zugang zu Bankkrediten auch für arme Familien zurück.

Die im Januar 2003 angetretene Regierung der Arbeiterpartei PT startete landesweite Sozialprogramme wie „Bolsa Familia“ (Familienstipendium) und bekämpfte damit die Armut von Millionen Familien. Experten befürchten allerdings, dass die derzeit schwächelnde Wirtschaft künftig auch Kürzungen bei den Sozialprogrammen nötig machen könnte.

© KNA

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