Papst über Großstadtpastoral: „Gott spricht in den Armen zu uns“

  • Vatikanstadt - 28.11.2014

Christentum in den großen Städten braucht einen Wandel der Mentalität: Vom Warten zum Hingehen, vom Nehmen zum Geben. Das sagte Papst Franziskus am Donnerstag zu einer Gruppe von Teilnehmern an einem internationalen Kongress zur Großstadtpastoral.

„Ich möchte bei meiner eigenen persönlichen Erfahrung beginnen, als jemand, der Bischof der großen und multikulturellen Stadt Buenos Aires war“, begann der Papst seine Ansprache. Dreizehn Millionen Menschen hätten in seiner Kirchenprovinz gelebt, so der Papst.

„Wenn ich gemeinsam mit Ihnen nachdenke, dann möchte ich in diese ‚Bewegung‘ einsteigen, um neue Wege zu öffnen; ich möchte auch dabei helfen, mögliche Ängste abzubauen, denen wir auf die eine oder andere Weise unterworfen sind und die uns lähmen. In Evangelii Gaudium wollte ich bereits die Aufmerksamkeit auf die Stadtpastoral richten, ohne sie gegen die ländliche Pastoral auszuspielen. Dies hier ist eine gute Gelegenheit, um die Herausforderungen und möglichen Horizonte zu bedenken. Herausforderungen, das sind die Orte, zu denen Gott uns ruft; Horizonte, das sind die Aspekte, von denen ich meine, dass sie besondere Aufmerksamkeit benötigen.“

Vier Dimensionen der Großstadtpastoral

Vier Dimensionen hob der Papst in seiner Ansprache hervor, die erste davon sei möglicherweise die Schwierigste: Der Wandel in der pastoralen Mentalität. Diese sei immer noch von den Zeiten geprägt, in denen die Kirche der einzige Träger von Kultur und Ursprung des Wertesystems war. Diese Zeiten seien endgültig vorbei. Es brauche den Mut, nicht die einfache Straße des Relativismus zu gehen, sondern ohne Furcht zu verkünden: Keine Scham haben, Jesus Christus zu bezeugen.

Die zweite Dimension sei die Multikulturalität. Auch hier sei Mut gefragt: „Ich denke oft an die Kreativität und den Mut des Paulus bei seiner Predigt in Athen. Der Arme, das ist ganz schön schief gegangen, aber er hatte die Kreativität, sich vor die Götzen zu stellen, er ist in ihre Kultur hinein gegangen, er wollte diese Kultur verstehen, die so weit weg war von seiner eigenen jüdisch-christlichen.“

Drittens sprach er von dem Volksglauben: Gott lebe in der Stadt, man müsse Gott da suchen, wo er sich zeige. In der Religiosität der Menschen – unterschiedlich auf allen Kontinenten – müsse man den authentischen Glauben der Menschen entdecken.

„Dieses Angesicht der Stadt kann man nicht verstecken“

Die vierte Dimension: „Gott spricht zu uns wie zu allen Zeiten vor allem durch die Armen. Die großen Städte heute sind von vielen Migranten und Armen bevölkert, die vom Land kommen oder aus anderen Kulturen. Auch Rom ist voller Obdachloser. (…) Dieses Angesicht der Stadt kann man nicht verstecken: die Armen, die Ausgeschlossenen, die Weggeworfenen – heute können wir von weggeworfenen Menschen sprechen. Die Kirche darf ihren Schrei nicht überhören und mitspielen bei den ungerechten Systemen, welche sie unsichtbar machen wollen.“

Der Papst schloss einige Vorschläge an: den Wandel der Mentalität, vom Empfangen zum Hinausgehen, vom Warten auf die Menschen zum Aufbrechen zu ihnen. Das sei ein erster Schritt. Ein zweiter Vorschlag: die „Samariter“-Kirche. Kirche ziehe durch authentisches Zeugnis an, das konkrete Zeugnis sei das der Barmherzigkeit und der Zärtlichkeit und die Präsenz an den Rändern der Gesellschaft, so der Papst. In all dem sei vor allem die Voranstellung der Laien und die Einbindung der Armen in die Pastoral wichtig, schloss der Papst seine Ausführungen.

© Radio Vatikan