Entwicklungsminister Müller fordert Bewusstseinswandel

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  • Berlin - 24.11.2014

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat ein grundlegendes Umdenken zur Erhaltung der Lebensgrundlagen der Erde verlangt. Notwendig sei ein Bewusstsein für ökologische und soziale Belange sowie für die Nachhaltigkeit, sagte Müller am Montag in Berlin vor der Übergabe der „Zukunftscharta“ an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Die Erde „hat das Potenzial zehn Milliarden Menschen nachhaltig zu ernähren“, sagte Müller. Voraussetzung dafür sei aber ein anderer Umgang mit den Ressourcen.

Der Präsident der UN-Landwirtschaftsorganisation IFAD, Kanayo F. Nwanze, betonte: „Kein Teil der Welt darf vergessen werden. Wir leben auf einer Erde“. Als einen wesentlichen Grund für Hunger und Mangelernährung nannte er die vernachlässigte Entwicklung des ländlichen Raumes. Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) forderte eine „Dekade der Ernährung“. Auch er zeigte sich überzeugt, dass alle Menschen auf der Welt ernährt werden könnten. Es würden zwar genug Lebensmittel produziert. Sie würde aber immer noch nicht dorthin gelangen, wo sie auch benötigt würden.

Dialogprozess zur nachhaltigen Entwicklung

Die Zukunftscharta wurde von Müller initiiert und gibt Handlungsempfehlungen für eine nachhaltige globale Entwicklung. Viele Organisationen aus den Bereichen Entwicklung, Menschenrechte und Umwelt sowie Vertreter der Wissenschaft und Wirtschaft hatten sich in den vergangenen sechs Monaten mit ihren Ideen, Anregungen und Forderungen an der Erarbeitung beteiligt.

Bernd Bornhorst ist Abteilungsleiter für Entwicklungspolitik des Bischöflichen Hilfswerks Misereor und Venro-Vorsitzender. KNA

Der Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (Venro) begrüßte die Charta. Sie „beschreibt richtig die zentralen Herausforderungen der Zukunft. Der Wert der Zukunftscharta wird sich aber daran messen lassen müssen, ob die genannten Empfehlungen auch umgesetzt werden“, betonte Venro-Vorstand Bernd Bornhorst.

Organisationen fordern nationalen Umsetzungsplan

Zugleich kritisierte der Dachverband das Fehlen eines konkreten Aktionsplans in der Zukunftscharta . „Der Beteiligungsprozess ist durchaus gelungen. Ich hätte mir aber im Ergebnis konkretere Aussagen zur Umsetzung der Ziele gewünscht“, so Bornhorst. „Wir brauchen jetzt einen Umsetzungsplan mit einem festen Zeitrahmen sowie eindeutigen Zuständigkeiten.“

Darüber hinaus bemängelte Venro, dass über die Ursachen zentraler globaler Probleme wie Armut und Umweltzerstörung kaum Aussagen gemacht würden. Strukturelle Faktoren, die weltweit zu Ungleichheit führen, wie das auf Wachstum ausgerichtete westliche Wirtschaftsmodell und das internationale Handels- und Finanzsystem, fänden keine Erwähnung.

Auch die Hilfsorganisation Oxfam kritisierte das Fehlen von konkreten Zielen im Dokument des Entwicklungsministeriums. „Damit aus den schönen Worten konkrete Taten werden braucht es einen Aktionsplan. Andernfalls wird die Charta eine Absichtserklärung bleiben“, warnte das Hilfswerk am Wochenende. Offen sei auch, ob die Charta ein verbindliches Leitdokument für die gesamte Bundesregierung werde. Dies sei deswegen wichtig, weil viele entwicklungspolitisch relevante Weichenstellungen in anderen Ministerien erfolgten. (lek mit KNA)

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Stellungnahme von Venro zur Zukunftscharta

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