Bonifatiuswerk startet Diaspora-Aktion

  • Dresden - 10.11.2014

Das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken hat seine bundesweite Diaspora-Aktion am Sonntag in Dresden eröffnet. Damit unterstützt es vor allem Katholiken, die im Norden und Osten Deutschlands und Europas als Minderheit leben.

Der Bischof von Dresden-Meißen, Heiner Koch, dankte dem Bonifatiuswerk und seinen Förderern „für die große Hilfe in vielen Jahrzehnten“. Für Christen in der Minderheit sei nicht nur die materielle Unterstützung wichtig, sondern auch die Erfahrung, dass andere ihren Glauben mittragen.

Am 25. Jahrestag des Mauerfalls erinnerte der Generalsekretär des Bonifatiuswerks, Georg Austen, an dessen Beitrag zur Verbindung zwischen Ost und West in Europa. Schon vor dem Fall des Eisernen Vorhangs sei es „eine wichtige Klammer und Brücke“ gewesen.

Keiner soll alleine glauben

In seiner Predigt hob Koch das diesjährige Motto der Diaspora-Aktion hervor: „Keiner soll alleine glauben“. Christen bräuchten einander, in seinem Bistum etwa sei dies in besonderem Maße in den weiten Landstrichen außerhalb der großen Städte der Fall. In Sachsen gehörten 80 Prozent der Einwohner keiner Kirche an und wüssten auch kaum etwas von der christlichen Botschaft, so der Bischof. Wer in einem solchen Umfeld Christ werden wolle, wende sich damit gegen starke gesellschaftliche Trends, „manchmal auch die eigene Familie“.

Kinder im Boni-Bus Kunz/Bonifatiuswerk

Auch in ihrer Haltung etwa zur assistierten Selbsttötung und der Gestaltung des Sonntags lägen Christen oft „quer zur Gesellschaft“. Koch rief auch zum Gebet auf um „gute Beratungen und gute Entscheidungen“ für die neue Sächsische Landesregierung sowie die derzeit in Dresden tagende Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Sachsens Ministerpräsident: Kirche öffnet Räume

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich zollte dem Bonifatiuswerk hohes Lob. „Sie haben dazu beigetragen, den Glauben am Leben zu halten“, sagte er beim Festakt in Dresden. Die Großzügigkeit des Hilfswerks hätten auch die Katholiken in Ostdeutschland während der deutschen Teilung erfahren, sagte der Politiker, der selbst der katholischen Kirche angehört.

Tillich räumte ein, dass „Religion im Osten kaum eine Rolle zu spielen scheint“. Dennoch seien die Kirchen präsent, etwa „als Orte, in denen die friedliche Revolution vor 25 Jahren ihren Ausgang nahm“, oder mit der lebendigen Tradition der Kirchenmusik. Dies zeige, dass die Kirche Räume öffne.

Der Osloer Bischof Bernt Eidsvig dankte dem Bonifatiuswerk im Namen der Nordischen Bischofskonferenz. Er betonte, die katholische Kirche in Skandinavien sei zwar eine kleine Minderheit, wachse teilweise aber „dramatisch“. Deshalb brauche sie mehr Gotteshäuser. So entstehe mit Hilfe des Bonifatiuswerks im norwegischen Trondheim die einzige Kathedrale, die in Europa derzeit im Bau sei. Zugleich seien die Katholiken in dem reichen Land ein arme „Einwandererkirche“ und auf Hilfe von außen angewiesen. Nur jedes siebte Mitglied sei in Norwegen geboren.

Der frühere Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhof sprach in seiner Festrede über die Voraussetzungen der Freiheit. Dabei sei es die „große Aufgabe“ des Bonifatiuswerks, zusammen mit anderen die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Menschen ihr Recht auf Religionsfreiheit auch in Anspruch nehmen können.

Diaspora-Sonntag am 16. November

Am kommenden Sonntag, dem 16. November, ist der sogenannte Diaspora-Sonntag . Dann wird in allen katholischen Gottesdiensten Deutschlands für das Bonifatiuswerk gesammelt. Dieses gibt die Spenden als „Hilfe zur Selbsthilfe“ weiter. Gefördert werden Projekte der Kinder- und Jugendseelsorge, der Bau und die Renovierung von Kirchen und Gemeindezentren, Kindergärten und Schulen sowie die Anschaffung von Fahrzeugen. So bringen bundesweit 600 „BONI-Busse“ verstreut lebende Christen zu Gottesdiensten und anderen kirchlichen Veranstaltungen zusammen, wie der Präsident des Bonifatiuswerks, Heinz Paus, erklärte. Die Fahrzeuge stehen in diesem Jahr im Mittelpunkt der Diaspora-Aktion.

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