UN-Klimabericht vorgestellt

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  • Kopenhagen/Berlin - 03.11.2014

Der globale Klimawandel schreitet weiter voran. So seien die vergangenen drei Jahrzehnte auf der nördlichen Erdhalbkugel die mutmaßlich wärmsten seit 1.400 Jahren gewesen, heißt es in einem am Sonntag in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen vorgestellten Bericht des Weltklimarates IPCC . Der Einfluss des Menschen stehe dabei außer Frage und nehme weiter zu. Zugleich warnen die Autoren davor, dass bei gleichbleibendem CO2-Ausstoß das Ziel zu scheitern droht, den globalen Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen.

Die Hilfsorganisationen Germanwatch und Brot für die Welt werteten den Bericht als dringenden Aufruf zum Handeln für Deutschland und die EU. „Der IPCC zeigt deutlich auf, dass wir weltweit bis Mitte des Jahrhunderts einen Ausstieg aus der Kohleverstromung brauchen, wenn das Zwei-Grad-Limit eingehalten werden soll“, sagte Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch. „Die Bundesregierung muss nun die richtigen Schlüsse daraus ziehen: Wir brauchen jetzt den Einstieg in den Kohleausstieg, wenn wir unsere Klimaziele für 2020 noch schaffen wollen.“

An Zwei-Grad-Ziel festhalten

Sabine Minninger, Klimaexpertin bei Brot für die Welt , ergänzte: „Der IPCC hat konkret beziffert, wie klein das CO2-Budget ist, das die Menschheit noch aufbrauchen darf, um unter zwei Grad Erwärmung zu bleiben.“ Wenn die EU das Zwei-Grad-Limit noch ernst nehme, müsse sie vor dem Weltklimaabkommen in Paris im nächsten Jahr ihre Ziele für 2030 deutlich nach oben korrigieren.

Der IPCC-Bericht hält zum wiederholten Male fest, dass eine Erwärmung über zwei Grad massive Gefahren für große Teile der Menschheit bedeuten würde. Die Modelle der Wissenschaftler zeigen, dass es Grenzen der Anpassung gibt. Bei einer angenommenen Erhöhung der Temperatur um vier Grad, auf die die Welt laut IPCC bis zum Jahr 2100 zusteuert, wären Gefahren für die Welternährung in verschiedenen Weltregionen kaum noch zu bewältigen. „Da sprechen wir dann nicht mehr von 805 Millionen Hungernden, sondern von Milliarden“, so Minninger.

Die Hilfsorganisation CARE nannte den Klimawandel „eine extreme Ungerechtigkeit für die Ärmsten der Welt“. Die reichen Länder hätten „eine moralische Verpflichtung, etwas zu unternehmen“. Das in Bonn ansässige UN-Klimaschutzsekretariat (UNFCCC) betonte, dass mit jedem neuen Weltklimabericht der vergangenen Jahre die Risiken des Klimawandels immer deutlicher geworden seien. So habe es 1990 noch geheißen, dass gemessene Temperaturerhöhungen noch natürlichen Klimaschwankungen entsprächen. In der jüngsten Bewertung von 2014 hingegen gingen die Wissenschaftler von einer 95-prozentigen Wahrscheinlichkeit aus, dass der Klimawandel von Menschen verursacht werde.

Umfrage: Deutsche wünschen sich ehrgeizigere Klimaziele

Auch ein Großteil der deutschen Bevölkerung plädiert für mehr Engagement im Klimaschutz, wie eine Umfrage von mehreren Umwelt- und Entwicklungsverbänden Mitte Oktober zeigte. Demnach fordern vier von fünf Deutschen (81 Prozent), dass sich Bundeskanzlerin Angela Merkel gegenüber den anderen EU-Mitgliedsstaaten für einen schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien und für verpflichtende Ziele zur Energieeinsparung einsetzt. (lek mit KNA)

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