Den Dialog aufrechterhalten

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  • Frankfurt - 27.10.2014

Es waren alle da. Neben wissenschaftlichen Vertretern katholischer Fakultäten aus ganz Deutschland kam am Freitag die Prominenz des Rhein-Main-Gebiets aus Wirtschaft und Politik an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen zusammen, um deren neue Stiftungsprofessur „Katholische Theologie im Angesicht des Islam“ zu feiern. Mit dabei waren auch der Apostolische Nuntius in Deutschland, Nikola Eterović, sowie der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer, und der Vorsitzende der Kommission Weltkirche, der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick.

Ein Name auf der Gästeliste stach jedoch besonders ins Auge: Der Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog , Kardinal Jean-Louis Tauran, nahm trotz körperlicher Gebrechen die Reise von Rom auf sich, um einen Festvortrag zu halten und die neue Bibliothek der Christlich-Islamischen Begegnungs- und Dokumentationsstelle der Deutschen Bischofskonferenz, kurz CIBEDO , gemeinsam mit dessen Vorsitzenden Timo Güzelmansur, einzuweihen.

Ein Zeichen der Hoffnung

Ein Festakt, der die Dimension dieser neuen Stiftungsprofessur in Zeiten des IS-Terrors und der Verfolgung von Christen in Nahost hervorhob. Deutlich formulierte es Kardinal Tauran, der lange Jahre als vatikanischer Diplomat in Syrien und dem Libanon wirkte, am Ende seiner Rede: „Es ist ein Zeichen der Hoffnung, den Dialog auch in Zeiten der Verfolgung aufrecht zu erhalten“.

„Es ist ein Zeichen der Hoffnung, den Dialog auch in Zeiten der Verfolgung aufrecht zu erhalten.“

— Kardinal Jean-Louis Tauran, Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog

Der Stiftungslehrstuhl will beide Dimensionen in den Blick nehmen: Die weltkirchliche, etwa bei Kooperationen mit Jesuitenmissionen in der Türkei und Afrika und mit der Ausbildung von Priestern und Ordensleuten aus dem außereuropäischen Ausland, aber auch die innenpolitische. Der neue Schwerpunkt soll den christlich-islamischen Dialog in Deutschland fördern und hat nicht zuletzt zum Ziel, katholische Theologen zu kompetenten Gesprächspartnern in einer zunehmend auch vom Islam geprägten Gesellschaft zu machen. „Wir können es uns nicht mehr leisten, unsere Augen vor dieser Realität zu verschließen“, sagte der Rektor der Hochschule, Pater Ansgar Wucherpfenning. Das schließe auch die Seelsorge für muslimische Mitbürger mit ein.

Tobias Specker SJ (Mitte) wird Inhaber der Stiftungsprofessur „Katholische Theologie im Angesicht des Islam“. Links im Bild: CIBEDO-Geschäftsführer Timo Güzelmansur; rechts: Ansgar Wucherpfennig SJ, Rektor der Hochschule Sankt Georgen. KNA

Aus akademischer Sicht ist der „islamische Andere“ in direkter Nachbarschaft der Hochschule zu finden, nämlich an der Goethe-Universität Frankfurt. Der Leiter des Instituts für Studien der Kultur und Religion des Islam, Bekim Agai, brachte bei dem Festakt seine Freude über den neuen „Gegenspieler“ zum Ausdruck.

Jesuit Specker wird Inhaber der Professur

Inhaber der Stiftungsprofessur wird der Jesuit Tobias Specker, der unter anderem Erfahrung als Islambeauftragter der Diözese Speyer hat. Er lehrt die Fächer Fundamentaltheologie und Dogmatik mit den Schwerpunkten Schöpfungstheologie und Religionskritik. Im Zentrum stehe dabei die Frage, wie man den christlichen Glauben aus dem Blickwinkel des Islam heraus verstehe, so Specker.

„Dann nämlich können wir Christen uns selber besser verstehen“, betonte Erzbischof Ludwig Schick in seiner Rede. Es sei wichtig, dass es in Deutschland nicht nur ein Nebeneinander der Religionen gebe, sondern, dass die religiöse Pluralität verstanden und gestaltet werde. Angesichts der politischen und kriegerischen Ereignisse in Afrika und dem Nahen Osten müsse der christlich-islamische Dialog fortgesetzt werden, „um unserer Zukunft willen“. Religionen, so Schick, sollten als Quellen des Friedens für die Gesellschaft betrachtet werden.

Ähnlich formulierte es Kardinal Tauran in seinem Vortrag. Religion sei nicht die Ursache von Konflikten, sondern könne zu ihrer Lösung beitragen. Demnach sei die Kirche zum Dialog „verurteilt“. Dabei berief er sich auf die Erklärung Nostra Aetate des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965). Darin mahne die katholische Kirche ihr Volk, dass es mit Klugheit und Liebe sowie durch Gespräch und Zusammenarbeit mit den Bekennern anderer Religionen auch deren sozial-kulturellen Werte anerkenne, wahre und fördere.

Von Claudia Zeisel

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