Mexiko: Zeugen vertrauen sich Priester an

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  • Mexiko-Stadt - 24.10.2014

Im Fall der 43 vermissten mexikanischen Studenten hat der bekannte katholische Geistliche und Menschenrechtsaktivist Alejandro Solalinde die Generalstaatsanwaltschaft über eigene Erkenntnisse informiert. Einen entsprechenden Medienbericht bestätigte Solalinde am Donnerstagabend (Ortszeit) via Twitter. Dem wegen seines Einsatzes für die Menschenrechte mehrfach ausgezeichneten Priester hatten sich Augenzeugen anvertraut und berichtet, die verschwundenen Studenten seien teilweise bei lebendigem Leib verbrannt worden. Alle 43 seien tot.

Zeugen trauen der Polizei nicht

Vor knapp einem Monat, am 26. September, waren die jungen Leute in der zentralmexikanischen Stadt Iguala nach Auseinandersetzungen mit der Polizei verschleppt worden. Der Bürgermeister Jose Luis Abarca soll den Sicherheitskräften befohlen haben, gegen die Protestierenden vorzugehen, weil sie eine öffentliche Rede seiner Frau hatten stören sollen. Die Lehramtsstudenten waren nach Iguala gekommen, um gegen die schlechte Bezahlung von Lehrern zu demonstrieren.

Laut Medienberichten hatten sich die Zeugen an den Priester gewandet, weil sie der Polizei nicht trauten. Zum Schutz der Augenzeugen habe Solalinde keine Namen genannt, aber die Schilderungen weitergegeben. Begleitet wurde er dabei von der Schriftstellerin und Journalistin Elena Poniatowska.

Der Fall der vermissten Studenten sorgt auch in Deutschland für Aufsehen. In dieser Woche hatte das evangelische Hilfswerk „Brot für die Welt“ eine schleppende Aufklärung der Vorfälle beklagt. Unabhängige Gerichtsmediziner würden bei ihrer Arbeit an bislang 16 entdeckten Massengräbern behindert. Das erschwere die Identifizierung der Toten. Die Angehörigen könnten keine Gewissheit bekommen, ob sich darunter auch die Leichname der mutmaßlich getöteten Studenten befänden.

Prälat Bernd Klaschka KNA

Adveniat fordert lückenlose Aufklärung

Schon Mitte Oktober hatte sich das katholische Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat mit einem Brief an die mexikanischen Behörden und Menschenrechtsorganisationen gewandt. Darin forderte Hauptgeschäftsführer Prälat Bernd Klaschka eine lückenlose Aufklärung der Verbrechen. Zudem mahnte er eine menschenwürdige Behandlung der Opfer und ihrer Familien und ihren physischen, psychologischen und wirtschaftlichen Schutz an.

Der Bürgermeister der Stadt Iguala, Jose Luis Abarca, dessen Ehefrau Maria de los Angeles Pineda sowie der Polizeichef der Stadt werden nach Medienberichten in Mexiko inzwischen per Haftbefehl gesucht. Das Trio befindet sich auf der Flucht.

An dem Tag, an dem die Studenten verschleppt worden waren, hatte die Polizei den Konvoi der Protestierenden gestoppt und das Feuer eröffnet. Dabei waren mehrere Menschen ums Leben gekommen. Die Staatsanwaltschaft wirft der Bürgermeister-Ehefrau de los Angeles Pineda vor, der Führungsetage der paramilitärischen Vereinigung „Guerreros Unidos“ anzugehören. Die Gruppe gestand unlängst, einen Teil der Studenten ermordet zu haben. Bei der schwer bewaffneten Bande handelt es sich um eine Gruppe von Auftragsmördern ehemaliger Drogenkartelle.

Mexikaner demonstrieren für Aufklärung des Falls

In Iguala und ganz Mexiko gehen seit Tagen immer mehr Menschen für eine Aufklärung des Falls auf die Straße. Mexikos Präsident Enrique Pena Nieto beauftragte inzwischen die Bundespolizei mit der Ermittlung. Die lokale Polizei ließ er Berichten zufolge entwaffnen. Der Fall beschäftigte auch das Europaparlament. Die Abgeordneten riefen die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten auf, Pena Nieto bei der Aufklärung zu helfen. (KNA/lek/gho)

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