Ebola als globales Problem

  • Bonn - 20.10.2014

Wenn wir nichts unternehmen, dann gefährdet der Ebola-Virus auch unser Land“. Dieser Satz hat mich sehr nachdenklich gemacht. In Westafrika sind viele Menschen schon an dem Virus gestorben. Immer mehr Kinder und Jugendliche, vor allem Straßenkinder, sind von dem Virus infiziert. Ganze Gemeinschaften in den betroffenen Gebieten sterben weg und niemand, auch die Helfer nicht, ist vor einer Infizierung geschützt. Ohne Schutzanzüge und Handschuhe müssen sie arbeiten und riskieren jede Minute selber angesteckt zu werden.

Und wir, die westliche Welt, reagieren erst, wenn wir selbst betroffen sind? Weil wir Angst haben, das Virus könnte auch zu uns gelangen. Ebola ist ein globales Problem. Es kann nur mit Hilfe unserer globalen Gemeinschaft gelöst werden. Vor allem aber geht es darum, Menschenleben zu retten, Leid zu lindern und Hoffnung zu schaffen. Dies ist ein Akt der Nächstenliebe, die sicher ein Grundsatz für uns alle ist. Oder gelten für die Nächstenliebe Grenzen? Gibt es keine globale Nächstenliebe?

„Und wir, die westliche Welt, reagieren erst, wenn wir selbst betroffen sind?“

Schon vor Monaten hat Salesianerbruder Lothar Wagner von Don Bosco Freetown, in der Hauptstadt von Sierra Leone, vor einer Ebola-Epidemie gewarnt. Doch weder die Regierung des westafrikanischen Landes noch die internationale Gemeinschaft hat diese Warnung ernst genommen. Erst jetzt laufen langsam die Hilfsmaßnahmen an. 1.000 Freiwillige haben sich in Deutschland für einen Einsatz in den Ebolagebieten gemeldet. Das ist sicher ein positives Signal.

Dr. Nelson Penedo ist Geschäftsführer der Don Bosco Mission in Bonn. Don Bosco Mission

Sie haben aber auch die Sicherheit, im Ansteckungsfall zurück nach Deutschland gebracht zu werden. Eine Chance, die Millionen betroffener Menschen in Guinea, Liberia und Sierra Leone verwehrt bleibt. Kein High-Tech Flugzeug und keine Mediziner stehen für sie bereit. Sie bleiben dem tödlichen Virus und einer katastrophalen medizinischen Versorgung ausgeliefert. Und wann werden die deutschen Helfer vor Ort sein? Sie müssen erst auf ihren Einsatz vorbereitet werden – und das kostet Zeit. Zeit, die wieder viele Menschenleben kosten wird.

Dem Virus ausgeliefert

Don Bosco Mission Bonn unterstützt seit vielen Jahren die Arbeit von Bruder Lothar in Freetown. Trotz der Ebola-Epidemie kümmert sich Lothar weiter um fast 2.000 Straßenkinder – Jungen und Mädchen, die sonst Tag und Nacht auf den Straßen der Hauptstadt leben müssten. In dem Don Bosco Zentrum können sie essen, schlafen und finden ein Stück Geborgenheit. Durch Ebola wird die Arbeit erschwert. Alle drei Stunden wird bei allen Kindern und Mitarbeitern Fieber gemessen, um zu prüfen, ob jemand infiziert ist. Lothar Wagner kann das von seiner Arbeit nicht abhalten: „Ich fühle mich berufen, dort zu helfen, wo die Not am größten ist. Und nach sechs Jahren bin ich hier verwurzelt. Deshalb werde ich in Freetown bleiben und mithelfen, die Epidemie zu bekämpfen“, so schlicht formuliert es der 40-jährige Trierer.

Nicht jeder kann und muss so denken und handeln. Aber es ist gut zu wissen, dass es solche Menschen gibt. Ich würde mir wünschen, dass Ebola die Menschen wach rüttelt; sie für die Probleme anderer Menschen sensibilisiert – auch wenn sie tausende von Kilometern entfernt sind. Ich würde mir wünschen, dass wir hier in Deutschland Ebola nicht nur als tödliche Gefahr für unser Land sehen, sondern als Gefahr für alle Menschen. Dann wären wir der globalen Nächstenliebe schon ein Stück näher gerückt.

Von Dr. Nelson Penedo, Geschäftsführer der Don Bosco Mission

Hinweis: Der Kommentar von Dr. Penedo ist erstmalig erschienen am 26. September 2014 in der Mittelbayrischen Zeitung .

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