Ein ehrgeiziges Ziel

  • Berlin - 16.10.2014

Zum Welternährungstag am heutigen Donnerstag haben Hilfsorganisationen eine Stärkung der Rechte von Kleinbauern in Entwicklungsländern gefordert. Mehr als die Hälfte aller weltweit Hungernden seien Kleinbauern, die größerer Unterstützung bedürften, erklärten die Entwicklungs- und Menschenrechtsorganisationen Oxfam, FIAN und INKOTA am Mittwoch in Berlin. Das Bundesentwicklungsministerium fördere hingegen unter dem Etikett der Hungerbekämpfung Agrar- und Chemiekonzerne.

Auch das Hilfswerk Brot für die Welt hatte zuvor gemeinsam mit FIAN kritisiert, dass internationale Agrarkonzerne oft die Rechte einheimischer Bauern missachteten. Ebenso prangerte die Menschenrechtsorganisation „FIAN“ zusammen mit Misereor sowie dem internationalen Dachverband der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten IUF die Lage von Arbeitern auf den Teeplantagen an. Diese stünden stellvertretend für die Menschen, die auf großen Pflanzungen in den Ländern des Südens Nahrungsmittel anbauten und ernteten, heißt es in einer Studie der drei Organisationen.

Aufgrund schlechter Bezahlung und miserabler Arbeitsbedingungen litten schätzungsweise weltweit 200 Millionen Landarbeiter an Hunger. Von der Entwicklungspolitik werde diese Gruppe bislang „komplett ignoriert“.

Weltkirche-Bischof Schick ruft zu mehr Spenden auf

Zugleich bemängelte der Bamberger katholische Erzbischof Ludwig Schick, dass dem Entwicklungsministerium im aktuellen Haushaltsjahr nur 6,4 Milliarden Euro, dem Bundesverteidigungsministerium hingegen knapp 33 Milliarden Euro zur Verfügung stünden.

Erzbischof Dr. Ludwig Schick KNA

Es mache ihn traurig, dass die Deutschen bei der Spendenbereitschaft weltweit nur auf Platz 27 kämen, bei den Rüstungsexporten aber auf Platz 3, so der Bischof weiter. „Selbst in Indonesien oder Paraguay wird mehr für wohltätige Zwecke gespendet als bei uns“, sagte der Erzbischof. Die Welt biete genug Nahrung, dass niemand hungern müsse, gab sich Schick überzeugt.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) bezeichnete die Versorgung der Menschen mit Nahrung als Grundvoraussetzung für jede gesellschaftliche Entwicklung. „Eine Welt ohne Hunger – das ist ein ehrgeiziges Ziel, aber gemeinsam können wir das schaffen“, erklärte Müller in Berlin.

Welternährungsprogramm: Budget für Hilfe muss verdoppelt werden

Das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen forderte ein flexibleres System der humanitären Hilfe. Da die Krisen auf der Welt zunähmen, müsse heute doppelt so viel Hilfe geleistet werden wie vor zehn Jahren, sagte der Leiter des WFP für Deutschland und Österreich, Ralf Südhoff, im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Durch die Vielzahl der Krisen reiche das begrenzte Budget für die Hilfe nicht mehr aus. Verstärkt würden die Herausforderungen dadurch, dass für die Opfer von Konflikten kaum private Spender zu gewinnen seien. Das WFP appellierte an die Bundesbürger, nicht für bestimmte Krisen oder bestimmte Personen zu spenden, sondern an eine vertrauenswürdige Organisation.

Auch der Botschafter des Weltkinderhilfswerks Unicef , Basketballspieler Dirk Nowitzki, rief zum Kampf gegen Mangelernährung bei Kindern auf. Weltweit hätten 165 Millionen Kinder unter fünf Jahren wenig oder schlechte Nahrung zu essen.

Der Bundesverband Deutsche Tafel forderte Produzenten wie Konsumenten zu einem bewussteren Umgang mit Lebensmitteln auf. In Deutschland würden pro Jahr über elf Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen, der Großteil in Privathaushalten. Die Heinrich-Böll-Stiftung gab in ihrem in Berlin veröffentlichten „Fleischatlas extra“ bekannt, dass jeder Deutsche im Jahresdurchschnitt allein 4,3 Kilogramm Fleisch wegwerfe. (lek mit KNA)

Ernährung für Kinder weltweit

Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ veröffentlicht Dossier

Begleitend zur Sternsingeraktion hat das Kindermissionswerk ein Dossier zum Thema „Ernährung“ veröffentlicht. Unter dem Titel „Ernährung für Kinder weltweit“ nehmen Mitarbeitende des Hilfswerks, Projektpartner sowie Experten aus dem In- und Ausland den Themenbereich aus unterschiedlichen Perspektiven in den Blick.

Das Dossier kann im Online-Shop des Kindermissionswerks kostenlos bestellt werden:

www.sternsinger.de/shop

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