Das Geschäft mit dem Sex bewegt Europa

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  • Brüssel - 13.10.2014

Bisher ist Europa ein Mosaik, was den gesetzlichen Umgang mit dem „ältesten Gewerbe der Welt“ angeht. Im Mittelpunkt stehen zwei gegenläufige Tendenzen. In Schweden und Finnland wird die Prostitution strafrechtlich verfolgt, in den Niederlanden und Deutschland dagegen ist sie weitestgehend legalisiert. Das deutsche Prostitutionsgesetz von 2002 wird allerdings für den sprunghaften Anstieg von Zwangsprostitution verantwortlich gemacht. Deshalb plant die große Koalition nun eine Reform.

Kritiker der Liberalisierung verweisen gerne auf Schweden. Das Land im Norden sieht Prostitution als soziales Problem. Seit Inkrafttreten des Gesetzes „Frauenfrieden“ 1998 ist käufliche Liebe verboten. Die Schweden sind der Ansicht, mit Prostitution würden die Persönlichkeitsrechte von Frauen gekränkt, zudem sei sie nicht mit den Prinzipien der Gleichberechtigung vereinbar.

Deshalb dürfen sexuelle Dienstleistungen zwar angeboten, aber nicht gekauft werden. Der Kunde macht sich strafbar. Das ist weltweit einmalig. Doch trotz Hunderter Anzeigen kam es nur in wenigen Fällen zu Geld- und Haftstrafen. Die Gesundheitsbehörde berichtete, kurz nach Inkrafttreten des Gesetzes sei die Straßenprostitution nahezu verschwunden. Mittlerweile sollen aber etwa zwei Drittel der Prostituierten wieder zurück sein.

Verbote nach schwedischem Vorbild angestrebt

Auch Frankreich wollte nach schwedischem Vorbild die Prostitution verbieten. Bis zum Zweiten Weltkrieg war das Land für seine Edel- und Massenbordelle berühmt. 1946 wurden diese verboten, die Prostitution blieb legal. Eine erneute Initiative nach schwedischem Muster lehnte der Senat im Juli mit der Begründung ab, versteckt arbeitende Huren würden stärker gefährdet.

Finnland wollte ebenfalls ein Verbot nach schwedischem Vorbild. Allerdings erhielt die Regierung 2006 dafür keine Mehrheit. Das nun gültige Gesetz verbietet Werbung für Prostitution. Freier machen sich lediglich strafbar, wenn sie über Zuhälter die Dienste von Prostituierten in Anspruch nehmen oder die Frauen Opfer von Menschenhandel sind. In Irland begehen sowohl Freier als auch Prostituierte eine Straftat. Doch es besteht eine lebendige Untergrundszene.

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Seit 1958 sind in Italien Bordelle verboten, ebenso wie das direkte Werben um Kunden sowie Sex in der Öffentlichkeit. Erlaubt dagegen ist Prostitution in der eigenen Wohnung. Vor allem illegale Migranten aus Afrika und Osteuropa prostituieren sich.

In Spanien dagegen ist der käufliche Sex nicht gesetzlich geregelt und wird toleriert. An der Straße, in sogenannten Clubs und speziellen Wohnungen wird Sex gegen Geld angeboten. Schätzungsweise gibt es 300.000 Prostituierte, darunter viele Einwanderinnen aus Lateinamerika, Afrika und Osteuropa. Zwangsprostitution wird strafrechtlich verfolgt.

In Polen gehört die Prostitution nicht zu den legalen Berufen, wird aber auch nicht strafrechtlich verfolgt. Sex-Arbeiterinnen zahlen keine Steuern und sind nicht sozialversichert. Zuhälterei ist verboten. Die Zahl der männlichen Prostituierten steigt an – ein Tabuthema.

Liberale Regelungen in den Niederlanden und Deutschland

In den liberalen Niederlanden ist die Prostitution legal. Eine Gesetzesänderung hob 2000 das Verbot von Bordellen und Zuhälterei auf. Prostitution ist offiziell als Gewerbe anerkannt. Rund 20 Prozent der Prostituierten werben für sich in der typischen raamprostitutie (Fensterprostitution). Das Rosse Buurt in Amsterdam gehört zu den bekanntesten Rotlichtvierteln der Welt.

Auch Deutschland gehört zu den liberalen Ländern im Umgang mit Prostitution. Sie wurde 2002 unter der rot-grünen Regierung legalisiert und gilt als Dienstleistung. Prostituierte sollen krankenversichert sein und in die Renten- und Arbeitslosenversicherung einzahlen können. Ihre Zahl ist stark gestiegen, Schätzungen gehen von 200.000 bis 800.000 aus.

Die große Koalition plant nun Reformen. Anlass dafür sind Vorwürfe, dass Menschenhandel und Zwangsprostitution massiv zugenommen hätten. CDU und SPD wollen gegen Männer, die wissentlich die Zwangslage von Opfern von Menschenhandel und Zwangsprostitution ausnutzen, strafrechtlich vorgehen.

Von Kerstin Bücker

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Solwodi: Änderungen im neuen Prostitutionsgesetz nicht ausreichend

Im September kritisierte die Frauenrechtsorganisation Solwodi das Vorgehen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) bei den Verhandlungen zu einem neuen Prostitutionsgesetz. Die Organisation beklagte, dass all jene Experten, die eine prostitutionskritische Haltung einnähmen, in der Vorbereitungsphase des Gesetzes nicht gehört wurden.

Mehr Informationen finden Sie auf der Webseite von Solwodi:

www.solwodi.de