Hilfe für Syrien und den Irak

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  • Bonn - 10.10.2014

Liebe Schwestern und Brüder, das Elend im Mittleren Osten hat eine neue Dimension erreicht.“ So beginnt der Aufruf der deutschen Bischöfe zu einer Sonderkollekte für Menschen, die in Syrien und im Irak von Milizen des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS) angegriffen werden. An diesem Wochenende wird in allen katholischen Gottesdiensten für die Betroffenen gesammelt. Katholisch.de beantwortet vorab wichtige Fragen zu der Kollekte.

Was ist eine Sonderkollekte?

Als Sonderkollekte bezeichnet man eine bundesweite Spendensammlung im Rahmen der Gottesdienste, die nicht im regulären Kollekten-Plan enthalten ist. Meistens wird eine Sonderkollekte im Fall von nationalen oder internationalen Katastrophen ausgerufen, etwa beim Oder-Hochwasser in Ostdeutschland oder beim Erdbeben in Haiti. Es gab aber auch schon eine Sonderkollekte für den Bau der neuen Propsteikirche in Leipzig .

Wann fand die letzte Sonderkollekte statt?

Zuletzt hatte die Bischofskonferenz im Jahr 2010 zweimal außer der Reihe zu Spenden aufgerufen, um den Opfern des Erdbebens in Haiti und der Überschwemmung in Pakistan zu helfen. „Es ist kein Instrument, das schnell eingesetzt wird, denn es soll sich nicht verbrauchen“, erklärt Ulrich Pöner, Leiter des Bereiches Weltkirche und Migration der Deutschen Bischofskonferenz. „Wenn man ständig Sonderkollekten abhalten würde, würde die Spendenbereitschaft sinken.“ Indem die Bischöfe nur selten zu diesen Kollekten aufrufen, verleihen sie ihnen ein besonderes Gewicht.

Wer schlägt eine Sonderkollekte vor?

Es gibt den Katholischen Arbeitskreis Not- und Katastrophenhilfe (KANK), dem neben der Deutschen Bischofskonferenz die katholischen Hilfswerke angehören sowie einige Bistümer, die verstärkt in diesem Bereich arbeiten. Bei regelmäßigen Treffen koordinieren sie gemeinsam die Arbeit der Katastrophenhilfe. Der KANK schlägt den Bischöfen im Bedarfsfall eine Sonderkollekte vor.

Wieviel kommt bei den Sammlungen zusammen?

Im Jahr 2010 wurden bei beiden Kollekten jeweils rund zehn Millionen Euro gesammelt. „Grundsätzlich ist die Spendenbereitschaft bei Naturkatastrophen größer als bei Kriegen“, so Pöner. Andererseits setzten die derzeitigen Bilder aus Syrien und dem Irak besonders viele Emotionen frei, so dass die Kollekte möglicherweise mehr Spenden einbringen könnte, als es sonst bei menschengemachten Katastrophen der Fall ist. Eine Prognose ist aber im Vorfeld kaum möglich. Vier Monate dauert es in der Regel, bis konkrete Zahlen veröffentlicht werden. Das Geld ist dann schon lange am Bestimmungsort.

Was passiert, nachdem das Geld im Klingelbeutel gelandet ist?

Der Ablauf folgt einem festen Reglement, das die Bischofskonferenz erarbeitet hat. Die einzelnen Pfarreien überweisen den gesammelten Betrag an ihr Bistum. Von dort wird das Geld über Caritas international an die anderen kirchlichen Hilfswerke weitergeleitet. Welchen Anteil die einzelnen Hilfswerke von der Spendensumme erhalten, entscheidet ein Verteilungsschlüssel. Einen Großteil erhält bei internationalen Katastrophen Caritas international, als Spezialwerk für Not- und Katastrophenhilfe, aber auch Misereor und Malteser International . Ob und in welchem Umfang darüber hinaus auch pastorale Hilfswerke Spenden erhalten, richtet sich nach der Art der Katastrophe. „Wenn etwa wie auf Haiti durch das Erdbeben die ganze kirchliche Infrastruktur zerstört ist, gibt es mehr Spenden für das pastorale Hilfswerk“, erklärt Pöner. Daneben spielen auch regionale Faktoren eine Rolle. Wenn für Osteuropa gesammelt wird, kommt das entsprechend ausgerichtete Hilfswerk Renovabis ins Spiel, ist Lateinamerika betroffen, erhält Adveniat Geld aus der Kollekte.

Nimmt die Bischofskonferenz Einfluss auf die Verwendung des Geldes?

Sobald das Geld bei den Hilfswerken eingegangen ist, entscheiden diese über die konkrete Verwendung und dokumentieren das mit genauen Abrechnungen für die Deutschen Bischofskonferenz. Bereits vor der Sonderkollekte berichten sie der Bischofskonferenz über ihre Arbeit vor Ort und ihre Pläne. „Die Organisationen arbeiten sehr professionell mit ihren Partnern zusammen und wissen am besten, wo die Not am größten ist“, so Ulrich Pöner.

Von Janina Mogendorf

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