„Noch furchtloser für Religionsfreiheit kämpfen“

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  • München - 09.10.2014

Seit Mai ist Monsignore Wolfgang Huber (51) als neuer Präsident des Internationalen Katholischen Missionswerks Missio München im Amt – Zeit für eine erste Zwischenbilanz. Im Interview erläutert Huber, warum Religionsfreiheit inzwischen für seine Organisation ein brennendes Thema ist.

Frage: Monsignore Huber, was ist Ihre wichtigste Mission derzeit?

Huber: Das ist der Oktober, der Monat der Weltmission . Jedes Jahr empfangen wir in dieser Zeit internationale Gäste in den bayerischen Diözesen. Sie erzählen von ihren Erfahrungen mit dem Evangelium in den Ländern, aus denen sie kommen. Das ist in diesem Jahr hauptsächlich Pakistan.

Frage: Wer ist Ihr prominentester Gast?

Huber: Erzbischof Sebastian Francis Shaw aus Lahore und Erzbischof Joseph Coutts aus Karachi. Coutts ist auch Vorsitzender der Pakistanischen Bischofskonferenz. Beide sind hohe Repräsentanten der katholischen Kirche ihrer Heimat. Dazu kommen Frauen, die sich für Bildung und Frauenrechte in Pakistan einsetzen: Schwester Mary Stella Fernando aus Karachi und Sabina Rifat aus Lahore.

Frage: Wer die Schlagzeilen der vergangenen Jahre zu Pakistan anschaut, gewinnt den Eindruck, dass es in dem asiatischen Land um Religionsfreiheit nicht gut bestellt ist. Inzwischen werden die Auseinandersetzungen dort von noch brutaleren Konflikten im Mittleren Osten und in Afrika überlagert. Wie steht es um die Religionsfreiheit?

Huber: Man kann dieses Menschenrecht nirgendwo wegdenken oder negieren. Mit diesem Gut hängt die Menschenwürde zusammen, die allen von Anfang an zukommt. Wir werden uns noch stärker damit auseinandersetzen und vielleicht noch furchtloser für Religionsfreiheit eintreten und kämpfen müssen.

"Wir dürfen die Hoffnung nie verlieren!"

Erzbischof Shaw über die Diskriminierung der Christen in Pakistan.

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Frage: Als Ihre Organisation vor 176 Jahren gegründet wurde, war man in der katholischen Kirche gegenteiliger Ansicht: Mission und Religionsfreiheit wurden betrachtet als etwas, das sich gegenseitig ausschließt.

Huber: Um in die Nachfolge Christi treten zu können, ist Freiheit notwendig. Das ist bereits in der Bibel grundgelegt, trotzdem hat sich diese Einsicht erst spät durchgesetzt. Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) hat die katholische Kirche einen Kurswechsel vorgenommen. Insofern können wir den Menschen heute das Evangelium als eine Chance zu mehr Lebensqualität anbieten. Hinter dieses gewandelte Missionsverständnis gibt es kein Zurück.

Frage: Wie hat sich die Arbeit Ihres Missionswerks verändert?

Huber: In der Vergangenheit waren Infrastrukturprojekte sehr wichtig. Inzwischen haben wir gelernt, nicht nur, vielleicht nicht einmal in erster Linie, in Steine zu investieren, sondern in Menschen. Bildung ist hier ein Schlüsselwort. Sie zählt zu dem wenigen, was einem Menschen nicht mehr genommen werden kann. Das fordert uns auch in der Kommunikation mit unseren Spendern heraus. Denn Bildungserfolg ist nicht so leicht anschaulich zu machen wie ein Brunnen, der in kurzer Zeit geplant und gebohrt ist.

Frage: Wohin geht Ihre nächste Reise?

Huber: Im November fliege ich nach Indien. Im Nordosten dieses großen Landes werde ich ein öko-spirituelles Projekt besuchen und dabei auch einige Bischöfe, Ordensobere und weitere Verantwortliche treffen. Für mich ist das wichtig, weil ich noch nie in Indien war. Die Kultur und Mentalität dort ist schon sehr anders als etwa in Afrika, Lateinamerika oder Ozeanien.

Das Interview führte Christoph Renzikowski.

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