Sant''Egidio Friedenstreffen: Dialog als Lösung für Terror

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  • Antwerpen - 10.09.2014

Mit einem Aufruf zum Dialog als Mittel gegen den religiös motivierten Terrorismus ist am Dienstagabend das internationale Friedenstreffen der katholischen Gemeinschaft Sant''Egidio in Antwerpen beendet worden. Der Dialog „ist Medizin für die Konflikte, er heilt Wunden, er macht Zukunft möglich“, heißt es in dem Appell, der von allen geistlichen Vertretern des Treffens unterschrieben wurde.

Das Töten im Namen Gottes sei hingegen blasphemisch. „Blind durch den Hass entfernt man sich auf diese Weise von der reinen Religion und zerstört genau die Religion, von der man behauptet, sie zu verteidigen“, hieß es. Religion biete die Möglichkeit, „der Suche nach Frieden als gemeinsamem Schicksal aller Völker ein Herz und eine Seele“ zu geben. Papst Franziskus hatte bereits in seiner Botschaft für das Friedenstreffen betont, dass der Dialog die Alternative zur kriegerischen Auseinandersetzung sei.

Plattform für Gespräche

Auch nach Ansicht des Antwerpener Bischofs Johan Bonny ist der Dialog mit Terroristen eine mögliche Lösung für Konflikte im Nahen Osten. Die Aufgabe aller Kirchen sei es, dafür gemeinsam eine stabile moralische Basis zu schaffen, sagte der gastgebende Bischof am Rande des Friedenstreffens. Die Auseinandersetzungen im Nahen Osten führten nach den beiden Weltkriegen zu einem „dritten weltweiten Konflikt“, so Bonny. „Wenn es keinen Frieden im Nahen Osten gibt, kann auch bei uns nicht Friede sein“.

Um den Druck auf die Terroristen auf internationaler Ebene zu erhöhen, rief der frühere pakistanische Minister für Minderheiten, Paul Bhatti, die religiösen Führer weltweit zu einer gemeinsamen Fatwa gegen die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) auf. Zudem müssten die Regierungen den religiösen Oberhäuptern eine Plattform für Gespräche bieten. Diese könnten dann gemeinsam Vorschläge gegen die weltweite, im Namen der Religion ausgeübte Gewalt erarbeiten, die von den Staats- und Regierungschefs umgesetzt werden könnten.

Armut als Grund für den Terrorismus im Irak

Der Großmufti von Kairo verteidigte den Islam, der sich als eine Religion des Dialogs klar gegen Extremismus und Terrorismus wende. Es gelte „diese die ganze Welt betreffende Gefahr auszurotten“, sagte Shawki Ibrahim Abdel-Karim Allam. Der schiitische Geistliche Seyyed Jawad Al-Khoei sieht Armut als Grund für Terrorismus und Gewalt im Irak. Die finanzielle Unterstützung der reichen Staaten solle deswegen stärker den benachteiligten Bevölkerungsschichten zugutekommen, forderte der Generalsekretär der Al-Khoei-Stiftung mit Sitz in London. Er forderte eine Reform des irakischen Schulsystems, das unter anderem zu wenig Wissen über andere Religionen vermittele.

Seit Sonntag hatten rund 300 prominente Teilnehmer aus Kirche, Politik und Gesellschaft an dem Treffen unter dem Titel „Frieden ist die Zukunft – Religionen und Kulturen im Dialog hundert Jahre nach dem Ersten Weltkrieg“ teilgenommen. Zu den mehr als 25 Einzelveranstaltungen kamen rund 7.000 Menschen, darunter 2.500 Jugendliche. Die internationalen Friedenstreffen werden von Sant''Egidio jedes Jahr in einer anderen Stadt ausgerichtet.

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Sant''Egidio

Die im Mai 1968 in Rom entstandene katholische Bewegung Sant''Egidio widmet sich der karitativen Arbeit, der Diplomatie in Bürgerkriegsgebieten sowie dem Dialog der Religionen. Sie hat nach eigenen Angaben rund 60.000 Mitglieder in 70 Ländern, davon 5.000 in Deutschland. Ihr Hauptsitz befindet sich im römischen Stadtteil Trastevere, ihr deutsches Zentrum seit 1983 Würzburg. Seit 1986 ist die ökumenisch stark engagierte Gemeinschaft von der katholischen Kirche als Laienvereinigung anerkannt. Finanziert wird ihre Arbeit durch Mitgliedsbeiträge, Spenden sowie durch öffentliche Zuschüsse. (KNA)

www.santegidio.org