Schlüsselerlebnisse und Wendepunkte

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  • Würzburg/Karachi - 09.09.2014

Ihr „Bambi“ hat sie in der Kategorie „Stille Heldin“ erhalten. Doch als Ruth Pfau, international bekannte Lepra-Ärztin und katholische Ordensfrau, 2012 den Medienpreis bei einer TV-Gala überreicht bekam, bezeichnete sie Moderator Johannes B. Kerner als „Superstar“. Solche Ehrungen sind ihre Sache nicht. Doch Pfau, die heute 85 Jahre alt wird, erhält zunehmend mehr davon. Denn die katholische Ordensfrau hat es in den vergangenen 55 Jahren geschafft, die Zahl der Lepra-Erkrankungen in der Islamischen Republik Pakistan drastisch zu verringern.

Seit 1960 lebt sie in der 13-Millionen-Metropole Karachi. 1963 gründete sie dort mit Unterstützung der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) das Marie-Adelaide-Lepra-Krankenhaus. Unter ihrer Leitung entstand ein flächendeckendes Behandlungsnetz in Pakistan. Mittlerweile übergibt sie ihre Arbeit schrittweise ihren Mitarbeitern.

Immer wieder neu anfangen

„Ich weiß nicht, wie oft wir wieder von vorne angefangen haben“, erinnerte sie sich im Mai, als sie die Ehrendoktorwürde der Katholischen Fakultät der Universität Freiburg erhielt. Es gab Rückschläge: Das große Erdbeben von 2005, das fast 100.000 Pakistanis in den Tod riss, zerstörte auch 30 der 170 Gesundheitsstationen, die Pfau in Pakistan betreibt. Labortechnik, Mikroskope und Pflegematerial mussten neu beschafft werden. Auch die Auseinandersetzungen mit den Taliban im Norden haben die medizinische Versorgung erschwert. 2013 wurden zwei Mitarbeiter bei einem Überfall getötet, und doch setzte sie die Arbeit fort. „Das ist keine Frage der Tapferkeit. Eine andere Möglichkeit besteht einfach nicht.“

Liebe kennt kein Warum

Seit über 50 Jahren engagiert sich die Ordensfrau und Ärztin Ruth Pfau für die Menschen in Pakistan.

Missio Aachen

„Ich bin überzeugt: Was Christentum ist, lässt sich nicht theoretisch erklären. Es geht nicht durch Worte. Nur über das eigene Tun“, sagte sie kürzlich im Interview. Geboren 1929 in Leipzig, kam Pfau nach Kriegsende nach Westdeutschland und studierte Medizin. Mit 22 ließ sie sich evangelisch taufen, trat aber wenig später zum Katholizismus über. Während ihrer Weiterbildung kam der nächste große Wendepunkt. „Das kann doch nicht alles sein: Geld verdienen – Auto kaufen – mehr Geld verdienen – anderes Auto kaufen“, dachte sie sich. 1957 trat sie in den Orden der „Töchter vom Herzen Mariä“ ein: Die Ordensschwestern wirken ohne Klausur und Tracht – mitten im Leben. 1960 begann Pfau als Ärztin in den Elendsquartieren von Karachi.

Dort hatte die Ordensfrau ein weiteres Schlüsselerlebnis: „Hassan kroch auf Händen und Füßen in den Bretterverschlag, auf allen Vieren, wie ein Hund“, erinnert sie sich. Er und die Mitpatienten hätten dies gleichgültig hingenommen. „Dieses Ja zur Entwürdigung hat mich fast betäubt.“ Bald zog ihre Lepra-Station aus dem Slum ins Zentrum von Karachi. Das weltweit angesehene „Marie Adelaide Leprosy Centre“ ist vor allem ihr Werk. Die Klinik wurde der Ausgangspunkt für ein dichtes Netz von Ambulanzen in ganz Pakistan. Mehrere Hundert Helfer tragen dazu bei, die Lepra, Augenkrankheiten und Tuberkulose bis ins kleinste Dorf zu bekämpfen. Mit großem Erfolg: „Ich habe im kühnsten Traum nicht gedacht, dass wir Lepra in Pakistan in den Griff kriegen“, zieht sie Bilanz.

Ganzheitliche Hilfe

Hinzu kamen all die Maßnahmen, die verhindern, dass die Hilfe ein Tropfen auf den heißen Stein bleibt: Gesundheitserziehung, Vorsorge, Eingliederung Geheilter. „Ich bin nicht hierher gekommen, um Bakterien abzutöten“, beschrieb Pfau ihr Engagement. „Ich werde diese Menschen erst aus meiner Patientenkartei streichen, wenn sie auch wieder so leben können wie jeder andere Mensch.“

„Ich werde diese Menschen erst aus meiner Patientenkartei streichen, wenn sie auch wieder so leben können wie jeder andere Mensch.“

— Ruth Pfau

Längst ist die Ordensfrau Trägerin höchster deutscher und pakistanischer Orden. Die Regierung Pakistans ernannte sie 1980 zur Beraterin für das Lepra- und Tuberkulose-Kontrollprogramm und gab ihr den Status einer Staatssekretärin.

Völlig wird sich die Lepra nicht besiegen lassen. Heute erkranken jährlich Hunderte Menschen neu. Zugleich müssen Hunderttausende weiter betreut werden, da das Lepra-Bakterium dauerhaft gesundheitlichen Schaden anrichtet. Für die langfristige und nachhaltige Absicherung ihrer Arbeit hat die DAHW 1996 die Ruth-Pfau-Stiftung gegründet.

Von Christoph Arens

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Missio-Aktion „Glaubenszeugen“

Ruth Pfau ist Glaubenszeugin.
Mehr Informationen finden Sie auf der Website von missio:

www.missio-hilft.de

Sonntag der Weltmission

Am 26. Oktober 2014 feiert Missio den Sonntag der Weltmission, die Solidaritätsaktion der Katholiken weltweit. Missio wird dabei insbesondere die schwierige Situation der Christen in Pakistan in den Blick nehmen. Knapp vier Wochen lang hat das katholische Hilfswerk im Oktober Projektpartner aus Pakistan zu Gast. Sie werden bei Veranstaltungen und in Vorträgen von der Situation der Christen in ihrer Heimat, von ihren Problemen und den großen Herausforderungen in dem islamischen Land berichten.

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