Argentiniens Kirche hilft bei Suche nach verschwundenen Kindern

  • Buenos Aires - 25.08.2014

Die Menschenrechtsorganisation „Großmütter der Plaza de Mayo“ hat für die Suche nach verschwundenen Kindern während der Militärdiktatur Dokumente aus den Archiven der katholischen Kirche erhalten. Die Tochter der Organisationsgründerin Estela de Carlotto, Claudia Carlotto, bestätigte das laut einem Bericht des Nachrichtenportals Diarioveloz.com (Sonntag Ortszeit). Die Personenstandsdokumente könnten Hinweise auf die Identität der Kinder geben. Während der Militärdiktatur in Argentinien (1976–1983) wurden regimekritischen Eltern systematisch Kinder weggenommen.

Am Freitag hatten die „Großmütter der Plaza de Mayo“ den Vermisstenfall „115“ aufklären können. Die Identität der in Europa lebenden Ana Libertad, deren Eltern während der Diktatur ermordet wurden, konnte zweifelsfrei geklärt werden. Ana Libertad war die Nichte der verstorbenen Mitbegründerin und ersten Vorsitzenden der Organisation Alicia „Licha“ De la Cuadra.

Vor zwei Wochen war unter großem Interesse der argentinischen Medien der Neffe der Bürgerrechtlerin de Carlotto wiedergefunden worden. In den Fall soll nach Erkenntnissen der Bürgerrechtsorganisation auch der bereits vor Jahren wegen seiner Beteiligung an Folterungen zu lebenslanger Haft verurteilte Polizeikaplan Christian von Wernich verwickelt sein.

Unterstützung aus dem Vatikan

Im Mai 2013 hatte auch Papst Franziskus de Carlotto bei einem Treffen im Vatikan seine Unterstützung zugesagt: „Zählt auf mich, ich stehe zu eurer Verfügung.“ Die Argentinische Bischofskonferenz kündigte daraufhin an, eine Studie in Auftrag zu geben, die bei der Suche nach den Kindern helfen solle.

Während der Militärdiktatur in Argentinien kamen laut Schätzungen mindestens 500 Kinder von Regimegegnern in Gefängnissen und Folterlagern zur Welt. Sie wurden systematisch von den Eltern getrennt und an Adoptiveltern übergeben. Die „Großmütter der Plaza de Mayo“ versuchen, diese Verbrechen aufzuklären. Estela de Carlotto erhielt 2003 den Menschenrechtspreis der Vereinten Nationen.

© KNA

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