Die Angst ist groß

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  • Serabu - 13.08.2014

Landesgrenzen sind gesperrt, Flüge werden gestrichen, bis heute gibt es über 1.000 Todesfälle. Tendenz steigend. Die Krankheit Ebola wütet schon seit Monaten in Westafrika. In der Hauptsache sind Liberia, Guinea und Sierra Leone betroffen. Die bisher schwerste Ebola-Epidemie der Geschichte war im März in Guinea ausgebrochen und hatte sich schnell in die Nachbarländer ausgebreitet.

Auch beim medizinischen Personal vor Ort ist die Angst groß. Erste Ärztinnen, Ärzte, Schwestern und Pfleger haben sich bereits bei ihren Patienten angesteckt. Eva-Maria Schwienhorst, Ärztin und Mitarbeiterin des Würzburger Hilfswerkes Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. (DAHW), war gemeinsam mit August Stich, Leiter der Tropenmedizin im Missionsärztlichen Institut Würzburg (Missio) und DAHW-Vorstandsmitglied, vor Ort. Eine Woche haben sie die Lage im Serabu Community Hospital in Sierra Leone untersucht und Trainings für die Mitarbeiter durchgeführt. Es ist eines der Krankenhäuser, in dem deutsche Mediziner der German Doctors arbeiten.

Gesundheitsversorgung in Gefahr

„Die Opfer von Ebola sind vielfältig“, beschreibt die Würzburgerin die momentane Lage. Die meisten Opfer der Epidemie werden schwangere Frauen und Kinder sein, die aber nicht an Ebola sterben, sondern am Zusammenbruch der Gesundheitsversorgung. Und das in einem Land mit einer der weltweit höchsten Mütter- und Kindersterblichkeitsraten.

Zum einen schließen viele Gesundheitseinrichtungen, weil ausländische Mediziner abgezogen werden und einheimisches Personal wegen Mangel an Schutzmaßnahmen bei der Arbeit mit Patienten Angst vor Infektion hat. Zum anderen fürchten sich die Menschen vor einer Ansteckung in den Krankenhäusern und suchen diese bei Geburtskomplikationen oder mit kranken Kindern nicht mehr auf. So schätzt man, dass die Zahl der zusätzlichen Todesfälle ein Vielfaches der direkt an Ebola Sterbenden beträgt, vor allem in der Regenzeit, wo viele Kinder Malaria nicht überleben.

Eva-Maria Schwienhorst trainiert die Krankenhausmitarbeiter in Tuberkulose-Infektionsschutz. KNA

Kulturelle Barrieren und Schamgefühl befördern die Epidemie

Besonders tragisch war kürzlich der Tod von Sheik Umar Khan. Der Virologe und Ebola-Experte aus Sierra Leone hatte sich in seinem Heimatland mit dem Virus infiziert und ist nun selbst an der Krankheit gestorben. Der US-Arzt Kent Brantly, der für eine christliche Hilfsorganisation arbeitet, lag schwer erkrankt auf der Intensivstation eines Krankenhauses in der liberianischen Hauptstadt Monrovia. Er wurde mittlerweile in die USA ausgeflogen. Seine Überlebenschancen gelten nach wie vor als gering.

Die Ansteckungsgefahr sei bei sterbenden und gerade verstorbenen Ebola-Patienten am größten, berichtet Schwienhorst. Viele Patienten stecken sich bei Beerdigungen an. Die Waschung der Verstorbenen übernehmen in der Regel Familienangehörige, die teilweise von weit entfernten Orten anreisen. Hinzu kommen die kulturellen Barrieren und das Schamgefühl. Denn wenn eine Person erkranke, würde sie aus Angst vor dem Tod und einer nicht im Familienkreis stattfindenden Beerdigung oft nicht öffentlich auf ihre Lage hinweisen und auch nicht ein Krankenhaus aufsuchen wollen.

Traditionelle Dorfführer und Heiler einbinden

In einem Dorf, erzählt die Ärztin, seien Mediziner in Schutzanzügen mit Steinen beworfen worden, da die Bewohner Angst hatten, sich bei ihnen mit dem Virus anzustecken. Um die Epidemie einzudämmen, ist die Aufklärung der Bevölkerung dringend erforderlich. Doch 70 Prozent der Einwohner sind Analphabeten, das heißt, sie sind auf mündliche Informationen angewiesen. „Viele der Erwachsenen und Entscheidungsträger gehören zu einer Generation, die aufgrund des langen Bürgerkrieges keine Schulbildung erhielt, zudem gab es noch nie ein gut funktionierendes Gesundheitssystem in Sierra Leone“, erklärt Schwienhorst. „Dass die lokale Bevölkerung kein Vertrauen in vermummte Gestalten hat, die ihre kranken Familienmitglieder aus den Hütten holen und oft genug nur in Leichensäcken zurückbringen und ihnen auch traditionelle Bestattungsriten verbieten, liegt auf der Hand. Deshalb ist es unabdingbar, traditionelle Dorfführer und Heiler in die Maßnahmen mit einzubinden.“

Die 33-jährige Würzburgerin steht weiterhin in Kontakt mit dem Krankenhaus in Serabu. Die Organisation German Doctors hält dort die medizinische Versorgung für die Bevölkerung aufrecht, während viele andere Krankenhäuser in Sierra Leone geschlossen sind. Zum Glück gibt es dort noch keine Ebola-Fälle. „Doch das kann sich jederzeit ändern“, betont die Mutter einer fünfjährigen Tochter.

Von Sabine Ludwig

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Interview

Der Salesianer-Missionar Bruder Lothar Wagner leitet das Don Bosco Zentrum Fambul in Freetown (Sierra Leone). Im Interview mit dem Kindermissionswerks „Die Sternsinger“ berichtet er von der Situation vor Ort:

Medbox - Ebola

Das Missionsärztliche Institut in Würzburg hat eine über das Internet zugängliche Literatursammlung zum Thema Ebola zusammengestellt. Humanitäre Helfer finden darin Materialien zum Umgang mit dem hoch gefährlichen Ebola-Virus. Die Website ist seit 2013 online. Sie ist über folgenden Link verfügbar:

www.medbox.org

Kurse für die „German Doctors“

Das Missionsärztliche Institut bietet auch Schulungen zum Umgang mit der Ebola-Epidemie an. Die Themen reichen von Desinfektion über Schutzkleidung, Krankheitsverdacht beim Personal bis hin zur Versorgung von Ebola-Patienten in Deutschland.

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite des Instituts:

medmissio.de