Blühende Kirche im Fernen Osten

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  • Vatikanstadt - 11.08.2014

13 Jahre lang war kein Papst mehr in Asien, sieht man vom Nahen Osten ab. Jetzt hat Papst Franziskus Südkorea als erstes Reiseziel auf dem Riesenkontinent gewählt. Von Mittwoch bis Montag besucht er, drei Monate nach seinem Besuch in Nahost, eine weitere Konfliktregion der Welt.

Unmittelbarer Anlass der dritten Auslandsreise von Franziskus ist der VI. Asiatische Jugendtag mit rund 6.000 Teilnehmern. In der Hauptstadt Seoul will Franziskus 124 Märtyrer seligsprechen und eine Messe für Frieden und Versöhnung feiern. Teilnehmer aus Nordkorea, wo nur noch Reste einer „Kirche des Schweigens“ leben, werden nicht erwartet. Vor wenigen Tagen traf eine Absage aus Pjöngjang ein.

Die Kirche in Südkorea – eine Erfolgsgeschichte

Bald nach seiner Wahl hatte Franziskus Asien als einen Schwerpunkt für sein Pontifikat bezeichnet. Dass er Südkorea als erstes Reiseziel wählte, hat mit dessen geografischer Lage an der Nahtstelle von China, Japan und Russland, aber auch mit der besonderen politischen Situation sowie mit der ungewöhnlichen Erfolgsgeschichte der Kirche Südkoreas zu tun.

Papst Franziskus vor dem Petersdom. KNA

Das Christentum hat im Land erst vor 230 Jahren Fuß gefasst – und zwar nicht durch ausländische Missionare, sondern durch Laien, die von China-Reisen christliche Schriften mitbrachten und sich in Peking taufen ließen. Als 1794 der erste ausländische Priester das Land betrat, fand er bereits 4.000 Gläubige vor. In ihrem ersten Jahrhundert erlebte die als staatsfeindlich angesehene Kirche blutige Verfolgungen mit rund 10.000 Märtyrern. Ab ihrer offiziellen Anerkennung 1882 und vor allem in den vergangenen 60 Jahren folgte ein beispielloser Boom.

Die katholische Kirche gilt in Südkorea gerade unter Intellektuellen als attraktiv. Durch ihre offene Kritik während der Militärregierungen zwischen 1961 und 1987 gewann sie hohes Ansehen und Vertrauen. Ungewöhnlich ist, dass kirchlicher Aufschwung und Wirtschaftswachstum des Hightech-Landes hier Hand in Hand gingen. Seit 1960 stieg die Zahl der Katholiken von 500.000 auf 5,4 Millionen. Mit einem Katholikenanteil von 10,7 Prozent steht Südkorea heute prozentual an dritter Stelle in Asien, nach den mehrheitlich katholischen Philippinen und Osttimor.

Abwechslungsreiches Programm

Das Papstprogramm der Korea-Reise ist weniger dicht als das der Heilig-Land-Reise. Aber bei dem feuchtheißen Klima und nach dem Jetlag dürfte es kaum weniger anstrengend sein. Nach einem elfeinhalbstündigen Nachtflug über 9.000 Kilometer stehen am Donnerstag politische und protokollarische Termine an: die offizielle Begrüßung durch Staatspräsidentin Park Geun-hye und eine Rede vor Politikern.

Bei zwei Anlässen trifft sich Franziskus mit den Teilnehmern des Asiatischen Jugendtages in der Diözese Daejeon – und spricht dabei erstmals auch Englisch. Am Freitag feiert er im Fußballstadion eine Messe. Am Tag danach spricht er 124 koreanische Märtyrer aus der Gründergeneration der koreanischen Kirche selig. Ihre Kinder aus der zweiten christlichen Generation waren bereits 1984 von Papst Johannes Paul II. bei seiner ersten Korea-Reise heiliggesprochen worden. Vor der Abreise kommt Franziskus mit Führern anderer Religionen zusammen und feiert eine Versöhnungsmesse in der Kathedrale von Seoul.

Das 77-jährige Kirchenoberhaupt besucht ausschließlich den Süden des geteilten Landes, dessen Kirche er stärken und angesichts beginnender Ermüdungserscheinungen ermutigen will. Allerdings wird er in seinen zehn Ansprachen auch die aktuelle Lage des geteilten Landes und das abgeschottete und politisch unberechenbare Nordkorea im Blick haben, wo Religion und Kirche unterdrückt werden und nur noch in rudimentären Resten existieren.

Der Papst wolle die Wirklichkeit des asiatischen Kontinents kennenlernen und zugleich seine in Nahost begonnene Friedensmission fortsetzen, sagte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. Franziskus wird sicher auf die von der südkoreanischen Kirche geförderten Annäherungs- und Aussöhnungsbemühungen eingehen. Von Korea mit seiner geografischen Brückenfunktion aus dürfte er die christliche Botschaft auch an die asiatischen Nachbarstaaten und ihre Kulturen richten – auch Japan und China.

Von Johannes Schidelko

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