Experten fordern mehr Engagement gegen Aids

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  • Melbourne/Frankfurt - 22.07.2014

Die französische Aids-Forscherin Francoise Barre-Sinoussi kritisiert einen fehlenden politischen Willen im Kampf gegen HIV/Aids . Derzeit würden etwa 14 Millionen HIV-Infizierte mit Medikamenten versorgt, sagte Barre-Sinoussi der „Frankfurter Rundschau“ (Montag). Das reiche bei weitem nicht aus; „mindestens 15 Millionen weitere müssten eine antiretrovirale Therapie bekommen“, so Barre-Sinoussi. Sie forderte die europäischen Staaten auf, mehr Mittel für die Aids-Forschung zur Verfügung zu stellen. Es sei bedauerlich, dass HIV nicht mehr auf der Agenda des EU-Förderprogrammes für Forschung und Innovation stehe.

Barre-Sinoussi sagte, die Forschung beschäftige sich derzeit intensiv mit der Herstellung eines Impfstoffes. „Ein Impfstoff gegen HIV nützt den 35 Millionen Menschen, die bereits infiziert sind, überhaupt nicht.“ Es sei wichtig, in zwei Richtungen zu forschen: Infizierte zu heilen und Infektionen zu verhindern. Barre-Sinoussi erhielt 2008 unter anderem für die Entdeckung des HI-Virus mit ihrem französischen Landsmann Luc Montagnier den Nobelpreis für Medizin.

Welt-Aids-Konferenz in Melbourne

Als Präsidentin der Internationalen Aids-Gesellschaft ist die Nobelpreisträgerin neben der australischen Infektiologin Sharon Lewin Gastgeberin der 20. Welt-Aids-Konferenz in Melbourne . Zu dem Treffen werden bis Freitag etwa 12.000 Teilnehmer erwartet. Unter dem Motto „Das Schritttempo erhöhen“ debattieren Ärzte, Wissenschaftler, weltliche und religiöse Aids-Hilfen sowie Vertreter von Pharmaunternehmen und Regierungen über die jüngsten Forschungsergebnisse und Entwicklungen um die Immunschwächekrankheit.

‚Eine große Herausforderung‘

Sr. Alison Munro über den Kampf der südafrikanischen Kirche gegen Aids

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Nach Meinung der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen verhindern zu hohe Preise weiterhin den Zugang zu bezahlbaren HIV-Medikamenten und Viruslast-Diagnostik. „Wir wissen heute genau, welche Instrumente wir brauchen, um die Viruslast bei Menschen, die mit HIV leben, unter die Nachweisgrenze zu drücken und dort zu halten“, sagte die medizinische Leiterin der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen, Jennifer Cohn, bei dem Weltkongress. Nur mit regelmäßigen Kontrollen könne eine Effektivität der Behandlung festgestellt werden. Vor allem in afrikanischen Ländern verhinderten die hohen Preise eine Versorgung der Infizierten. Cohn forderte die Geberländer auf, die benötigten Finanzmittel zur Verfügung zu stellen.

Pro Tag rund 6.000 Neuinfektionen

Der katholische Priester Stefan Hippler, Aids-Aktivist in Südafrika, ist skeptisch, dass in den nächsten Jahren allen Menschen universeller Zugang zur HIV-Prävention und Behandlung gewährt werden kann. Trotz sinkender Neuinfektionen gibt es „ungefähr 6.000 neue HIV-Infektionen jeden Tag, und jede zweite davon kommt aus Südafrika“, sagte Hippler im Interview des Kölner Domradios . In Südafrika, Nigeria, Indien und Kenia müsse man sich nun besonders anstrengen, um bis 2030 eine medizinische Versorgung für alle Infizierten gewährleisten zu können.

Am Mittwoch hatte das UN-Programm zur Aids-Bekämpfung (UNAIDS) seinen Jahresbericht vorgestellt . Demnach sank 2013 die Zahl der Neuinfektionen weltweit auf 2,1 Millionen; 2001 waren es noch 3,4 Millionen. „Ein Ende der Epidemie ist möglich“, sagte UNAIDS-Direktor Michel Sidibe. Dafür müssten aber besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen besser versorgt werden.

Gedenken an Opfer von Flug MH 17

Die Welt-Aids-Konferenz wurde am Sonntag mit einer Schweigeminute zum Gedenken an die getöteten Aids-Experten an Bord der über der Ostukraine abgestürzten Maschine von Malaysia Airlines eröffnet. An Bord von Flug MH 17 waren Aids-Experten der Weltgesundheitsorganisation WHO, des Aids-Fonds, von Stop Aids Now, des Amsterdam-Instituts für globale Gesundheit und Entwicklung sowie niederländische Aids-Forscher, wie die Internationale Aidsgesellschaft (IAS) am Sonntag in Melbourne mitteilte.

Die internationale Konferenz soll am Freitag mit der Verabschiedung einer „Deklaration von Melbourne“ zu Ende gehen. Diese richtet sich gegen Gesetze in vielen Ländern, durch die eine „Kriminalisierung und Stigmatisierung“ von HIV und Aids besonders gefährdeter Gruppen gefördert und effektive Hilfsprojekte behindert würden. (lek mit KNA)

Katholische Kirche trägt ein Viertel der Aids-Hilfe weltweit

Die katholische Kirche trägt weltweit etwa 25 Prozent der Hilfs- und Versorgungsangebote für Menschen mit HIV und Aids. Das teilte Caritas Australia am Freitag zu Beginn einer Konferenz internationaler katholischer Aids-Hilfen in Melbourne mit. Diese fand im Vorfeld der Welt-Aids-Konferenz statt.

Seit der Internationalen Aids-Konferenz 2013 habe die finanzielle Unterstützung der katholischen Aids-Hilfsorganisationen abgenommen, sagte der Leiter der Vertretung von Caritas Internationalis bei den Vereinten Nationen und Caritas-Sonderberater für HIV/Aids, Robert Vitillo. „Aber wir werden dauernd gebeten, mit weniger (Mitteln) mehr zu tun.“

Bei der katholischen Aids-Konferenz ging es um einen Erfahrungsaustausch bei der Fürsorge für Menschen mit HIV/Aids. Weitere Themen waren ethische Fragen, neue wissenschaftliche Erkenntnisse, Zusammenarbeit mit Pharmaunternehmen und Möglichkeiten des Fundraising zur Finanzierung der Aids-Arbeit der Kirche. Die katholische Aids-Vorkonferenz wurde von Caritas Internationalis, der australischen Caritas sowie dem Katholischen HIV- und Aids- Netzwerk (CHAN) getragen.

Quelle: KNA

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