Vatikan für Umdenken in der Migrationspolitik

  • Vatikanstadt/Mexiko-Stadt - 16.07.2014

Es ist eine der großen Herausforderungen unserer heutigen Gesellschaft: die Migration . Dieser Herausforderung gilt es sich mit einer „Kultur des Kennenlernens“ und Aufeinander Zugehens zu stellen, statt Migranten aus „Desinteresse oder Angst“ zu ignorieren. Das schreibt Papst Franziskus in einer Nachricht an einen mexikanisch-vatikanischen Kongress über Migration und Entwicklung, an dem Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin am Montag in Mexiko-Stadt teilnahm. Besonderes Augenmerk legte Papst Franziskus in seiner Nachricht auf Kindermigranten, die ohne Eltern auf die lange Reise gehen und ausgebeutet und missbraucht werden. Zuweilen überleben sie ihre Auswanderung nicht lange.

Trotz der alltäglichen Migrationsflüsse der Welt sei dieses Phänomen auch heute eben eine der größten Herausforderungen unserer Gesellschaft, erklärt Franziskus in seiner Botschaft, denn die Migrationswellen werden durch Notsituationen ausgelöst. Viele reisen ab, verlassen ihr Land in der „großen Hoffnung“ auf ein besseres Leben, stoßen aber schließlich auf „Menschenrechtsverletzungen, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit“.

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin war von 2009 bis zu seinem Wechsel an die Kurienspitze in Rom 2013 Botschafter des Vatikan in Venezuela. KNA

Auch Kardinalstaatssekretär Parolin forderte auf dem Kongress ein Umdenken beim Thema Immigration und Asyl . „Wir müssen von einer Kultur des Eigensinns zu einer Kultur der Hilfe übergehen“, sagte er am Montag in Mexiko-Stadt. Immer mehr minderjährige Migranten aus Mittelamerika versuchen, in die USA und so zu einem besseren Leben zu kommen. Das Problem könne nicht durch politische Maßnahmen und noch viel weniger durch eine Aufstockung der Sicherheitsmaßnahmen gelöst werden, sagte der Kardinalstaatssekretär. Es brauche vielmehr einen höheren Lebensstandard in den Ländern Zentralamerikas, um der Auswanderung vorzubeugen. Parolin lobte zugleich die Arbeit zahlreicher Kirchenvertreter in Mexiko zum Wohle der Migranten.

Sorge um Kindermigranten

Papst Franziskus wies in seiner Grußbotschaft zum Kongress darauf hin, dass lediglich eine „Kultur des Kennenlernens“ eine „brüderliche und gerechte Welt“ aufbauen könne. Seine Gedanken seien vor allem bei den vielen Kindern, die allein, unter „unglaublichen Bedingungen“, von Zentralamerika und Mexiko in die Vereinigten Staaten auswandern, um der Armut und der Gewalt zu entkommen. Es sei ein ständig wachsender „humanitärer Notfall“ so der Papst, der politische Aufmerksamkeit und Unterstützung benötige. Diese Kinder müssten beschützt werden. Schließlich bat der Papst in seiner Nachricht die gesamte internationale Gemeinschaft, diese Dringlichkeiten nicht aus den Augen zu verlieren, bis es neue, legale und sichere Formen der Emigration gebe.

Seit Oktober haben die US-Grenzbehörden nach eigenen Angaben mehr als 52.000 Minderjährige abgefangen. Sie seien in ihre Heimatländer zurückgeschickt oder in mittlerweile überfüllten Notunterkünften untergebracht worden.

Kardinalstaatssekretär Parolin traf am zweiten Tag seines Mexiko-Besuchs auch mit Staatspräsident Enrique Pena Nieto zusammen. Dabei versicherte Parolin, Papst Franziskus habe „großes Interesse“ daran, das Land zu besuchen. Anschließend ehrte Pena Nieto Parolin, der früher Vatikanbotschafter in Mexiko war, mit der höchsten Auszeichnung des Landes, den „Orden vom Aztekischen Adler“. (lek mit Radio Vatikan und KNA).

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